Entwicklung finanzieren
Wenn die weltweite Armut effektiv bekämpft werden soll und die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG) bis 2015 gelingen soll, muss neben den entsprechenden Rahmenbedingungen auch eine angemessene und konstante Finanzierung von Entwicklung gesichert sein.
Bereits 1970 haben die Vereinten Nationen (UN) eine Resolution verabschiedet, in der sie das bis heute gültige und leider von den meisten Staaten noch nicht erfüllte Ziel festgeschrieben haben, dass die entwickelten Industriestaaten eine ODA-Quote von 0,7 Prozent erreichen, das bedeutet, dass sie 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftskraft für Entwicklungszusammenarbeit bereit stellen (vgl. rechte Spalte "Die wichtigsten Begriffe").
Ziel ohne Zeitrahmen
Das 0,7-Prozent-Ziel wurde 2002 auf der UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Monterrey (Mexiko) wieder aufgegriffen. Dort, wie auch 1970 bei der UN-Generalversammlung, wurde kein Zeitrahmen festgelegt, innerhalb dessen die Industriestaaten das Ziel erreicht haben sollten. Und so dümpeln die meisten großen Industriestaaten seit Jahren bei weitaus weniger als 0,7 Prozent herum, beteuern aber bei jeder neuen Konferenz, das Ziel umsetzen zu wollen.

- (Foto: kiki99/ Flickr)
Zumindest die Europäische Union (EU) ist einen Schritt weiter gegangen. Sie hat 2005 einen Stufenplan zur schrittweisen Erhöhung der Entwicklungshilfe vorgelegt. Dieser Plan legt erstens genaue Ziele und zweitens einen zeitlichen Rahmen fest. So sollen alle Staaten, die bereits vor 2002 Mitglied der EU waren, also auch Deutschland, bis 2010 eine ODA-Quote von mindestens 0,51 Prozent und bis 2015 mindestens 0,7 Prozent erreichen.
Anspruch und Wirklichkeit
2008 lag die weltweite Entwicklungshilfe bei etwa 120 Milliarden US-Dollar. Wenn sich die Gebernationen an ihre Verpflichtungen halten, dann könnte der Betrag 2010 bei 145 Milliarden US-Dollar oder noch höher liegen. Die OECD, die die offiziellen Zahlen berechnet, geht bei ihren Schätzungen davon aus, dass die Europäer ihre oben genannten Zielmarken einhalten.
Bei den anderen Gebern wie den USA, Japan oder Kanada gibt es keine Zusagen wie bei den EU-Staaten. Während die USA überhaupt keine Vorhersagen über ihre zukünftige Entwicklungshilfe abgeben, sind die Zusagen Kanadas und Japans weit unter dem Niveau der Europäer. Würden sich allein diese drei Industriestaaten dem EU-Stufenplan anschließen, dann stünden 2010 etwa 56 Milliarden US-Dollar mehr zur Verfügung, insgesamt also 201 Milliarden US-Dollar.
Deutschland muss mehr tun
Die deutsche ODA-Quote lag 2009 mit 0,35 Prozent noch deutlich unter der Zielmarke für 2010. Der OECD geht davon aus, dass Deutschland seine ODA bis 2010 um 2,7 Milliarden Euro erhöhen muss, um das 0,51-Prozent-Ziel zu erreichen.
Der Haushaltsentwurf, den das Bundeskabinetts im Sommer 2009 für das Jahr 2010 vorgelegt hat, sieht eine marginale Erhöhung des Budgets des Entwicklungsministerium (BMZ) um 23 Millionen Euro vor. 2009 lag die Erhöhung des BMZ-Budgets noch bei 679 Millionen Euro. Allerdings muss man wissen, dass auch andere Ministerien, wie z.B. das Auswärtige Amt oder das Umweltministerium Entwicklungshilfe leisten. Doch liegt deren Budget für Entwicklungshilfe deutlich unter dem des BMZ. Die mangelhafte finanzielle Ausstattung des BMZ wird an anderer Stelle kaum ausgeglichen werden können.
Geld ist genug da

- (Foto: Gussifer/ Flickr)
Die Milliardensummen, die die reichen Staaten für ihre Rettungs- und Konjunkturpakete mobilisiert haben, um die Folgen der Wirtschaftskrise abzufedern, zeigen vor allem eins: Geld ist genug da, wenn der politische Wille vorhanden und der Druck zum Handeln hoch ist.
Auch die weltweiten Rüstungsausgaben lassen darauf schließen, dass es sich in erster Linie um eine Frage der Prioritätensetzung handelt und nicht um knappe Haushaltskassen. So werden im deutschen Haushalt ohne mit der Wimper zucken jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge für Rüstungsausgaben eingestellt.
Neue Finanzierungsinstrumente nutzen
Um die Mittel für Entwicklung schneller zu steigern und vorhersehbare Finanzströme zu haben, die nicht so sehr von den Launen der Finanzminister abhängen, wird die Einführung innovativer Finanzierungsinstrumente diskutiert. Deren Einnahmen sollen für die Entwicklungsfinanzierung zweckgebunden werden.
Die meisten dieser Instrumente haben zusätzlich den Vorteil, dass sie über Lenkungseffekte verfügen. Eine Finanzmarktsteuer beispielsweise würde gleichzeitig zur Regulierung der Finanzmärkte beitragen und helfen, Krisen zu vermeiden. Eine Kerosinsteuer könnte nicht nur neue Einnahmen bringen, sondern auch den klimaschädlichen Flugverkehr verringern. Bereits heute nutzt Deutschland einen Teil seiner Erlöse aus der Versteigerung von Emissionsrechten dafür, Klimaschutzmaßnahmen und Klimaanpassung in Entwicklungsländern zu finanzieren. 2008 wurden 120 Millionen, 2009 voraussichtlich 225 Millionen Euro als staatliche Entwicklungshilfe verbucht.
Es gibt noch weitere Instrumente, für die verschiedene Organisationen schon seit langem eintreten und die ein hohes Potential aufweisen. Zum Beispiel:
- Steuer auf grenzüberschreitende Kapitalbewegungen bzw. Devisentransfers (Tobin-Steuer): Dieser Vorschlag wird von einzelnen Staaten, so Frankreich und Belgien, und vielen zivilgesellschaftlichen Kräften unterstützt. Experten schätzen, dass selbst ein minimaler Steuersatz von 0,005 Prozent alleine in Europa 3,5 Milliarden Euro pro Jahr einbringen würde. Besonders angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, die durch einen ungezügelter Kapitalverkehr maßgeblich verursacht wurde, brauchen wir Instrumente die den Finanzmarkt regulieren. Eine Devisentransaktionssteuer, deren Erlöse für die Entwicklungszusammenarbeit verwendet werden, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie wirkt sich regulierend auf den Finanzmarkt aus und unterstützt die Entwicklungsländer, die am wenigsten zur Finanzkrise beigetragen haben, aber am meisten unter ihren Folgen leiden.
- Nutzungsentgelte auf globale Gemeinschaftsgüter: Dies betrifft zusätzliche Gebühren auf den Flug- oder Schiffsverkehr. Ein erster Schritt ist gemacht, seit 20 Staaten eine Flugticketabgabe eingeführt haben. Die Erlöse werden für den Kauf von Medikamenten verwendet werden (vgl. UNITAID). Deutschland hat sich dieser Initiative bislang nicht angeschlossen, obwohl die Bundesregierung sich immer wieder öffentlich für innovative Finanzierungsinstrumente ausspricht.
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Die wichtigsten Begriffe
Die staatlichen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit werden als Official Development Assistance (ODA) bezeichnet. Neben der absoluten Höhe der ODA ist die ODA-Quote eine zentrale Kennziffer. Damit ist das Verhältnis von Entwicklungsausgaben im Vergleich zur Wirtschaftskraft eines Landes (Bruttonationaleinkommen, BNE) gemeint.
Die offiziellen ODA-Zahlen werden vom Entwicklungsausschuss (DAC) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht. Der DAC legt in Absprache mit den Mitgliedsstaaten der OECD auch fest, was als Entwicklungshilfe zählt. Derzeit können die Geberländer auch Schuldenerlasse an arme Länder und Ausgaben für ausländische Studierende als ODA deklarieren, obwohl dadurch kein Euro mehr für Entwicklung ausgegeben wird.
Als ODA-Mittel zählt nicht nur das Geld, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ausgibt. Auch andere Ministerien wie das Auswärtige Amt (AA) oder das Umweltministerium (BMU) finanzieren Maßnahmen, die als Entwicklungshilfe zählen - allerdings deutlich weniger als das BMZ.
