Der offizielle Blog zur Aktion DEINE STIMME GEGEN ARMUT


Pariser Club: Geburtstagsfeier ohne Korkenknallen

9. Juni 2011 | 0 Kommentare

Der Pariser Club wird 55. Ein Grund zum Feiern? Nein, finden die Aktivisten von erlassjahr.de. Vor der französischen Botschaft hielten sie am Dienstag ihr Banner in die Höhe und sprachen mit den Passanten (mehr Bilder). Später trafen sie Mitarbeiter der französischen Botschaft. Die Aktivisten prangern die undurchsichtigen Verfahren des Pariser Clubs an und fordern einen gerechteren Umgang mit verschuldeten Ländern.

Viele Entwicklungsländer haben Schulden bei reichen Industrieländern. Da sich ihre wirtschaftliche, politische und soziale Situation oft auch nach Jahrzehnten nicht grundlegend verbessert, können sie ihre Schulden nicht begleichen. Sie stehen vor einem Dilemma, da die Verschuldung sie hindert, notwendige Investitionen in Bildung und Gesundheit zu tätigen.

Argentinien war der Geburtshelfer

Vor 55 Jahren erging es Argentinien nicht anders. Das Land hatte bei mehreren Ländern Kredite aufgenommen und konnte diese nun nicht mehr ausgleichen. Die Gläubigerstaaten, die Länder also, die Argentinien Geld geliehen hatten, taten sich zusammen, um mit dem südamerikanischen Land über Auswege aus der Krise zu sprechen. Frankreich stellte seinerzeit für die Verhandlungen die Räumlichkeiten zur Verfügung. So wurde 1956 der „Pariser Club“ geboren.


erlassjahr.de Erklärbär: Internationales… von erlassjahr

Was damals als einmaliges Verfahren angedacht war, verstetigte sich mit den Jahren. Nun ist jedes Schuldnerland auf die Verhandlungen in Paris angewiesen. Oft reicht ein Treffen pro Land nicht aus, um geeignete Verfahren im Umgang mit den Schulden zu finden. So musste zum Beispiel Senegal 13 mal mit seinen Gläubigern zusammen kommen, bevor sich diese bereit erklärten, dem afrikanischen Land einige Schulden zu erlassen.

Hinterzimmergespräche statt fairem Verfahren

Wie gerecht ist ein Verfahren, in dem reiche Staaten hinter verschlossenen Türen über Um- oder Entschuldung von Staaten beraten? Das Bündnis erlassjahr.de – Entwicklung braucht Entschuldung kritisiert den Umgang der reichen mit den armen Staaten scharf. Bei einzelnen Menschen ist die Sache klar: Ist ein deutscher Bürger zahlungsunfähig, behandelt ein Gericht den Fall. Das heißt, dass das Gericht als überparteiische Instanz über Probleme und Lösungsansätze berät und dann ein Urteil fällt. Es gibt also streng genommen zwei Parteien, Schuldner und Gläubiger, und eine neutrale dritte Position.

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Steffen (28): Voller Einsatz statt Zeitspiel

7. Juni 2011 | 1 Kommentar

Handballtrainer Steffen (28) engagiert sich gegen weltweite Armut: Voller Einsatz statt Zeitspiel

Auf der Trainingsjacke von Steffen Franke (28) sticht ein Logo aus den übrigen Sponsorenlogos heraus. Der Handballtrainer und sein Team, die Handballdamen des SV Grün-Weiß Schwerin, tragen nicht nur Werbung für eine Krankenkasse und eine Versicherung, sondern auch für die Aktion gegen die weltweite Armut. Damit zeigen sie auch neben dem Platz vollen Einsatz.

Im Sommer 2007 sah Steffen im Fernsehen den Clip von „Deine Stimme gegen Armut“. Darin traten neben prominenten Schauspielern und Musikern auch die Sporthelden Jens Lehmann, Thiery Henry und die Klitschko-Brüder auf. „Ich hatte mir vorher öfter Gedanken über Armut in Entwicklungsländern gemacht. Seit meiner Zeit als Schulsprecher war ich politisch interessiert. Mir war klar, dass beim G8-Gipfel in Heiligendamm, wenige Kilometer von meiner Heimatstadt Schwerin entfernt, Entscheidungen getroffen werden, die die ganze Welt betreffen“, erinnert sich der Trainer.

Zusammen mit dem Team von Grün-Weiß Schwerin, zu dem auch Katrin (21), Theresia (18) und Juliane (17) gehören, sorgt er seitdem dafür, dass Schweriner Sportfans auf das Thema weltweiter Armut aufmerksam gemacht werden. Als er seine Arbeit als A-Jugendtrainer aufnahm, wollte er nicht nur sportlich ein Zeichen setzen: zusammen mit den Sportlerinnen sprach er bei einer Teambesprechung lange über das Thema Armut: „Wir haben die Situation in Deutschland und in Entwicklungsländern diskutiert. Klar gibt es hier auch Probleme, das will ich gar nicht schönreden. Trotzdem geht es uns, auch wenn wir in schwierigen Situationen sind, einfach besser. Wir haben ein Sozialsystem das uns auffängt.“ Die anschließende Abstimmung am Abend, ob das Team etwas tun will, war nur noch Formsache.

„Wir wollten im Rahmen unseres Sports handeln. Und da lag es nahe, das Kampagnenlogo auf die Trikots und das Trainershirt zu drucken. Aus dem Aktionsbüro in Berlin haben wir dann noch ein Banner für die Halle bekommen“, erzählt Steffen.

„Ich denke, dass wir schon mit kleinem Aufwand viel erreichen können. Wenn wir unsere Fans und andere Sportler auf die Aktion aufmerksam machen und diese dann ebenfalls zu Unterstützern werden, können wir gemeinsam die Politik zum Handeln bewegen“, ist Steffen überzeugt. Seine Kontakte zur Schweriner Volkszeitung nutzt er, um Spielveranstaltungen anzukündigen, nicht ohne Hinweis auf die Aktion: „Je mehr Leute zu den Spielen kommen, desto mehr werden auf ‚Deine Stimme gegen Armut‘ aufmerksam. Wir werden oft angesprochen und gefragt, was es damit auf sich hat. Wenn ich es erkläre, reagieren in der Regel alle sehr positiv darauf“, freut sich der Übungsleiter. „Viele haben sich der Aktion angeschlossen und auch ihre Stimme gegeben. Das zeigt, dass viele Leute einfach nur darauf gestoßen werden müssen.“

Steffen erhofft sich für die Zukunft, dass die Menschen nicht mehr die Augen vor den Problemen verschließen, die sie nicht unmittelbar betreffen. Er will sie über seine große Leidenschaft, den Sport, erreichen. „Außerdem“, fügt Steffen mit einem Augenzwinkern hinzu, „mir ist klar, was ‘Entwicklung‘ bedeutet, schließlich komme ich aus Ostdeutschland!“

Das Bild und die Geschichte von Steffen und seinem Team ist Teil der Reihe “Deine Stimme ist unser Joker”. Von Mitte April bis Mitte Juni 2011 erscheint jede Woche eine Geschichte von jungen Menschen aus Deutschland und aus armen Ländern, die konkret und mit einfachen Mitteln in ihrem Umfeld Einsatz zeigen gegen die weltweite Armut. Was ist Dein Einsatz?

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Raka (15): Starker Auftritt für Frauenrechte

31. Mai 2011 | 2 Kommentare

Raka (15): Starker Auftritt für Frauenrechte

Als Mädchen hat es Raka in Bangladesch nicht leicht. Nicht selten werden Mädchen auf ihren Schulwegen belästigt oder im Kindesalter verheiratet. Eine weiterführende Ausbildung bleibt ihnen oft verwehrt, gesellschaftlich und politisch sind sie an den Rand gedrängt. Mit ihrer Theatergruppe thematisiert die junge Frau die Menschen- und Frauenrechte in ihrem Land. Durch die schauspielerische Überzeichnung soll die Denkweise vieler Bangladeschi verändert werden.

Devan Khadiza Mahmud ist 15 Jahre alt. Ihre Freunde nennen sie Raka. Am Rande der Kleinstadt Naogaon lebt sie zusammen mit zwei Brüdern, einer Schwester und den Eltern. Naogaon liegt im Norden von Bangladesch, dem Nachbarland Indiens, das nicht nur zu den am dichtesten besiedelten Ländern der Welt gehört, sondern das viele Menschen in Deutschland vor allem wegen der regelmäßig wiederkehrenden Überschwemmungen aus den Nachrichten kennen. Die extrem schlechte Situation der Frauenrechte schafft es dagegen selten in die Schlagzeilen. Junge Aktivisten wie Raka zeigen Einsatz für Gleichberechtigung.

In Bangladesch sind Frauen bis heute stark benachteiligt. „Hier leben genauso viele Frauen wie Männer. Weshalb haben sie dann nicht die gleichen Rechte?“ fragt Raka. In einem repressiven gesellschaftlichen Klima sind Frauen häufig abhängig von ihren Ehemännern oder Vätern. Viele Mädchen dürfen nicht oder nur eine kurze Zeit in die Schule gehen. Sie können nicht ausreichend schreiben, lesen und rechnen. Die Möglichkeiten, einen Job zu bekommen und wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen, sind daher begrenzt. Im gesellschaftlichen und politischen Leben genießen sie nicht die gleichen Rechte wie Männer. Zwar gibt es eine Reihe von Gesetzen, zum Beispiel gegen Kinder-Ehen, Mitgift und Polygamie. Doch diese Gesetze werden nicht konsequent durchgesetzt (Quelle der Karte).

Ihre Leidenschaft fürs Theater entdeckte Raka mit 12 Jahren, als sie in der Theatergruppe der Schule eine Rolle ergattern konnte. Die Möglichkeit im Rampenlicht zu stehen und vor einem Publikum zu stehen, das ihr gespannt zuhört, hatte sie vorher noch nie erlebt. Anders als sonst üblich wurde ihr als Frau Aufmerksamkeit geschenkt und Applaus gespendet. Für sie ein völlig neues Gefühl. „In meinem Land kann ich nicht einmal mit Jungen gemeinsam Fußball spielen. Es ist ein Teufelskreis, der von Männern wie Frauen in Gang gehalten wird. Wenn niemand etwas unternimmt, wird es immer so weitergehen.“ Doch Raka unternimmt etwas.

Gemeinsam mit ihren Mitspielern entwirft und probt sie immer wieder neue Theaterstücke, die Übergriffe auf Frauen oder häusliche Gewalt thematisieren. Diese enden abrupt, wenn die Spannung am größten ist. Dann beziehen die Schauspieler alle Zuschauer ein, diskutieren mit ihnen die Ursachen des gezeigten Konfliktes und mögliche Lösungen.

Dass das Engagement der Theateraktivisten zu Veränderungen führt, beobachtet Raka selbst in ihrem Heimatort Naogaon. Dort haben die Theaterstücke Menschen zum Umdenken bewegt. Raka erzählt von arrangierten Ehen einiger minderjähriger Mädchen, die wieder aufgelöst wurden. Sie haben nun die Chance, in die Schule zu gehen; einige von ihnen sind selbst Theateraktivisten geworden.

Raka (15) und ihre Theatergruppe wollen in Bangladesch die Rechte von Frauen und Mädchen stärken„Das Theaterspielen ist ein fester Bestandteil in meinem Leben geworden. Dadurch habe ich gelernt, dass ich meine Gesellschaft mit verändern kann. Vor allem habe ich gelernt, wie stark ich selbst sein kann“, erzählt Raka.

Bangladesch ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Erde. Etwa die Hälfte der insgesamt 160 Millionen Einwohner leben von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag. 20 Prozent der Bevölkerung leiden unter Hunger.

Millenniumsentwicklungsziel (MDG) 3: Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN), darunter auch Deutschland, haben 2000 beschlossen, bis zum Jahr 2015 acht Ziele zur Armutsbekämpfung umzusetzen. MDG 3 legt fest, die Geschlechterungleichheit auf allen Bildungsebenen bis zum Jahr 2015 zu beseitigen und die Rolle der Frau zu stärken.

Rakas ehrenamtliche Theatergruppe wird von Ain o Salish Kendra, einer der bekanntesten Menschenrechtsorganisation Bangladeschs und von der deutschen Organisation NETZ Bangladesch unterstützt. NETZ ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit 1989 gegen Hunger und für Menschenwürde in Bangladesch kämpft. Von Wetzlar aus werden vor Ort verankerte Partnerorganisationen gefördert, die Selbsthilfe-Projekte für Ernährung, Bildung und Menschenrechte durchführen.

Das Bild und die Geschichte von Raka ist Teil der Reihe “Deine Stimme ist unser Joker”. Von Mitte April bis Mitte Juni 2011 erscheint jede Woche eine Geschichte von jungen Menschen aus Deutschland und aus armen Ländern, die konkret und mit einfachen Mitteln in ihrem Umfeld Einsatz zeigen gegen die weltweite Armut. Was ist Dein Einsatz?

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Gezinkte Karten? G8 bluffen bei den Entwicklungsleistungen

26. Mai 2011 | 0 Kommentare

Verzockt im Casino? Oxfam Frankreich hat sich zum G8-Gipfel eine gute Aktion einfallen lassen (Foto: Delphine Bedel/ Oxfam France)

Wie jedes Jahr treffen sich auch heute wieder die G8, die Staats- und Regierungschefs der acht wichtigsten Industrienationen der Welt. Dieses Mal in Deauville, Frankreich. Wichtige Fragen werden erörtert und Beschlüsse gemacht. 2005 hatten die G8 auf ihrem Gipfel in Gleneagles (Schottland) unter anderem zugesagt, dass die weltweite jährliche Entwicklungshilfe bis 2010 um 50 Milliarden US-Dollar erhöht werden soll (gemessen am Wert des Dollars von 2004).

In ihrem vor wenigen Tagen veröffentlichten Rechenschaftsbericht legen die G8-Staaten den Stand der Umsetzung ihrer Versprechen dar. Dort heißt es, die G8 liegen nur eine Milliarde Dollar hinter den jährlichen Zielvorgaben des Gipfels von Gleneagles. Nach den international akzeptierten Standards der OECD ist das nicht der Fall. Die G8 geben über 18 Milliarden US-Dollar zu wenig, kritisieren verschiedene Nichtregierungsorganisationen wie ONE, Oxfam, Action Aid, World Vision oder die Kampagne Malaria No More (Quelle Grafik).

„So kann man sich Versprechen schön rechnen“ kommentiert Marwin Meier von World Vision Deutschland. „Rechnet man aber fairer Weise den Wertverlust des Dollars und die Inflation mit ein, drücken sich die G8 um Milliardenbeträge.”

"Doppelgänger" von Angela Merkel und dem italienische Präsident Silvio Berlusconi auf dem Weg ins G8-Casino (Foto: Delphine Bedel/ Oxfam France)Deutschlands Leistungen beurteilt ONE in ihrem DATA Bericht 2011 kritisch. Deutschland hat mit einer Erhöhung der Entwicklungszusammenarbeit zwischen 2005 und 2010 um 979 Millionen US-Dollar lediglich 23 Prozent der zugesagten Erhöhungen überwiesen. Schaut man sich davon die Gelder an, die in die ärmsten Regionen, nach Subsahara-Afrika flossen, belegt Deutschland den vorletzten Platz im G8-Vergleich. Nur Italien lieferte ein schlechteres Bild: Statt einer versprochenen Erhöhung sanken die Leistungen sogar um 78 Mio. US-Dollar.

Wenn Deutschland die durchschnittliche Erhöhung der Steigerung der Entwicklungszusammenarbeit der letzten Jahre beibehält, wird das für 2015 versprochene Ziel, 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft für Entwicklung auszugeben, frühestens 2022 erreicht, so die Rechnung von ONE.

Auch Oxfam sieht die Situation kritisch und merkt in ihrem Bericht “Cooking the books won’t feed anyone” an: „Wenn die G8 weiterhin als glaubwürdige Stimme im Bezug auf die Entwicklungszusammenarbeit gesehen werden möchte, müssen sie dieses Jahr in Deauville ihre Versprechungen erfüllen.“ Dafür sind laut Tobias Hauschild, Policyexperte von Oxfam, Mittel aus der geplanten Finanztransaktionssteuer (FTT) unverzichtbar. „Der anstehende G8-Gipfel ist für Bundeskanzlerin Merkel die passende Gelegenheit, sich für eine solche Steuer gegen Armut einzusetzen.“

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Trickserei aus Eigeninteresse: EU rechnet die Entwicklungszusammenarbeit schön

19. Mai 2011 | 0 Kommentare

In Busan (Südkorea) wird im Herbst über die Effektivität von Entwicklungszusammenarbeit beraten. Welcher Europäer kommt am besten weg?Die 27 Staaten der EU und die Europäische Kommission haben 2010 rund 55 Milliarden Euro für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben. Bei näherer Betrachtung fällt auf: Das sind fast 15 Milliarden Euro weniger als versprochen. Fünf Mrd. Euro haben die EU gar nicht verlassen, sie kommen niemals den Armen zugute. Schließlich bestimmen Eigeninteressen die Entwicklungshilfe, zum Beispiel Immigration, Sicherheit- und Wirtschaftsinteressen.

1.600 Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus ganz Europa haben sich unter dem Dach des Netzwerks Concord die offiziellen Entwicklungshilfezahlen von 2010 genau angeschaut. Heute ist ihr Bericht, der AidWatch Report 2011 (als PDF) erschienen.

Aufgeblähte Zahlen

Die NGOs kritisieren, dass die Gesamtsumme durch zweifelhafte Rechnungen um fünf Milliarden Euro aufgebläht wird. So wurden armen Ländern Schulden in Höhe von 2,5 Milliarden Euro erlassen, 1,6 Milliarden Euro wurden für Studienplatz-Kosten ausländischer Studierender in der EU ausgegeben und rund 1,1 Milliarden Euro wurden für Flüchtlinge in den EU-Ländern ausgegeben. All das zählt zur offiziellen Entwicklungshilfe (ODA), auch wenn kein Cent in arme Länder fließt.

Eigene Interessen statt arme Menschen im Blick

Der AidWatch-Bericht kritisiert auch, dass für viele EU-Staaten innenpolitische Interessen die Entscheidungen in der Entwicklungspolitik bestimmen: “Das vornehmste Ziel der Entwicklungszusammenarbeit, nämlich die Armut zu reduzieren, wird immer mehr von anderen Zielen der Geber überlagert. Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn Entwicklungszusammenarbeit nicht im gewünschten Maße die Armut überwindet“, kritisiert Ulrich Post, Vorsitzender des deutschen NGO-Dachverbands VENRO, dem Träger von “Deine Stimme gegen Armut”. So zählen beispielsweise 48 Staaten als fragil (etwa: schwach, mit schlechter Regierungsführung). Doch von den gesamten Leistungen für fragile Staaten flossen seit 2002 mehr als 30 Prozent in nur drei dieser 48 Staaten und zwar an den Irak, Afghanistan und Pakistan.

Lahme Enten: So wird das Ziel nicht erreicht

Trotz Sparzwang stehen unsere Nachbarn von der Insel in Sachen Entwicklungszusammenarbeit deutlich besser da.Auch bei der eigenen Zuverlässigkeit hapert es bei vielen Geberländern. Bis 2015 wollen die EU-Staaten 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft für Entwicklung bereitstellen (ODA-Quote). Doch nur neun Länder erreichen die im Rahmen des sogenannten EU-Stufenplans versprochenen (Zwischen-)Ziele zur Steigerung: Belgien, Dänemark, Großbritannien, Finnland, Irland, Luxemburg, Niederlande, Schweden und Zypern. Die deutsche Quote lag 2010 bei mageren 0,38 Prozent, versprochen waren 0,51.

Mehr Informationen und Argumente rund um die Entwicklungszusammenarbeit haben wir in einer aktuellen Broschüre (PDF) zusammengetragen.

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Jhoenmert (14): Ein Präsident nimmt Wasserproben

17. Mai 2011 | 3 Kommentare

Jhoenmert (14) nimmt im Einsatz gegen Umweltverschmutzung Wasserproben in seiner Heimat Peru.

Die Tomaten sehen saftig aus, Gurken glänzen in der Sonne. Das Gemüse auf dem Markt in La Oroya in Peru sieht lecker aus. Doch der Schein trügt. Das Gemüse aus dieser Region in den Anden, liegt den Menschen schwer im Magen. Böden, Luft und Wasser sind vom Bergbau mit giftigen Schwermetallen verseucht. Die Menschen nehmen sie über die Nahrung und durch die Kleidung auf. Der 14-jährige Jhoenmert engagiert sich gegen die Umweltverschmutzung.

Die Bleiwerte in Jhoenmerts Blut sind zu hoch. Sie übersteigen um ein Vielfaches den Grenzwert, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für das giftige Schwermetall festgelegt hat. „Besonders wir Kinder und Jugendlichen leiden sehr unter den Folgen des hohen Bleiwerts. Wir können uns schlecht konzentrieren, haben oft Kopfschmerzen und sind besonders anfällig für Krankheiten, weil unser Immunsystem geschwächt ist. Viele Menschen in La Oroya leiden an Krebs. Das ist eine der schlimmsten Folgen der Verschmutzung“, schildert der junge Mann.

Der Fluch des reichhaltigen Gesteins

Jhoenmert lebt mit seiner Familie in einer der dreckigsten Städte der Welt. In der Andenregion Junín werden ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt Blei, Kupfer, Zink und Silber abgebaut. In La Oroya werden diese Metalle dann verhüttet. Die dazu notwendige Anlage, steht mitten in einem Wohnviertel – ihr fehlen Schutzvorrichtungen, die giftige Dämpfe filtern und verschmutztes Abwasser auffangen. Die Gifte gelangen direkt in Luft, Wasser und Boden. Die Stadt schaffte es auf tragische Weise in die internationale Presse: La Oroya war 2007 eine der zehn meistverschmutzten Städte weltweit. Obwohl die Verhüttungsanlage derzeit stillsteht, hat sich daran nicht viel geändert.

„Der Bergbau ist ein zweischneidiges Schwert“, erklärt Jhoenmert das Problem. „Einerseits werden durch ihn giftige Substanzen freigesetzt. Andererseits bietet er rund 3.000 Menschen in der Stadt einen Arbeitsplatz. Ein Dilemma, das durch den Einbau von Schutzfiltern entschärft werden könnte.“ Als Jhoenmert vor ein paar Jahren diesen Zusammenhang erkannte, konnten er und einige seiner Freunde nicht mehr stillhalten. „Egal ob wir Gemüse aus dem Garten ernten oder vom Markt kaufen, es macht uns krank! Uns war klar, dass sich in La Oroya etwas ändern muss!“

Jugendliche Umweltschützer gegen das Wegsehen

Jhoenmert analysiert in Peru die Belastung von Wasser und Böden mit Schwermetallen (Foto: Kindernothilfe)Mit einigen Freunden schloss sich Jhoenmert dem „Netzwerk der jugendlichen Umweltschützer“ an, das von einer peruanischen Nichtregierungsorganisation ins Leben gerufen wurde. „Wir waren schockiert darüber, dass die meisten Erwachsenen nicht wussten, wie schlimm es um unsere Umwelt steht und warum wir krank sind. Aber auch wenn sie die Zusammenhänge erkannten, wollten sie nichts tun. Viele von uns hatten Streit mit der Familie, weil unsere Eltern nicht einverstanden waren, dass wir etwas verändern wollten.“ Verständlich, denn viele Eltern hatten in der Bergbauindustrie Arbeit gefunden und fürchteten um ihre Stellen. „Jetzt kamen wir und mischten alle auf. Das war vielen unangenehm!“

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Toni (17) und Mareike (19): Da stimmt der Einsatz

10. Mai 2011 | 8 Kommentare

Toni (17) und Mareike (19): Da stimmt der Einsatz

Es war zwar nicht der Eurovision Song Contest aber auch ein europäischer Musikwettbewerb. Mit ihrem Song „Eine Geschichte der Ignoranz“, der zum Titelsong eines Kampagnenvideos von „Deine Stimme gegen Armut“ wurde, haben Toni Montag (17) und Mareike Matthias (19) aus Küllstedt in Thüringen den europäischen Musikwettbewerb „I Fight Poverty“ gewonnen. Mit kritischen Songs zeigen sie Einsatz gegen weltweite Armut.

Im beschaulichen Küllstedt werden gerade einmal 1.500 Einwohner gezählt. Zwei von ihnen wurden im vergangenen Jahr über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Antonia (kurz Toni) und Mareike haben sich in der örtlichen Orchestergruppe kennen gelernt, wo sie beide Gitarre spielten. Als Singer/Songwriter bestimmen sie heute ihre eigene Stilrichtung. Mit Erfolg: Nach dem Gewinn des Musikwettbewerbs „I fight Poverty“ der Europäischen Kommission gewonnen und standen plötzlich in Brüssel auf der Bühne.

Zufällig gewonnen

„Mein Freund Christian stieß beim Surfen im Internet zufällig auf den Wettbewerb. Weil der Song schon aufgenommen war und die Deadline so kurzfristig war, habe ich den Song einfach hochgeladen, ohne Toni vorher Bescheid zu geben“, erinnert sich Mareike.Dann geriet der Wettbewerb in Vergessenheit, bis plötzlich eine Mitarbeiterin der Europäischen Kommission anrief. „Sie sagte, wir hätten die Jury mit unserem Lied überzeugt und gewonnen – Wahnsinn! Unser Preis war eine professionelle Studioaufnahme des Songs und ein Auftritt in Brüssel vor internationalem Publikum“, erzählt Toni. „Wir waren ziemlich stolz, vor allem auch deshalb, weil dieser Wettbewerb genau das fördert, was wir mit unserer Musik erreichen wollen.“ Junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren waren dazu aufgerufen, ein Lied einzureichen, das sich mit der Bekämpfung der weltweiten Armut auseinander setzt.

Beinahe hätte es den Akustiksong nie gegeben. Als Toni zu Weihnachten eine E-Gitarre geschenkt bekam, hat sie kurz überlegt umzusteigen: „Den elektrischen Klang mochten wir aber beide nicht so gerne und sind bei der Akustikgitarre geblieben.“ Ihren Stil beschreiben sie als Singer/Songwriter, selbst hören sie gerne Bands wie Chapeau Claque, Clueso aber auch akustische Songs von Bon Iver oder Jack Johnson.

Von Austauschschülern und Benefizkonzerten

Ihr Interesse an globalen Themen ist auf persönliche Erfahrungen mit Freunden aus Afrika und Austauschschülern aus Chile sowie Brasilien zurückzuführen. Deren Geschichten und Bilder in Zeitungen und Fernsehen haben sie berührt. „Ich werde wütend wenn ich höre, wie ungerecht die Verteilung ist. Dagegen müssen wir etwas tun. Küllstedt ermöglicht es einem jedoch nicht gerade, an weltpolitischen Geschehen teilzunehmen. Mit Demos und Veranstaltungen sieht es hier eher schlecht aus“, lacht Mareike. Ihre Gedanken verpacken sie in raffinierten, nachdenklichen Texten und schreiben dazu knackige Melodien, die Ohrwurmgarantie haben. Toni und Mareike spielten auf Benefizkonzerten für die Opfer des Erdbebens in Haiti. Außerdem organisierten sie mit Hilfe von Freunden ein Konzert für die Familie von Mareikes Austauschschülerin aus Chile.

Inzwischen studiert Mareike Politikwissenschaften in Leipzig und engagiert sich nebenbei in der Studenteninitiative Weitblick. Toni wird in diesem Jahr ihr Abitur machen und will anschließend für einige Zeit nach Brasilien. „Mit der Musik machen wir aber auf jeden Fall weiter. Unser Plan ist, dass es keinen Plan gibt. Wir haben Freude an der Sache und es gibt uns gleichzeitig das Gefühl, nicht untätig herumzusitzen. Und außerdem wissen wir mittlerweile, wie wir unsere ganze überschüssige Kreativität umsetzen können: wir drehen Videos zu unserer Musik und veröffentlichen sie auf Youtube.“

Dort ist auch ein Video zusehen, das von „Eine Geschichte der Ignoranz“ unterlegt ist: Der Clip über das Kampagnenjahr 2010 von „Deine Stimme gegen Armut“. Auch uns hatte der Song beim EU-Wettbewerb am besten gefallen. Dass er schließlich gewann, war Zufall. Genau wie die Wettbewerbseinreichung.

Das Bild und die Geschichte von Toni und Mareike ist Teil der Reihe “Deine Stimme ist unser Joker”. Von Mitte April bis Mitte Juni 2011 erscheint jede Woche eine Geschichte von jungen Menschen aus Deutschland und aus armen Ländern, die konkret und mit einfachen Mitteln in ihrem Umfeld Einsatz zeigen gegen die weltweite Armut. Was ist Dein Einsatz?

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Sexualaufklärung und Ärztemangel: Hürdenlauf zur sicheren Geburt

6. Mai 2011 | 2 Kommentare

Kurz vor dem Muttertag sorgt das „Mutternacht“-Bündnis bestehend aus zehn Entwicklungsorganisationen für Aufmerksamkeit vor dem Brandenburger Tor. Sportlerinnen mit “falschem” Schwangerschaftsbauch in Trikots armer Länder wie Tschad, Sierra Leone und Haiti versuchen, symbolische „Hürden zur sicheren Geburt in armen Ländern“ zu überspringen.

Damit erinnern sie die Bundesregierung an ihr Versprechen, bis 2015 die Gesundheit von Müttern weltweit zu verbessern. Im 5. so genannten Millenniumsentwicklungsziel (MDG), zu dem sich die Staaten der Welt im Rahmen der Vereinten Nationen verpflichtet haben wurden bisher die geringsten Fortschritte erzielt. Noch immer sterben jedes Jahr mehr als 350.000 Frauen vor allem in Entwicklungsländern, nur weil sie ein Kind bekommen.

Für Mädchen im Teenageralter gehören Schwangerschaft und Geburt sogar zu den Haupttodesursachen. Jedes Jahr bekommen mehr als 14 Millionen junge Frauen zwischen 15 und 19 Jahren ein Kind und müssen die Schule oder ihre Ausbildung abbrechen.

Alleine können Frauen in Entwicklungsländern diese „Hürden“ nicht überwinden, so die Botschaft der zehn Hilfsorganisationen des Mutternacht-Bündnisses, zu denen die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, CARE, World Vision und andere gehören. Sie fordern mehr Armutsbekämpfung, bessere Bildungschancen, mehr Gesundheitspersonal und Krankenhäuser sowie die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft um bei diesem „Hürdenlauf“ sicher ins Ziel zu gelangen.

Sexualaufklärung und Hebammenstreik: Hürdenlauf zur sicheren Geburt

Kurz vor dem Muttertag sorgt das „Mutternacht“-Bündnis bestehend aus zehn Entwicklungsorganisationen für Aufmerksamkeit vor dem Brandenburger Tor. Sportlerinnen mit “falschem” Schwangerschaftsbauch in Trikots armer Länder wie Tschad, Sierra Leone und Haiti versuchen, symbolische „Hürden zur sicheren Geburt in armen Ländern“ zu überspringen.

Damit erinnern sie die Bundesregierung an ihr Versprechen, bis 2015 die Gesundheit von Müttern weltweit zu verbessern. Im 5. so genannten Millenniumsentwicklungsziel (MDG), zu dem sich die Staaten der Welt im Rahmen der Vereinten Nationen verpflichtet haben wurden bisher die geringsten Fortschritte erzielt. Noch immer sterben jedes Jahr mehr als 350.000 Frauen vor allem in Entwicklungsländern, nur weil sie ein Kind bekommen.

Für Mädchen im Teenageralter gehören Schwangerschaft und Geburt sogar zu den Haupttodesursachen. Jedes Jahr bekommen mehr als 14 Millionen junge Frauen zwischen 15 und 19 Jahren ein Kind und müssen die Schule oder ihre Ausbildung abbrechen.

Alleine können Frauen in Entwicklungsländern diese „Hürden“ nicht überwinden, so die Botschaft der zehn Hilfsorganisationen des Mutternacht-Bündnisses, zu denen die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, CARE, World Vision und andere gehören. Sie fordern mehr Armutsbekämpfung, bessere Bildungschancen, mehr Gesundheitspersonal und Krankenhäuser sowie die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft um bei diesem „Hürdenlauf“ sicher ins Ziel zu gelangen.

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Evalyne (23): Mit Mut zu mehr Mitbestimmung

3. Mai 2011 | 2 Kommentare

In Uganda, der Heimat von Evalyne Kobusinge (23) hat demokratisches und bürgerschaftliches Engagement keine lange Tradition. Weil sie aber überzeugt davon ist, dass die Bekämpfung von Armut und ungerechten Strukturen nur gelingt, wenn die Menschen sich für Politik interessieren und einmischen, organisiert Evalyne zusammen mit ihren Freunden Gorret (18), Midrat (20) und James (21) Veranstaltungen zu Bürgerrechten und bürgerschaftlichem Engagement.

Erst 2008 endete der Bürgerkrieg, der den Norden des ostafrikanischen Landes 20 Jahre lang erschütterte. 1,8 Mio. Menschen flohen vor dem Terror, 20.000 Kinder wurden entführt und zu Kindersoldaten rekrutiert. In den 1970er Jahren wurden unter der Herrschaft des Diktators Idi Amin über 300.000 Oppositionelle ermordet. Präsident Museveni regiert seit 25 Jahren das Land. Korruption und Vetternwirtschaft sind weit verbreitet, die Situation der Menschenrechte ist vielerorts unbefriedigend.

Wir müssen lernen, uns politisch einzumischen!

Dabei hängen Armut, fehlende politische Kultur und Bildung eng zusammen. „Armut hat viel mit fehlender Bildung zu tun. Wer die Chance hat, zur Schule zu gehen, einen Beruf zu erlernen, kann aus seinem Leben etwas machen und findet einen Weg aus der Armut“, ist Evalyne überzeugt. „Um Armut erfolgreich und dauerhaft zu bekämpfen, braucht es aber auch eine bessere Politik. Und da ist jeder von uns gefragt. Wir müssen lernen, uns politisch einzumischen!“

In Hoima, der Heimatstadt von Evalyne im Osten des Landes, gehört Armut zum Alltag für die rund 40.000 Einwohner. Die meisten Familien leben von der Landwirtschaft. Die junge Frau und ihre drei Freunde kommen aus armen Bauernfamilien und hatten das Glück, eine Schule zu besuchen. „Nicht viele meiner Freunde haben diese Möglichkeit“, sagt Evelyne und wird nachdenklich: „Ich sehe es bei meinen Eltern: ihnen fehlt die Basis, ihre Ideen weiterzuentwickeln. Armut, Hunger, fehlender Zugang zu Wasser, mangelnde Gesundheitsversorgung sind nicht schicksalhaft, sondern haben vor allem mit schlechter Politik zu tun haben. Dass unsere Mitmenschen das erkennen, daran arbeiten wir. “

Millenniumsentwicklungsziele (MDG): Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN), darunter auch Deutschland, haben im Jahr 2000 beschlossen, bis 2015 acht Ziele zur Armutsbekämpfung umzusetzen. MDG 2 legt fest, dass bis zum Jahr 2015 alle Kinder weltweit eine Grundschulbildung vollständig abschließen können. Derzeit haben 69 Millionen Kinder weltweit keinen Zugang zu Bildung.

Evalyne ist davon überzeugt, dass Armut nur dann bekämpft werden kann, wenn es eine starke Zivilgesellschaft gibt und die Bürgerinnen und Bürger sich einmischen, sich beteiligen. Die vier Freunde haben selbst an bildungspolitischen Schulungen teilgenommen und geben jetzt selbst Seminare. Sie bilden Menschen aus, die sich für das Gemeinwohl engagieren und die Interessen der Bürger vertreten. „Die patrimonialen Machenschaften müssen gestoppt werden. Wir Bürger haben ein Mitbestimmungsrecht. Es ist so wichtig, für gerechtere Strukturen einzustehen. Nicht nur hier in Uganda, sondern auch in unseren Nachbarländern beherrschen Korruption und Vetternwirtschaft die Politik. Das muss aufhören! Entwicklung und Fortschritt kann es nur geben, wenn es auch faire Strukturen gibt“, zeigt sich James überzeugt.

Selbstvertrauen durch Engagement

Die jungen Leute haben durch ihr Engagement Selbstvertrauen gesammelt und Mut bekommen, die Politik zu hinterfragen und sich als Bürger einzubringen: „Die Menschen denken, sie sind Präsident Museveni und den Entscheidungen der Regierung ausgeliefert. Aber das stimmt nicht. Wir haben Rechte und gemeinsam können wir uns für faire Strukturen einsetzen“, sagt Evalyne, die auch etwas stolz auf Erfolge ihrer Arbeit verweist: Im letzten Jahr wurde einer von ihren Mitstreitern in das Bezirksparlament gewählt. Dort vertritt er die Interessen seines Dorfes.

Die Familien von Evalyne, Gorret, Midrat und James gehören zu den 295 Kolpingsfamilien in Uganda, einer katholischen Bewegung mit über 10.000 Mitgliedern. 18 Mitglieder sind derzeit politisch aktiv und vertreten in Dorf- oder Bezirksräten die Interessen der Armen und setzen sich für soziale Belange der Bevölkerung ein.

Vor 160 Jahren hat der katholische Priester Adolph Kolping einen Gesellenverein gegründet. Dieser Gesellenverein firmiert heute als KOLPING INTERNATIONAL und ist ein christlich-sozialer Verband mit etwa 5.000 Kolpingsfamilien und  450.000 Mitgliedern in 60 Ländern weltweit. Ziel des Verbandes ist die ganzheitliche Bildung und Förderung der Menschen, aber auch die Gestaltung einer gerechten Gesellschaft auf der Basis christlicher Werte. Das Internationale Kolpingwerk versteht sich als Solidargemeinschaft, in der sich die Mitglieder und Kolpingsfamilien gegenseitig unterstützen und fördern. Die Entwicklungszusammenarbeit kommt vor allem den Kolpingsfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika sowie Mittel- und Osteuropa zu Gute. Die Kolpingsfamilien in diesen Regionen verstehen sich als Selbsthilfegruppen, die durch ihre Aktivitäten mithelfen wollen, den Menschen bei der Bewältigung der Alltagsprobleme zu helfen.

Das Bild und die Geschichte von Evalyna und ihren Kollegen ist Teil der Reihe “Deine Stimme ist unser Joker”. Von Mitte April bis Mitte Juni 2011 erscheint jede Woche eine Geschichte von jungen Menschen aus Deutschland und aus armen Ländern, die konkret und mit einfachen Mitteln in ihrem Umfeld Einsatz zeigen gegen die weltweite Armut. Was ist Dein Einsatz?

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Lena (22): Mit Kamera und Flashmob für verantwortungsvollen Konsum

26. April 2011 | 5 Kommentare

Lena Reiner (22) hat mit einer spektakulären Flashmob-Aktion in der Fußgängerzone in Friedrichshafen die Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass alle 3 Sekunden ein Kind an den Folgen extremer Armut stirbt. Nebenbei fotografiert die Studentin leidenschaftlich Fairtrade-Motive.

Der 4. Februar 2011 war ein kalter Freitag in Friedrichshafen am Bodensee. Doch das hielt die 22jährige Lena Reiner nicht davon ab, sich mit acht weiteren Aktivisten in der Innenstadt zu treffen, um mit einer spektakulären Flashmob-Aktion gegen die weltweite Armut aktiv zu werden. Gemeinsam zeichneten sie Leichenumrisse auf das Pflaster der Fußgängerzone. Passanten schauten dem Treiben irritiert zu und einer war so mutig und fragte nach, was hier passiert. Die Botschaft: Alle 3 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen extremer Armut.

Eine mögliche Lösung hatten die jungen Leute ebenfalls im Gepäck. Durch die bewusste Entscheidung für Fairtrade-Produkte kann jeder beim Einkaufen einen Beitrag leisten, die Lebensbedingungen der Produzentinnen und Produzenten in armen Ländern zu verbessern. Ihre Aktion haben die Aktivisten in Fotos und Video festgehalten.

Aufmerksamkeit zu schaffen für die Themen Fair Trade und Armutsbekämpfung ist für die Organisatorin Lena wichtig. Die Wirtschaftsstudentin ist gut vernetzt im Web 2.0. Mit Twitter und bei Facebook versuchte sie, möglichst viele Leute aus ihrem Bekanntenkreis und darüber hinaus für ihre Sache zu begeistern. Auf der Onlineplattform utopia.de betätigt sie sich ehrenamtlich als Moderatorin.

Ihr großes Netzwerk ist für ihr Engagement Gold wert. Am Tag des Flashmobs im Februar war der Kameramann kurzfristig abgesprungen. In die Bresche sprang der Pressesprecher einer örtlichen Bank, der gerade in der Fußgängerzone unterwegs war und den Lena persönlich kennt. Er erklärte sich spontan bereit, die komplette Aktion zu filmen und sorgte so für eine eindrucksvolle Dokumentation. „Er fand die Aktion klasse und hat mir sehr dabei geholfen, dass die Presse davon erfuhr“, freut sich die Studentin. Das Bild- und Videomaterial war Gold wert, um anschließend in verschiedenen Kanälen im Internet über die Aktion zu berichten und so noch mehr Menschen zu erreichen.

Die Medienresonanz war groß. Die Schwäbische Zeitung schrieb über den Flasmob, im Südkurier erschien ein großes Interview und das Onlineportal überding lud Lena ein, einen einen Gastbeitrag zu schreiben: „Es ist genau das eingetreten was ich mir erhofft hatte. Ich werde es wieder tun! Solche Aktionen sind wichtig. Mit Überraschungen liegt man häufig einfach richtig“, lächelt sie.

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Pugalvani (18): Vom Steinbruch zur Bildungsministerin

19. April 2011 | 6 Kommentare

Als Pugalvani geboren wurde, schien ihr Leben vorgezeichnet. Viele Kinder, die in der kleinen Siedlung in der Nähe der indischen Millionenstadt Chennai leben, brechen die Schule ab, um in den staubigen Steinbrüchen der Region Steine zu klopfen. So tragen sie zum Lebensunterhalt der Familie bei. Heute ist sie 18 Jahre alt und studiert Elektronik und Kommunikation. Nachmittags gibt sie in der Dorfschule Förderkurse für 25 Schülerinnen und Schüler.

Pugalvani ist die erste der vier Töchter der Familie, die nach der Schule ein Studium begonnen hat. “Es ist nicht leicht für meine Eltern, die hohen Studiengebühren aufzubringen. Mein Vater arbeitet als Fahrer, meine Mutter wenn möglich hier im Steinbruch”, erklärt die Studentin.

Obwohl Indien ein aufstrebendes Schwellenland ist, gelten dort 450 Millionen Menschen als extrem arm, so viele wie sonst in keinem anderen Land der Erde. Das ist ein Drittel aller extrem Armen weltweit. In der Region um Chennai (früher: Madras) im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu arbeitet die indische Organisation Cholai mit den Menschen, um ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen. “Die Cholai-Mitarbeiter haben uns – nicht nur uns Kindern, sondern auch unseren Eltern – immer wieder erklärt, wie wichtig eine gute Schulbildung ist; dass dies überhaupt die einzige Chance ist, später ein besseres Leben zu führen als das hier im Steinbruch”, erzählt Pugalvani.

In 30 Siedlungen in den Steinbrüchen bei Chennai hat Cholai sogenannte Kinderparlamente eingerichtet, in denen die Belange der Kinder Gehör finden. In der Region gehen heute mehr als 1.000 ehemalige “Kinderarbeiter” zur Schule und werden dank der Unterstützung von Freiwilligen wie Pugalvani gefördert. Pugalvani gibt nach ihren Universitätskursen als freiwillige Förderlehrerin weiter, was sie an Hilfe erfahren hat. Sie erinnert sich: “Wir haben damals das erste Kinderparlament gegründet. Das war ganz neu und spannend, besonders als ich zur Bildungsministerin gewählt wurde. Meine Aufgabe war es dafür zu sorgen, dass alle 55 Kinder des Kinderparlaments regelmäßig zur Schule gingen, dass sie Hilfe bei den Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen erhielten, dass sie regelmäßig einen ganz kleinen Betrag sparten und dass sie ihre Talente, zum Beispiel zeichnen, Theaterspielen, singen oder tanzen, entwickeln konnten.“
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Abgeordnete für Entwicklungshilfe: “Ich werde heute noch unterschreiben!”

7. April 2011 | 6 Kommentare

Eine deutliche Mehrheit aller 621 Bundestagabgeordneten hat sich einem überparteilichen Aufruf angeschlossen, in dem die Steigerung der Entwicklungszusammenarbeit gefordert wird. Die Forderung nach mehr Mitteln steht in diesem Jahr auch im Zentrum der Aktivitäten von „Deine Stimme gegen Armut“. Im Kern geht es um die Steigerung der Entwicklungshilfemittel auf 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft bis 2015. Ein Versprechen, das erstmals 1970 gegeben wurde.

Mitte März hatten wir unsere Unterstützer aufgerufen, den Abgeordneten aus ihrem Wahlkreis zu schreiben und zu bitten, den Aufruf ebenfalls zu unterzeichnen. Zahlreiche Unterstützer sind der Aufforderung gefolgt und haben den Volksvertretern geschrieben. Mit unterschiedlichen Reaktionen.

Anita aus Mainz hat vier Bundestagsabgeordneten aus ihrer Heimatstadt eine E-Mail geschrieben. Das Büro von Michael Hartmann (SPD) hat ihr prompt geantwortet. Hartmann stehe „voll hinter Ihrem Anliegen und hat den entwicklungspolitischen Konsens zwischenzeitlich unterzeichnet.“ Von den anderen drei hat sie noch nichts gehört (Foto: spdfraktion.de).

Stefan aus Stuttgart bekam von der CDU-Abgordneten Karin Maag persönlich eine E-Mail auf seine Bitte, den Aufruf zu unterzeichnen: „Sie haben Recht. Werde ich noch heute erledigen“ (Foto links: cducsu.de).

Patrick Schnieder vertritt für die CDU den Wahlkreis rund um Bitburg in Rheinland-Pfalz (Foto rechts: cducsu.de). Anita aus Sassen hatte ihm geschrieben und um Unterstützung gebeten – was er getan hat. Schnieder verweist in seiner Antwort an Anita aber auch zu Recht auf zusätzlichen Reformbedarf: „Mit dem 0,7%-Ziel können wir ein finanzielles Zeichen setzen. Darüber hinaus bedarf es aber noch weiterer Verbesserungen. Die Qualität der Entwicklungsunterstützung darf sich nicht an der Quantität der Finanzmittel messen.“

Auch Dietlind aus Würzburg rannte bei CSU-Mann Paul Lehrieder offene Türen ein, er hatte schon unterschrieben (Foto links: J. Menth/ cducsu.de). Von Joachim Spatz (FDP) wartet sie noch auf eine Antwort.

Anja aus Lübeck hatte die SPD-Abgeordnete Gabriele Hiller-Ohm gebeten, die Initiative zu unterstützen. Diese hatte mittlerweile unterschrieben und antwortete, sie habe sich „gerne an dem Aufruf beteiligt“ (Foto rechts: spdfraktion.de).

Die Hilfsorganisation Das Hunger Projekt hatte schon im Bundestagswahlkampf 2009 Kontakt zu den lokalen Abgeordneten und Kandidaten im oberbayerischen Weilheim aufgenommen und mit ihnen eine Diskussionsrunde über Entwicklungspolitik organisiert. Der Hinweis auf den „Aufruf für einen Entwicklungspolitischen Konsens“ stieß beim FDP-Abgeordneten Klaus Breil auch jetzt auf offene Ohren. Er hätte die „wichtige Initiative“ „ohnehin unterschrieben“ hieß es. In der Antwort an Vincent Gründler, den Geschäftsführer von “Das Hunger Projekt”, lud er Vertreter der Organisation ein, nach seiner Rückkehr von einer Reise mit dem Bundestags-Umweltausschuss nach Senegal „mit frischen Eindrücken von vor Ort“ über Entwicklungszusammenarbeit zu diskutieren (linkes Foto: klaus-breil.de; rechtes Foto: DHP).

Sabine aus dem schwäbischen Großbettlingen erhielt von der Parlamentarierin Judith Skudelny (FDP) aus ihrem Wahlkreis 262 (Nürtingen) hingegen eine Absage. Skudelny argumentiert, das 0,7 Prozent-Ziel entspreche nicht dem aktuellen Stand der entwicklungspolitischen Debatte, sondern atme vielmehr deutlich den Geist seiner Entstehungszeit [1970] – einer Zeit, in der man noch der Ansicht war, gute Entwicklungshilfe sei in Prozentzielen quantifizierbar. Es entstamme einem Denken in Geber- und Nehmerstrukturen, nicht einem partnerschaftlichen Ansatz auf Augenhöhe.“ (Foto links: fdp-fraktion.de)

Peter Bleser ist nicht nur CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Mosel/ Rhein-Hunsrück in Rheinland-Pfalz, sondern auch Parlamentarischer Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium. Er schickte unserem Unterstützer Werner ebenfalls eine Absage. Eine Erhöhung der Entwicklungshilfe sei „nicht zielführend“. In Entwicklungsländern fehle es vor allem an technischem Know-How, so dass die Menschen vor Ort ihre eigenen natürlichen Ressourcen oft nicht umfassend nutzen können. Darüber hinaus benötige es Investitionen in Maschinen, Saatgut und Infrastruktur, um wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen (Foto: Frank Ossenbrink/ cducsu.de).

Wir freuen uns mit Euch über die meist positiven Reaktionen und noch mehr über Euren Einsatz gegen die weltweite Armut. Ihr habt vorgemacht, dass es keine große Sache ist, politisch aktiv zu werden, auch wenn es sicher etwas Überwindung kostet. Mit Eurem Engagement zeigt ihr Euren Vertretern in Berlin, dass ihr Euch für das interessiert, was im Parlament passiert. Herzlichen Dank!

Die gestern veröffentlichen Zahlen zur Entwicklungszusammenarbeit 2010 zeigen im übrigen, dass mehr Einsatz dringend nötig ist, um die versprochenen Ziele zu erreichen. Bisher liegt die Quote für Deutschland bei 0,38 Prozent und ist noch meilenweit von 0,7 Prozent entfernt.

Der „Konsens“ der Abgeordneten ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die weltweite Armut, auch wenn klar ist, dass nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität gesteigert werden muss. Wir haben eine interaktive Infografik entwickelt, aus der hervorgeht, ob die Abgeordneten aus Deinem Wahlkreis schon unterschrieben haben.Wir haben einen Briefentwurf vorbereitet, mit dem Du Deine Abgeordneten zur Unterstützung auffordern kannst.

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Der Wortbruch ist amtlich: Deutsche Entwicklungshilfe verfehlt versprochenes Ziel

6. April 2011 | 5 Kommentare

Die weltweite Entwicklungshilfe ist im Jahr 2010 auf 128,7 Mrd. US-Dollar gestiegen (plus 6,5 % gegenüber 2009). Die deutsche Entwicklungshilfe hat daran einen Anteil von 12,723 Mrd. US-Dollar (Anstieg um 9,9 % gegenüber 2009). Nachdem Deutschland 2008 noch zweitgrößter Geber war, liegt es jetzt auf Platz 4 (Foto: OECD).

Gemessen an der Wirtschaftskraft liegt Deutschland mit einer Quote von 0,38 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt von 0,49 Prozent. Damit ist es amtlich, das Versprechen, 2010 die Quote von 0,51 Prozent zu erreichen, wurde gebrochen. Die Zahlen wurden heute von der OECD veröffentlicht.

Bei der Vorstellung der vorläufigen Zahlen zur Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance, ODA) für 2010 sieht die Organisation “besorgniserregende Trends”. Zwar liege die Summe weltweit auf Rekordhöhe, doch die Geschwindigkeit der Steigerung nimmt ab: “Wenn Länder Versprechen zur Steigerung der Entwicklungszusammenarbeit machen, müssen sie auch politische, haushalterische und planerische Maßnahmen ergreifen, um diese zu halten,” sagte Brian Atwood, Vorsitzender des Entwicklungsausschusses DAC der OECD bei der Vorstellung der Zahlen.

In absoluten Beträgen liegen die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Japan auf den ersten fünf Plätzen. Vergleichbar werden die Zahlen jedoch erst, wenn man die Entwicklungszusammenarbeit in Relation zur Wirtschaftskraft (Bruttonationaleinkommen, BNE) eines Landes setzt. Diese so genannte ODA-Quote liegt im Durchschnitt aller Geberländer bei 0,49 Prozent. Deutschlands ODA-Quote betrug 2010 gerade einmal 0,38 Prozent, das bedeutet Rang 13 von 23 – Mittelmaß (Zahlen im Detail/PDF).

Das ist vor allem deshalb enttäuschend, weil sich Deutschland und die anderen Ländern mehrfach verpflichtet haben, die Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent des BNE zu steigern. Zuletzt 2005 haben die Länder der EU in einem Stufenplan festgelegt, das Ziel bis 2015 umzusetzen. Für 2010 waren 0,51 Prozent zugesagt worden. 0,38 Prozent liegt deutlich darunter. Nur Norwegen, Luxemburg, Schweden, Dänemark und die Niederlande erreichen das 0,7-Ziel bereits heute (siehe Grafik).

Im Bundestag hat mittlerweile eine deutliche Mehrheit von über 330 Abgeordneten aus allen fünf Parteien einen Aufruf unterzeichnet, in dem sie die Steigerung der Mittel und die Einhaltung der Versprechen fordert. Die Parlamentarierer beziehen sich dabei explizit auf Großbritannien, wo trotz Wirtschaftskrise und Sparmaßnahmen in anderen Bereichen, die Mittel erhöht werden, so dass das Ziel von 0,7 Prozent voraussichtlich bereits 2013 erreicht wird. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

“Klares Signal” oder “große Enttäuschung”?

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel ging in seiner Reaktion nicht auf das verfehlte Ziel ein, sondern freute sich über die Steigerung in absoluten Zahlen: “Die Zahlen setzen ein klares Signal, wie wichtig Ent­wicklungs­politik für die Bundesregierung ist. Deutschland steht zu seiner internationalen Verpflichtung, bis 2015 eine Quote von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungspolitik zu erreichen.”

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Nicht philosophisch: Phil Osof wirbt in seinem Podcast für “Deine Stimme gegen Armut”

29. März 2011 | 1 Kommentar

Eigentlich ist Marc-Philipp “Phil” Schneider (22) Student der Japanologie in Heidelberg. Doch seit seiner Jugend hat er eine große Leidenschaft: er ist Medienmacher. Lange hat er für die Lokalpresse geschrieben, sprach Hörspiele ein und hatte seine eigenen Sendung bei einem Regionalradio. Schließlich gründete sein eigenes Label Moving Man Infotainment, eine Plattform, die es jungen Künstlern ermöglicht, sich selbst vorzustellen, sich zu vernetzen und kreativ zu werden.

Nach wie vor macht Phil regelmäßig Radiosendungen: Die “Phil Osof Radioshow” kann man sich online anhören oder als Podcast downloaden. Neben Interviews, Bandvorstellungen und anderem Potpourri ist in der Ausgabe vom 6. März auch ein Radiospot von “Deine Stimme gegen Armut” zu hören. Hört mal rein, der Kampagnenspot kommt ungefähr bei 14m20s.

Die Phil Osof Radioshow – 06.03.11 – Die komplette Sendung by PhilOsof

Wir wünschen viel Spaß beim Anhören und sagen ein herzliches Dankeschön an Phil für die Unterstützung. Übrigens: jeden ersten Sonntag im Monat erscheint eine neue Sendung auf www.philosof.de. Den Radiospot von “Deine Stimme gegen Armut” könnt ihr hier anhören (WAV-Datei, 5 mb)

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Exportwahn ohne Grenzen: EU-Hühnchen für Afrika

23. März 2011 | 0 Kommentare

291.000 Tonnen Geflügelfleisch exportierte die EU 2010 nach Afrika. Das ist mehr als die Menge an Geflügel, die 26 Millionen Bundesbürger im Jahr essen (Zahlen aus 2009). Allein 114.000 Tonnen gingen in das westafrikanische Land Benin.

Nach Recherchen des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) sind ein großer Teil der Ausfuhren Fleischreste. Die Losung des Bauernverbandes „Deutsches Fleisch für die Welt“ wiegt nach Ansicht von Francisco Marí, Agrarhandelsexperte beim EED bei den Exporten wohl schwerer als das Recht auf Nahrung für die Bäuerinnen und Bauern in Afrika. In diesem EED-Interview spricht Francisco Marí über Hintergründe und Zusammenhänge (Foto: Empowering the poor/ Flickr).

Was bedeutet es für die Entwicklungsländer, wenn immer größere Fleischmengen auf deren Märkten drängen?

Das Signal ist eindeutig. Europa ist dabei, sämtliche Tierhaltung und Tiermast in Afrika zu schädigen oder zu zerstören. EU-Exporte haben bereits Kleinproduzenten in den bisherigen Großimportländern wie Ghana oder Kongo ruiniert. Inzwischen geht es nicht mehr um Kleinproduzentinnen oder -produzenten. Das Beispiel Benin zeigt, auch Länder mit einer sich entwickelnden Tiermast haben keine Chance ihre Produkte auf den eigenen Märkten zu verkaufen. Zudem: Schmuggler überschwemmen von Benin aus Nigerias Märkte mit Millionen illegaler EU-Hühnerresten (Karte: Benin).

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Mehr Mittel für Entwicklung? Kampagne präsentiert 4.000 Stimmen

16. März 2011 | 3 Kommentare

Die Mittel für das Entwicklungsministerium (BMZ) sollen in 2012 um rund 114 Millionen Euro auf 6,3 Milliarden Euro steigen. Das ist zwar grundsätzlich positiv, reicht aber nicht aus, damit Deutschland seine internationalen Verpflichtungen einhält. Wenn das Versprechen eingehalten würde, die Entwicklungsausgaben bis 2015 auf 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft zu erhöhen, müsste der Entwicklungsetat um zwei Milliarden Euro steigen. Die angepeilte Steigerung bedeutet einen Zuwachs der Mittel von 1,8 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr. Die leichte Erhöhung wurde heute im Rahmen der “Eckwerte” für den Haushaltsentwurf 2012 vom Bundeskabinett verabschiedet (PDF).

Rechtzeitig vor dem Kabinettsbeschluss haben heute morgen Aktivisten von “Deine Stimme gegen Armut” beim Kanzleramt die ersten 4.028 Stimmen abgegeben, mit denen Bürgerinnen und Bürger in den letzten zwei Wochen gefordert hatten, den “Einsatz zu erhöhen, um Armut zu besiegen”.

Vielen Dank an alle die mitgemacht haben. Die Aktion läuft bis Ende Juni weiter. Dann das Bundeskabinett endgültig über den Haushaltsentwurf 2012 entscheidet, der im Herbst dann im Bundestag beraten wird (Fotos: Die Projektoren/ Jörg Farys; mehr Fotos).

In den vergangenen drei Wochen haben sich knapp die Hälfte aller Bundestagsabgeordenten aus allen im Parlament vertretenen Parteien einem Aufruf angeschlossen, der die Erhöhung der Haushaltsmittel für Entwicklung um jährlich 1,2 Milliarden Euro fordert.

Thilo Hoppe, Grünen-Abgeordneter und einer der Initiatoren des Aufrufs, hofft deshalb, dass die Erhöhung am Ende höher ausfällt: “Das letzte Wort über den Haushalt wird das Parlament haben. Und deshalb besteht die berechtigte Hoffnung, dass am Ende mehr für den Kampf gegen Hunger, Armut und Aids herausspringt als die Regierung zur Zeit vorsieht.”

Auch die SPD-Abgeordneten Bärbel Kofler und Sascha Raabe hoffen darauf, dass der Haushaltsentwurf der Bundesregierung vom Bundestag gestoppt und nachgebessert wird. Sie sprechen von einer “Mogelpackung”: “Das ist ein billiger Etikettenschwindel: Erst kürzt man in der Planung die Mittel und preist sich dann für Aufwüchse, die es ohne die Kürzung gar nicht gegeben hätte. Traurig, wenn man zu solchen Mitteln greifen muss.”

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Bemerkenswerte Koalition: Infografik zeigt, welche Abgeordneten dabei sind

14. März 2011 | 5 Kommentare

Mittlerweile rund 150 knapp die Hälfte der Abgeordneten (MdB) aller im Bundestag vertretenen Parteien fordern mehr Geld für Entwicklungszusammenarbeit und die Bekämpfung der weltweiten Armut. “Deine Stimme gegen Armut” unterstützt diese Initiative und zeigt mit dieser interaktiven Infografik, welche Parlamentarier sich dem Aufruf bisher angeschlossen haben.

Du kannst diese Grafik einfach auf Deiner Webseite einbinden. Nutze folgenden Code, um das Widget einzubinden. Wir aktualisieren die Daten regelmäßig.

Die Initiative “Aufruf für einen entwicklungspolitischen Konsens zur Erreichung des 0,7%-Ziels” hat mittlerweile auch eine offizielle Webseite. Der Dachverband der entwicklungspolitischen Hilforganisationen VENRO, der Träger der Aktion “Deine Stimme gegen Armut” ist, hat in der vergangenen Woche allen Abgeordneten, die sich dem Aufruf noch nicht angeschlossen haben, einen Brief geschickt. Darin werden die Parlamentarier gebeten, ebenfalls zu unterschreiben. Wenn Deutschland ein international verlässlicher Partner sein will, müsse es glaubwürdig bleiben und Wort halten, heißt es darin.

Du kannst auch etwas tun. Gib Deine Stimme gegen Armut und unterstütze unsere Forderung zur Mittelsteigerung an Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble. Oder schau in unserer Infografik nach, ob Deine Bundestagsabgeordneten schoon dabei sind. Wenn nicht, fordere sie auf, mitzumachen.

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Herr Schäuble, erhöhen Sie die Mittel für Entwicklung und Klimaschutz

11. März 2011 | 5 Kommentare

Am kommenden Mittwoch entscheidet das Bundeskabinett über die “Eckwerte” des Haushaltsentwurfs 2012. Das bedeutet, Kanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Wolfgang Schäuble und seine Ministerkollegen entscheiden, wieviel Geld Deutschland im nächsten Jahr für welche Aufgaben ausgibt (Foto: CDU/CSU-Fraktion). Die Regierung will am Mittwoch sinngemäß festlegen wie groß der gesamte Kuchen sein wird und wie groß die Stücke für die einzelnen Ressorts sind. Wie das für 2011 aussieht, ist hier sehr schön dargestellt.

Ein Bündnis von acht zivilgesellschaftlichen Verbänden und Netzwerken hat dem Finanzminister deshalb diese Woche einen Offenen Brief geschrieben und ihn aufgefordert, Entwicklungs- und Klimafinanzierung zu stärken.

Die Organisationen fordern, dass der Haushaltsentwurf der Bundesregierung mehr Geld für weltweite Armutsbekämpfung und für die Unterstützung armer Länder zur Anpassung an den Klimawandel vorsieht. Konkret bedeutet das, dass

  • im Etat des Entwicklungsministeriums (BMZ) und im Auswärtigen Amt zusammen zusätzlich zwei Milliarden Euro für entwicklungspolitischen, menschenrechtlichen und humanitären Vorhaben und zur zivilen Konfliktbearbeitung enthalten sein sollen und
  • im Budget des BMZs und des Umweltministeriums zusammen zusätzlich eine Milliarde Euro für die internationale Klimafinanzierung festgeschrieben werden.

Während die Erhöhung der Entwicklungshilfemittel bereits seit 40 Jahren versprochen und seit einigen Jahren auch völkerrechtlich verbindlich zugesagt wurde, berufen sich die Unterzeichner bei der Klimafinanzierung auf die faire Aufteilung der Kosten durch die Industrieländer, die den Klimawandel maßgeblich verursacht haben. “Wir wissen, dass die politischen Gestaltungsmöglichkeiten beim Haushalt in Zeiten von Sparzwang und Schuldenbremse begrenzt sind. In Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit zu investieren ist jedoch kluge und vorausschauende Politik”, heißt es in dem Brief.

Neben VENRO als Dachverband der entwicklungspolitischen Organisationen, der auch Träger von “Deine Stimme gegen Armut” ist, haben das Forum Umwelt und Entwicklung, das Forum Menschenrechte, die Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, die Klima-Allianz, der Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee, der Beirat zum Aktionsplan Zivile Krisenprävention und der Deutsche Naturschutzring den Brief unterzeichnet.

Auch “Deine Stimme gegen Armut” mobilisiert für eine Erhöhung der Mittel für die weltweite Armutsbekämpfung. Binnen weniger Tage haben bereits knapp 3.800 Menschen ihre Stimme gegen Armut erhoben und gefordert.

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Bemerkenswerte Koalition: Abgeordnete aller Fraktionen fordern mehr Entwicklungshilfe

25. Februar 2011 | 13 Kommentare

Politiker aller fünf im Bundestag vertretenen Fraktionen fordern gemeinsam, dass die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit steigen müssen. In den kommenden vier Jahren sollen die Mittel im Bundeshaushalt um mindestens 1,2 Milliarden Euro jährlich erhöht werden. Die Abgeordneten haben heute den entsprechenden Aufruf “Das Versprechen einhalten!” veröffentlicht.

Für diese ungewöhnliche Koalition bestehend aus den Initiatoren Holger Haibach (CDU/CSU), Heike Hänsel (Die Linke), Thilo Hoppe (Bündnis 90/ Die Grünen), Bärbel Kofler (SPD) und Harald Leibrecht (FDP) ist dies im “wahrsten Sinne des Wortes NOT-wendig”. Sie wollen es “gemeinsam besser machen” als alle bisherigen Bundesregierungen und das Versprechen einlösen, bis zum Jahr 2015 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft für Entwicklungszusammenarbeit bereit stellen. Aktuell liegt dieser Anteil bei 0,35 Prozent (2009).

In ihrem “Aufruf für einen fraktionsübergreifenden entwicklungspolitischen Konsens zur Erreichung des 0,7%-Ziels” verweisen die sechs Bundestagsabgeordneten (MdB) auf das Beispiel Großbritannien, wo trotz Wirtschafts- und Finanzkrise und trotz Sparmaßnahmen die Entwicklungshilfe erhöht und das Ziel voraussichtlich bereits 2013 erreicht wird.

Die MdBs betonen auch, dass eine Erhöhung Rückhalt in der Bevölkerung genieße. Dies haben auch repräsentative Meinungsumfragen im Auftrag von “Deine Stimme gegen Armut” mehrfach bestätigt. Zuletzt im Juni 2010 hielten es drei von vier Deutschen (72,4 Prozent) für wichtig oder sehr wichtig, dass Deutschland seine Zusage einhält und die Mittel bis 2015 entsprechend erhöht.

“Deine Stimme gegen Armut” bzw. der Dachverband der entwicklungspolitischen Hilfsorganisationen VENRO begrüßt den parteiübergreifenden Aufruf: “Die Initiative der Abgeordneten verdient alle unsere Unterstützung. Sie ist ein erfreuliches Signal und demonstriert noch einmal die große Übereinstimmung in dieser Frage”, so der VENRO-Vorsitzende Ulrich Post.

Auch bei den einzelnen entwicklungspolitischen Organisationen gibt es große Zustimmung zu der Initiative. Das katholische Hilfswerk Misereor spricht von einem “ermutigenden Zeichen”, das Kinderhilfswerk World Vision von einem “hoffnungsvollen Zeichen”. Für die Welthungerhilfe und terre des hommes ist es ein “Guter Tag für die Entwicklungspolitik”. Die Stiftung Weltbevölkerung “freut sich”, ebenso die Gemeinsame Konferenz Kirchen und Entwicklung (GKKE). ONE sieht eine “Große Koalition der Vernunft und Menschlichkeit”. Für das Aktionsbündnis gegen Aids ist es eine “Initiative der Menschlichkeit”.

Sowohl VENRO als auch die Abgeordneten selbst verweisen zurecht darauf, dass auch Wirksamkeit und Effizienz der Entwicklungszusammenarbeit weiter verbessert werden müssen. Jedoch dürfen Qualität und Quantität nicht gegeneinander ausgespielt werden. Beides muss gesteigert werden, um die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) bis 2015 zu erreichen.

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Kenianer senden SMS für bessere Armutsbekämpfung

22. Februar 2011 | 2 Kommentare

Stell Dir vor, in der öffentlichen Gesundheitsstation gibt es keine Medikamente. Stell Dir vor, die Fensterscheiben der Grundschule sind kaputt, so dass die Schüler im Kalten sitzen. Und jetzt stell Dir vor, Du schickst Deine Beschwerde darüber per SMS direkt an die Behörden und der Missstand wird schnell beseitigt. Für die Menschen in Kenia soll das jetzt möglich sein. Die Meldungen der Bürgerinnen und Bürger werden auf einer Online-Karte dargestellt. Behörden und Entwicklungsorganisationen wissen dann sofort, wo Probleme bei kommunalen Diensten bestehen und können ihnen entgegenwirken (Foto: Kiwanja/ Flickr).

Mit dem Projekt Huduma, einem Wort auf Swahili, das übersetzt etwa „Dienst“ oder „Dienstleistung“ bedeutet, will die UN Millenniumkampagne einen Mechanismus etablieren, um Probleme und Fortschritte bei der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG) auf lokaler Ebene zu erkennen. Mit den acht MDGs wollen die Staaten der Welt bis 2015 extreme Armut und Hunger halbieren. Das Pilotprojekt in Kenia ist vor zwei Wochen gestartet, bislang ist dort noch nicht viel zu sehen. Ähnliche Plattformen sollen nächstes Jahr auch in Uganda, Nigeria, Indien und auf den Philippinen etabliert werden.

Mit der Verbreitung von Mobiltelefonen in Entwicklungsländern entstehen völlig neue Möglichkeiten für die Verbindung von moderner Technologie und Armutsbekämpfung. Solche Projekte, die öffentlich zugängliche Daten von Behörden auf der einen Seite mit Beiträgen von Bürgerinnen und Bürgern auf der anderen Seite in ansprechender Weise transparent auf einer Webseite visualisieren, findet man bislang nur vereinzelt.

Schöne Beispiele für dieses “Crowdsourcing“ bzw. Online-Bürgerpartizipation aus Deutschland sind die Projekte Frankfurt Gestalten, wo Bürger lokale Informationen erhalten können aber auch mitreden können oder die wheelmap.org, eine Karte mit rollstuhlgerechten Orten, die von Usern eingetragen werden. In Großbritannien ist die Seite  fixmystreet.com im Einsatz, wo Informationen über Schlaglöcher oder kaputte Straßenlaternen hinterlassen werden können.

Im internationalen Kontext hat sich bei Katastrophenfällen der Dienst Ushahidi einen Namen gemacht. Beispielsweise nach einem Erdbeben können Berichte über Schäden eingesandt werden. Auf einer Karte sehen Helfer, wo Hilfe nötig ist. Bekannt wurde Ushahidi während des Erdbebens in Haiti im Januar 2010. Aktuell ist das Ushaidi-Tool im Zusammenhang mit dem Erdbeben in Neuseeland im Einsatz.

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Freitag statt Sonntag: Tatort aus Friedrichshafen

7. Februar 2011 | 5 Kommentare

Sie hat den gleichen Vornamen wie die bekannte TV-Kommissarin Lena Odenthal des Ludwigshafener Tatort-Teams, doch im Gegensatz zur sonntäglichen Fernseh-Fiktion war die Flashmob-Aktion am vergangenen Freitagabend in der Innenstadt von Friedrichshafen echt.

Die 22jährige Studentin Lena Reiner hatte als Initiatorin via Facebook und Twitter zum Leichenumriss-Flashmob aufgerufen. Ausstaffiert mit Maleranzügen und Kreidespray zeichneten die Aktivisten Leichenumrisse aufs Pflaster. Die Botschaft: alle 3 Sekunden stirbt ein Kind an extremer Armut. Die Schwäbische Zeitung berichtete über die Aktion, mehr Fotos vom Flashmob hier.

Doch die Message sollte noch tiefer gehen: wir als Konsumenten haben die Macht, durch unseren Einkauf von Fairtrade-Produkten einen Beitrag zu leisten, dass es Menschen in Entwicklungsländern besser geht. Bei Produkten wie Kakao, Schokolade, Kaffee, Bananen und Nüssen ist ein Problem, dass die Menschen in den Produktionsländern viel zu niedrige Löhne für ihre Arbeit bekommen. Ein Entkommen aus der Armutsfalle gibt es dann – trotz Arbeit – nicht.

Insgesamt wurden drei Standorte der Stadt am Bodensee zu Tatorten: die Aktion fand in der Haupteinkaufsstraße, der Uferpromenade vor dem Café Antonius und am Ramshorner Platz vor dem Marktkauf statt. Großartige Aktion, finden wir! Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben!

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