Der offizielle Blog zur Aktion DEINE STIMME GEGEN ARMUT


Gospel gegen Armut

27. Juli 2011 | 1 Kommentar

Wie kann ich als Einzelner helfen?
Wie kann ich einen Teil zu mehr und besserer Armutsbekämpfung beitragen? Oder: Ich wohne auf dem platten Land, was kann ich hier schon tun? Diese Fragen werden uns häufig gestellt. Hier nun eine Antwort, die exemplarisch für viele andere Beispiele stehen kann. Seit euch sicher, ihr könnt viel tun – jeder auf seine Art und Weise!

Wer sucht, der findet
Schaut euch um und findet Anknüpfungspunkte in eurer Umgebung. Regionale Feste wie die Horster Woche in Schleswig-Holstein sind solche Beispiele. Über mehrere Tage wird zu diesem Anlass jedes Jahr gefeiert. Da gibt es Umzüge, Ausstellungen, Wettbewerbe, einen Benefizmarkt und besonders viel Tanz und Musik. Ein Auftritt des What’s Up Gospelchors in der Horster St. Jürgen Kirche war der Ansatzpunkt für „Deine Stimme gegen Armut“ auf der Horster Woche 2011. Dabei war zunächst die Zustimmung des Chors wichtig. Den Vorsitzenden des Chors darauf angesprochen, war dieser schnell bereit, den Vorstand und die Chormitglieder zu befragen. Alle willigten ein und das Aktionsteam schickte Banner und Unterschriftenlisten nach Horst. Als die Gäste kamen, hatten die Chormitglieder bereits alle unterschrieben.

Stimmungsvolle Klänge …
Der What’s Up Gospelchor beeindruckte mit seinen über 40 Stimmen und einem Keyboarder und Trommler. Alle gemeinsam boten sie ein weit gefächertes Repertoire. Dazu gehörten die Lieder der Gastchöre “Druschba”, die russische Lieder in traditionellen Kleidern vortrugen und “Stimmstärke 8″, die Musik von Renaissance bis Popmusik präsentierten. Vor der Pause sagte der Vorsitzende des Chors die Kampagne an und lud alle Gäste ein, sich dem Chor anzuschließen und ihre Stimme gegen Armut zu erheben. Zu den Konzertgästen zählten auch mehrere Unterstützer der Kampagne, allen voran Alexandra und Caro. Alexandra schrieb später: „Das Konzert war ganz wunderbar! Mir persönlich haben die afrikanischen Gesänge am besten gefallen.“

… und der richtige Einsatz
Die beiden waren extra aus Brunsbüttel angereist. In der Pause kamen sie vor die Kirche um andere Gäste anzusprechen. Alexandra beschrieb ihre Rolle so: „Ich bin auf dem Vorplatz rumgelaufen und habe die Leute angesprochen und “eingefangen”, sprich mit zum Tisch genommen, damit sie unterschreiben können.“ Ein herzliches Dankeschön hier noch mal an Alexandra, die auch ihre Schwester mitbrachte und uns die Fotos schickte. Du hast damit dazu beigetragen, dass viele Leute ihre Stimme abgeben konnten – Vielen Dank für Deinen Einsatz!

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Besuch ohne Blumen: Tobias überzeugte seinen MdB sich für die Armutsbekämpfung einzusetzen

21. Juli 2011 | 1 Kommentar

Bereits 361 von 620 Bundestagsabgeordneten (MdB) fordern in einem parteiübergreifenden Konsens mehr Mittel für Armutsbekämpfung. Das reicht offenbar nicht aus um die Bundesregierung  umzustimmen. Diese hat vor Kurzem wieder nur einen mageren Zuwachs in den Haushaltsentwurf 2012 eingestellt. Wie der Druck erhöht werden kann, zeigt die Geschichte von Tobias Berberich aus Erlangen. In einem persönlichen Gespräch überzeugte er Stefan Müller, den MdB für seinen Wahlkreis, den Aufruf zur Erreichung des O,7 Pozent-Ziels, zu unterzeichnen.

Nach einer Informationsfahrt nach Berlin schrieb Tobias eine E-Mail an den CSU-Bundestagsabgeordneten Stefan Müller. In der E-Mail forderte er ihn auf den entwicklungspolitischen Konsens zu unterzeichnen und für die Verantwortung, die Deutschland in der Welt hat, einzustehen. Da er darauf zunächst keine Antwort erhielt, besuchte er eine öffentliche Diskussionsrunde mit Stefan Müller in seinem Wahlkreis. „Ich dachte mir, dass es sicherlich den Druck erhöhen würde, wenn er sich vor vielen Wählern rechtfertigen muss“, so Tobias.

Bei der Diskussionsrunde sprach Tobias das Thema an. Er fragte konkret, warum Stefan Müller den Konsens noch nicht unterschrieben hat. „Ich hatte mich zum Glück gut auf euren Seiten eingelesen und konnte so Zahlen und Fakten sprechen lassen“, berichtet er DSGA gegenüber. „Da ich ein Jahr in einem Slum in Manila geholfen habe, hatte ich noch einige Argumente.“ Erst hat er sich nur wage geäußert ohne sich festzulegen. Er argumentierte, dass ER nicht versprechen kann, dass die Ziele bis 2015 verwirklicht werden können. Tobias erwiderte: „Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie Wetten abschließen, doch sollten Sie Einsatz zeigen!“

Um seine Argumente zu unterstützen hatte Tobias seinem Abgeordneten die „Deine Stimme gegen Armut“-Infobroschüre mitgebracht. Nachdem er sie durchgeblättert hatte, bat er Tobias, ihm seine E-Mailadresse aufzuschreiben. Zwei Wochen später bekam Tobias eine persönliche Nachricht von ihm. Stefan Müller schrieb, dass er sich nach der Diskussion nochmals intensiv mit dem Thema der weltweiten Gerechtigkeit auseinandergesetzt und anschließend dazu entschlossen hat, den Konsens zu unterzeichnen, was der Abgeordnete auch gegenüber „Deine Stimme gegen Armut” bestätigt hat.

Auch Ihr habt die Möglichkeit euren MdB zu überzeugen. Nutzt sie!

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Die Ärmsten hinken hinterher: Der MDG Bericht 2011

18. Juli 2011 | 1 Kommentar

Trotz großer Fortschritte bei der Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG) bleiben die Ärmsten zurück. Das ist das gemischte Fazit des MDG Berichts 2011, eine jährliche Bewertung der regionalen Fortschritte zu den MDG von über 25 UN- und internationalen Organisationen, der am 7. Juli 2011 veröffentlicht wurde.

Viele Forschritte
Fortschritte gibt es zum Beispiel bei Gesundheit und Bildung. So hat sich die Anzahl der HIV/AIDS-Infizierten, die Zugang zu einer antiretroviralen Behandlung haben von 2004 bis 2009 um ein 13-faches verbessert. Einige der ärmsten Länder wie Burundi, Madagaskar, Ruanda, Samoa, Sao Tomé und Principe, Togo und Tansania verzeichnen Fortschritte bei Ziel 2. Dort ist die Anzahl der Kinder, die eine Grundschulbildung genießen so hoch, dass alle oder fast alle Kinder erreicht werden, so der Bericht.

Die Ärmsten werden noch nicht erreicht
Dem Bericht zufolge sind Fortschritte jedoch nicht überall zu verzeichnen. Demnach litt nahezu ein Viertel aller Kinder in Entwicklungsländern im Jahr 2009 an Untergewicht. An dieser erschreckenden Zahl wird deutlich, dass an der Schnittstelle zwischen Ernährung und Überleben der ärmsten Kinder die geringsten Fortschritte erzielt wurden. Sie sind im Vergleich zu Kindern aus wohlhabenden Familien einem doppelt so hohen Risiko ausgesetzt, noch vor ihrem fünften Geburtstag zu sterben.

Mut zum Handeln
„Von jetzt an bis 2015 müssen wir sicherstellen, dass Versprechen eingehalten werden. Entscheidungsträger müssen beweisen, dass sie nicht nur Sorge tragen, sondern auch den Mut und die Überzeugung besitzen, zu handeln”, so die erwartungsvollen Worte Ban Ki-moons in dem Vorwort des Berichts.

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Armutsbekämpfung statt Urlaub: Peer Leader auf Tour für Deine Stimme gegen Armut

14. Juli 2011 | 1 Kommentar

Urlaub? Den nutze ich diesen Sommer für etwas Sinnvolles. Das dachten sich wohl die jungen Teilnehmer des Projektes „Peer Leader International“ aus Ostrhauderfehn (Ostfriesland). Vom 7. Juli bis zum 11. Juli machten sie eine Kampagnen-Tour von Ostrhauderfehn über Bremen und  Hannover bis nach Berlin und Potsdam. Ihr Ziel: Unterschriften sammeln für Deine Stimme gegen Armut.

Am Samstag machte die Gruppe, bestehend aus drei Teamleitern und 12 Jugendlichen, darunter drei Brasilianerinnen, Halt in Berlin. Mit ihren bunten Schirmen, den weißen Anzügen und der lauten Musik konnte man sie auf dem Alexanderplatz kaum übersehen, geschweige denn überhören. Ein Passant äußerte sich verblüfft: „Guck mal die da in weiß… aha, die von Deine Stimme gegen Armut!“ Teil ihres Programms waren eine Tanzperformance und ein Infostand. Auch eine mobile Solaranlage und ein im Vorhinein verfasstes Schul-Lesebuch mit konkreten Beispielen zur Armutsbekämpfung durch Eigeninitiative, hatten sie im Gepäck. Es ist in Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen entstanden und wurde politischen Entscheidungsträgern in den Tourstädten überreicht.

Ein besonderes Highlight war die Musik der Peer Leader getreu dem Motto „Music and Message“. Wir freuen uns, euch diese Amateuraufnahmen, die zugegebener Maßen etwas wackelig sind, zu präsentieren. „Ich will die Welt so gerne ändern, aber das kann ich nicht alleine“.

Beseitigung der Armut ist ein zentrales Anliegen der Peer Leader. Sie haben Partnerteams in den Armutsvierteln von Südafrika und Brasilien. Von diesen haben sie erfahren, was Armut dort konkret bedeutet.

2010 sorgten die Peer Leader bereits für viel Aufsehen und zeigten ihr überdurchschnittliches Engagement, indem sie 3200 Stimmen vor Ort und in der Bahn quer durch Deutschland sammelten.

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Einsatz hoch 60: Jugendliche aus 8 Ländern spielen gemeinsam den Joker aus

13. Juli 2011 | 1 Kommentar

„Was heißt Armut in deinem Land?“ Diese und weitere Fragen stellten sich etwa 60 Jugendliche, die unter dem Motto „Die Armut bekämpfen, den Klimawandel stoppen, Gerechtigkeit schaffen“, Anfang Juli in Bielefeld zusammenkamen. Das internationale Jugendcamp mit Teilnehmern aus Bielefeld und sieben Bielefelder Partnerstädten wurde organisiert vom Welthaus Bielefeld. Es ging besonders darum, zu überlegen, was jeder Einzelne tun kann.

Dabei war zum Beispiel Carlos-Arielle (21) aus Esteli in Nicaragua, der wie die Anderen von der Lebenssituation in seinem Heimatland berichtete. „Er war super vorbereitet und wollte die anderen dafür sensibilisieren, was es heißt die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) umzusetzen“ so Stephan Jankowiak, Mitarbeiter des Welthauses Bielefeld. Bei dem Bericht von Dafne (26) aus Nahariya in Israel waren die Teilnehmer überrascht, dass in ihrem Heimatland tatsächlich 45 Prozent der Menschen an Armut leiden. Ihr war es wichtig bei dem Camp neue Strategien kennen zu lernen, um damit umzugehen.

In Workshops wurden konkrete Handlungsoptionen erarbeitet. Künstler, Theater- und Musikschaffenden unterstützten die Teilnehmer dabei. Gemeinsam entwickeln sie unterschiedliche Darstellungsformen mit Medien wie Theater, Video, Wandmalerei, Musik, Installationen und Skulpturen aber auch den elektronischen Medien. Die Ergebnisse wurden anschließend der Bielefelder Öffentlichkeit präsentiert und dokumentiert.

„Es ist Allen klar geworden, dass sie gemeinsam handeln müssen“,  schwärmt Stefan Jankowiak im Gespräch mit Deine Stimme gegen Armut. „Es war eine Bereicherung für alle die mitgemacht haben. Es wurde viel voneinander gelernt und kreatives Potenzial gestärkt“. Am Ende hätten die jungen Teilnehmer gemeinsam überlegt, wie sie sich besser vernetzen können.

Teil des Jugendcamps war auch eine zweitägige Fahrt nach Berlin. Dabei trafen die Jugendlichen am Brandenburger Tor auf Riesenjokerkarten von „Deine Stimme gegen Armut“. Hierbei sind viele tolle Bilder entstanden. Ob die Joker rein zufällig in Berlins Mitte unterwegs waren, bleibt ein Geheimnis.

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Aufruf zur Aktionswoche 10. – 18. September 2011

12. Juli 2011 | 1 Kommentar

Die Vorgeschichte
Das Bundeskabinett hat letzten Mittwoch beschlossen, wie viel Geld sie nächstes Jahr für Armutsbekämpfung ausgeben möchte. Mit einem geplanten Etat von 114 Millionen steht fest, dass nicht genügend Gelder für Entwicklung eingesetzt werden sollen.

Die Woche der Entscheidung
Nun kommt der Entwurf ins Parlament und wird im Herbst von den Abgeordneten als Gesetz verabschiedet. Eine große Mehrheit der Abgeordneten aus allen Parteien will glaubwürdig sein und mehr Geld für Entwicklung einsetzen. Sie haben den entwicklungspolitischen Konsens unterzeichnet. Wir müssen Druck machen, damit sie auch so handeln.

Anfang September erläutert der Finanzminister den Haushaltsentwurf im Bundestag. In der Woche darauf sind die Abgeordneten in ihren Wahlkreisen – in unserer Aktionswoche also!

Mit unserem neuen Aktionsvideo rufen wir Euch zur Teilnahme auf. Die Aktionswoche soll den Abgeordneten im Bundestag Druck machen, sich für die Einhaltung der gegeben Versprechen einzusetzen und mehr Mittel für Entwicklungszusammenarbeit bereitzustellen. Mit mehr Einsatz kann Deutschland seine Versprechen halten und bis 2015 weltweit Armut und Hunger halbieren.

Ihr alle seid gefragt, wenn es darum geht, mehr Geld für Armutsbekämpfung zu fordern. Setzt Euch ein – spielt Euern Joker aus!

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Jetzt voten: Welche Stimme ist Dein Joker?

11. Juli 2011 | 19 Kommentare

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Einsatz erhöhen, Armut besiegen: Aktion zum Haushaltsentwurf 2012

6. Juli 2011 | 0 Kommentare

Heute verabschiedet die Bundesregierung den Haushaltsentwurf 2012, also ihren Vorschlag, wofür 2012 die Gelder ausgegeben werden. Zusammen mit insgesamt 15 deutschen Hilfsorganisationen haben wir dazu aufgerufen, eure Stimme zu erheben damit Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble mehr Mittel für die Bekämpfung weltweiter Armut einsetzen. Gestern haben wir die rund 8.000 Stimmen mit einer kleinen Performance auf dem Pariser Platz symbolisch übergeben.

Wie wir uns den Ausgang der Verhandlung vorstellen

In der Theaterperformance diskutieren „Bundeskanzlerin Merkel“ und „Finanzminister Schäuble“ den Haushaltsentwurf 2012. Zunächst sind sie sich einig, dass der Etat des Entwicklungsministeriums auch dieses Jahr nur um bescheidene 114 Millionen Euro steigen soll. „Diese Erhöhung ist zwar grundsätzlich positiv, aber bei weitem nicht ausreichend, um internationale Zusagen zu erfüllen“, so Heike Spielmans, Geschäftsführerin des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO). Deutschland hat sich mit dem Stufenplan der EU verpflichtet, die Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit bis 2015 auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) zu steigern. Nach den aktuellen Zahlen der OECD sind es zurzeit gerade mal 0,38 Prozent. Um Wort zu halten, müsste die Regierung für den Haushalt 2012 zwei Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stellen.

Wir haben mit der Performance eine Alternative präsentiert, in der unsere Unterstützer, also ihr, interveniert und Merkel und Schäuble mit Argumenten überzeugt. Schließlich stimmen sie einer Erhöhung des Entwicklungshilfeetats zu. Seht selbst:

Symbolisch haben wir für euch die folgenden Argumente vorgebracht:

7.874 Stimmen wollen mehr Einsatz!

Fast 8.0000 andere Bürgerinnen und Bürger fordern von Merkel und Schäuble mehr Einsatz im Kampf gegen Armut. Zusammen mit insgesamt 15 Organisationen hat Deine Stimme gegen Armut in den letzten Wochen Unterschriften gesammelt. Hierzu zählen: bezev, CARE, Caritas International, CBM, Das Hunger Projekt, DSW, ONE Deutschland, Inkota, Islamic Relief, Jugend Dritte Welt, Kindernothilfe, Kolping International, VEN, Weltfriedensdienst und die Welthungerhilfe.

Schon 1970 versprochen!
Seit über vierzig Jahren wollen die Industrieländer ihre Mittel für Armutsbekämpfung erhöhen. Viele Experten aus Entwicklungs- und Schwellenländern, wie z.B. Devi Kalyani, die indische Frauenrechtlerin, erinnern immer wieder daran, dass das Versprechen, das im Rahmen der Vereinten Nationen schon vor über 40 Jahren gegeben wurde, immer noch nicht umgesetzt ist. Devi Kalyani, die bei der indischen NGO Centre for World Solidarity (CWS), einen Partner der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW), Frauen-Selbsthilfegruppen unterstützt, wurde im Vorfeld der Performance von Heike Spielmans, der Geschäftsführerin von VENRO zum Thema Armutsbekämpfung in ihrem Heimatland Indien befragt. Seht selbst, was sie zum Thema sagt:

Großbritannien macht es vor!
Länder wie Norwegen, die Niederlande oder Schweden halten sich an ihr Versprechen und schaffen es schon jetzt die versprochenen Mittel bereit zu stellen oder wollen es, wie Großbritannien, sogar gesetzlich verankern.

5 Parteien, 359 Abgeordnete, 1 Konsens

Die Mehrheit der Abgeordneten im Bundestag ist dafür. Parteiübergreifend fordern 359 Politiker eine Erhöhung der Mittel um jährlich 1,2 Milliarden Euro. Dieser entwicklungspolitische Konsens hat das Motto: „Das Versprechen einhalten!“

Bankenrettung, Konjunkturpaket! Entwicklungszusammenarbeit?

Es ist genug Geld da. Es ist eine Frage des politischen Willens. Wenn der Druck nur groß genug ist, können schnell Gelder mobilisiert werden, das haben die Rettungspakete in der Finanzkrise gezeigt.

Ein glückliches Ende

Am Ende des Stücks zerreißt der Finanzminister den Entwurf! Die Deine Stimmen gegen Armut-Aktivisten haben sie überzeugt. Merkel und Schäuble sind entschlossen, den Einsatz für die Armutsbekämpfung zu erhöhen. Auf dem Banner im Hintergrund ist eine Skala abgebildet. Die Argumente der Aktivisten füllen den leeren Raum – die angestrebten 0,7% sind erreicht. Für uns zeigt diese Entwicklung die Bedeutung jeder einzelnen Stimme.

Wir bedanken uns bei allen, die ihre Stimme erhoben haben!

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Theaterperformance: Eure Stimmen überzeugen Merkel und Schäuble

5. Juli 2011 | 1 Kommentar

In den letzten Wochen haben wir euch dazu aufgerufen, eure Stimme zu erheben damit Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble im Bundeshaushalt 2012 mehr Mittel für die Bekämpfung weltweiter Armut einsetzen.

Heute, einen Tag vor der Verabschiedung des Haushaltsentwurfes haben wir die rund 8.000 Stimmen mit einer kleinen Performance symbolisch übergeben.

„Die Bundesregierung sollte ein Zeichen setzen und die Mittel für Entwicklungshilfe deutlich erhöhen. Im Bundestag findet sie dafür Rückhalt: Eine eindeutige Mehrheit der Abgeordneten aus allen Fraktionen unterstützt eine Steigerung. Schon 359 Parlamentarier haben den Entwicklungspolitischen Konsens zur Umsetzung des 0,7 Prozent-Ziels unterzeichnet“, so Heike Spielmans, Geschäftsführerin des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO), heute auf dem Pariser Platz.

Ein ausführlicher Bericht und ein Video folgen in den nächsten Tagen. Hier könnt ihr euch aber schon einmal die schönsten Bilder ansehen um einen Eindruck zu bekommen.

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Großbritannien macht’s vor: Mehr Entwicklungshilfe per Gesetz

15. Juni 2011 | 1 Kommentar

Großbritannien demonstriert zurzeit eindrucksvoll, dass trotz der Belastungen durch die Weltwirtschaftskrise die Versprechen zur Erhöhung der öffentlichen Entwicklungshilfe eingehalten werden können. Die britische Regierung will sogar noch einen Schritt weitergehen, der bisher einmalig in Europa ist: Die schrittweise Erhöhung der Entwicklungshilfe auf mindestens 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2013 soll gesetzlich verankert werden (Foto: Catherine Bebbington/ www.parliament.uk).

Die Briten haben sich 2010 mit 13,8 Milliarden US-Dollar zum größten europäischen Geber von Entwicklungshilfe aufgeschwungen. Damit haben sie ihr selbst gestecktes Ziel erreicht und 0,56 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für die Entwicklungszusammenarbeit aufgebracht. Deutschland schneidet im Vergleich mit der Insel überhaupt nicht gut ab und brachte 2010 nur 0,38 Prozent auf. Nach EU-Vorgaben sollen die Leistungen bis 2015 auf 0,7 Prozent gesteigert werden.

Bereits die letzte britische Regierung unter Premierminister Gordon Brown (im Bild mit Bono und Bob Geldof) von der Labour-Party hat Anfang 2010 einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Großbritannien dazu verpflichten soll, seine Entwicklungshilfezusage einzuhalten und das 0,7 Prozent-Ziel ab 2013 zu erreichen. Die Quote muss auch in den Folgejahren mindestens eingehalten und darf nicht unterschritten werden. Zudem sieht der Entwurf vor, dass der Entwicklungsminister jedes Jahr einen Bericht vorlegen muss, in dem er dem Parlament Rechenschaft ablegt. Wird die Quote nicht erreicht, muss er dies begründen und Maßnahmen benennen, um im folgenden Jahr wieder auf Kurs zu kommen.

Konservativ-liberale Regierung übernimmt Labour-Initiative

Allerdings war die Umsetzung des Gesetzesentwurfs in gültiges Recht für die Brown-Regierung nicht mehr möglich. Im Mai 2010 brachten die Parlamentswahlen auf der Insel David Cameron von der konservativen Tory-Partei an die Macht. Im Vorfeld war befürchtet worden, dass die Wahlen den Gesetzentwurf wieder in der Versenkung verschwinden lassen würden. Doch alle drei bedeutenden Parteien  – Labour (auf S. 72), Konservative (S. 117) und Liberale (S. 32) – bekannten sich in ihren Wahlprogrammen zu dem 0,7-Prozent-Gesetz. Und auch in der Koalitionsvereinbarung, Grundlage für das politische Handeln der konservativ-liberalen Regierung Cameron, schrieben die beiden Wahlsieger (auf Seite 22) fest, dass sie das 0,7-Prozent-Ziel zum Gesetz machen wollen.

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Babita (29): Klima-Beratung statt Bürojob

14. Juni 2011 | 1 Kommentar

Das Klima im indischen Sarwan ist unberechenbar: Starke Regenfälle und lange Dürreperioden erschweren den Ackerbau. Ernteausfälle lassen die Bewohner hungern. Die 29jährige Babita sucht mit den Bäuerinnnen und Bauern vor Ort nach Lösungen im Kampf gegen Armut und Klimawandel.

Eigentlich hat Babita Sinha in Kalkutta Englische Literatur, Journalismus und Sozialarbeit studiert. Doch dass ein „ganz normaler Bürojob“ für sie nicht in Frage kommt, war ihr schon mit Anfang 20 klar: „Ich habe während meiner gesamten Studienzeit in sozialen Projekten in Kalkutta gearbeitet. Nur zu arbeiten, um Geld zu verdienen – das kann doch nicht alles sein im Leben“, erzählt sie. Ihre Erfahrungen aus den Projekten in Kalkutta helfen ihr heute bei ihrem Einsatz im Weiler Sarwan im Nordosten von Indien.

Die Menschen in der Region um Sarwan leiden unter extremen Witterungsbedingungen: Lange Trockenperioden und monsunartiger Regen erschweren Ackerbau und Landwirtschaft. Die Region ist zudem sehr abgeschnitten von der Außenwelt und ist für die Regierung im mehr als 1.200 Kilometer entfernten Neu-Delhi von keinem besonderen Interesse. Unterstützung von der Regierung können sie nicht erwarten.

Mehr Wetterextreme, mehr Gesundheitsprobleme

Das Klima kann Babita nicht ändern, deshalb sucht sich gemeinsam mit den Einwohnern von Sarwan nach Lösungen, wie sie sich an den Klimawandel anpassen können. Seit Wetterextreme zunehmen, nehmen auch die Gesundheitsprobleme der Menschen massiv zu. Schlechte Ernten führen zu Hunger und Mangelernährung.

In Seminaren informiert Babita über verbesserte Anbaumethoden. Heute sammeln die Dorfbewohner beispielsweise während der Regenzeit Wasser in großen Speichern und bewässern damit in Zeiten der Dürre ihre Felder. Sie haben Brunnen gebaut und kleine Wasserverteiler mit Pumpen errichtet. So können die Menschen auch in der Nebensaison Mais, Weizen, Kartoffeln und andere Feldfrüchte anbauen. Damit die Böden nicht weggeschwemmt werden, haben die Bauern Abflussrinnen und Feldeinfassungen gegraben und an strategischen Stellen Bäume gepflanzt, die den Boden bei starken Niederschlägen festhalten.

“Die Erfolge meiner Arbeit machen mich glücklich”

Nach wenigen Ernten hat sich die Ernährung erheblich verbessert, Krankheiten und Mangelernährung sind zurückgegangen. „Viele wissen nicht, wie wichtig die unterschiedlichen Nährstoffe für den Organismus des Menschen sind. Seitdem ich Seminare zu richtiger Ernährung gebe werden die Menschen weniger krank. Das sind schöne Erfolge, die mich glücklich machen“, lächelt Babita.

Effiziente Anbaumethoden und Ernährungsseminare sind aber nicht alles. Gemeinsam für ihre Rechte einzutreten ist genauso wichtig. Deshalb finden regelmäßig Treffen statt, die die Gemeindestrukturen stärken. „Ich zeige den Leuten Möglichkeiten auf, wie sie sich untereinander besser vernetzen können. Das ist wichtig, nicht nur im Bezug auf die Einforderung ihrer Rechte gegenüber der Regierung, sondern auch, wenn es darum geht, Marktnischen für sich zu entdecken. Es haben sich Gruppen zusammengefunden, die ihre Produkte an Händler weiterverkaufen, das erschafft neue Einkommensmöglichkeiten“, berichtet Babita stolz. Ihr Einsatz bringt nicht nur die Bewohner in Sarwan weiter, sondern auch die junge Frau selbst: „Es ist genau das, was ich nie wollte: kein Bürojob!“

Millenniumsentwicklungsziele (MDG) 1 und 7: Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN), darunter auch Deutschland, haben 2000 beschlossen, bis zum Jahr 2015 acht Ziele zur Armutsbekämpfung umzusetzen. MDG 1 legt fest, dass bis zum Jahr 2015 den Anteil der Menschen zu halbieren, die Hunger leiden. MDG 7 sieht vor, die ökologische Nachhaltigkeit zu sichern, sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen für alle Menschen bereitzustellen.

Sarwan in Indien ist eins von 15 Millenniumsdörfern, mit denen die Welthungerhilfe zeigen will, dass die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) auf lokaler Ebene ganz oder teilweise umgesetzt werden können, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Bei der Förderung der 15 Millenniumdörfer in Afrika, Asien und Lateinamerika Dörfer bezieht die Welthungerhilfe die gesamte Region mit ein, in Sarwan arbeitet sie mit der Partnerorganisation Centre for World Solidarity (CWS) zusammen. Auch die Menschen aus umliegenden Orten profitieren von neuen oder besser ausgestatteten Schulen, Gesundheitsstationen sowie geschaffenen Einkommensmöglichkeiten in den Dörfern.

Das Bild und die Geschichte von Babita ist Teil der Reihe “Deine Stimme ist unser Joker”. Von Mitte April bis Mitte Juni 2011 erscheint jede Woche eine Geschichte von jungen Menschen aus Deutschland und aus armen Ländern, die konkret und mit einfachen Mitteln in ihrem Umfeld Einsatz zeigen gegen die weltweite Armut. Was ist Dein Einsatz?

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Steuer gegen Armut: Deutsches und französisches Parlament diskutieren gleichzeitig

10. Juni 2011 | 2 Kommentare

Zeitgleich haben gestern der Bundestag und das französische Parlament, die Assemblée Nationale, über das selbe Thema diskutiert, die Finanztransaktionsteuer (FTT), besser bekannt als “Steuer gegen Armut” oder “Robin Hood Steuer”. Es geht um eine kleine Steuer auf alle Finanztransaktionen, also Kauf und Verkauf von Wertpapieren, Anleihen oder anderen Finanzprodukten. Mit einem Steuersatz von 0,05 Prozent, auf europäischer Ebene eingeführt, könnten große Summen von den Banken und der Finanzindustrie eingesammelt werden.

Die Mittel könnten für den Kampf gegen Armut eingesetzt werden, für die Menschen, die am meisten unter der Finanz- und Wirtschaftskrise leiden, aber am wenigsten dafür können. Gleichzeitig würde Spekulation eingedämmt, der Finanzmarkt reguliert. In Deutschland und Frankreich hat die Idee viele Anhänger. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will das Thema im November auf die Tagesordnung des G20-Gipfels setzen. Er ist Gastgeber für die Staats- und Regierungschefs der 20 mächtigsten Staaten.

Im Bundestag hat die SPD das Thema in einem Antrag eingebracht, weil es bisher nur Sonntagsreden zur Einführung der FTT gegeben habe, wie SPD-Finanzexperte Joachim Poß zitiert wird. Die Menschen würden unruhiger, weil es auf der Ebene der Regierungen nicht weitergehe. Bis Oktober sollten konkrete Gesetzestexte für eine FTT-Einführung vorlegt werden.

Grüne und Linke begrüßten den Antrag der Sozialdemokraten. Seit 2009 höre er im Bundestag von der Bundesregierung, die Finanzbranche müsse beteiligt werden, passiert sei nie etwas, sagte Richard Pitterle (Die Linke). Die Regierungsfraktionen zeigten sich einer FTT-Einführung gegenüber nicht vollkommen abgeneigt, lehnten den Antrag dennoch ab, weil er von falschen Prämissen ausgehe bzw. nur Show sei, da die EU-Kommission zuständig sei.

Auch im französischen Parlament hatten die Oppositionsparteien einen Antrag ähnlich dem der SPD eingebracht (PDF). Die konservative Regierungspartei UMP hat kurzerhand selbst einen recht ähnlichen Antrag gestellt und sich das Anliegen zueigen gemacht. Das hätte sich die deutsche Kampagne “Steuer gegen Armut” auch von der CDU/CSU gewünscht: “Ebenso bedauern wir, dass die Bundesregierung diese Gelegenheit für nicht wichtig genug erachtet hat, das Parlament von konkreten Plänen und Vorhaben für die zweite Jahreshälfte zu unterrichten”, so Jörg Alt, Moderator der Kampagne, die gute Hintergrundinfos bietet.

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Pariser Club: Geburtstagsfeier ohne Korkenknallen

9. Juni 2011 | 0 Kommentare

Der Pariser Club wird 55. Ein Grund zum Feiern? Nein, finden die Aktivisten von erlassjahr.de. Vor der französischen Botschaft hielten sie am Dienstag ihr Banner in die Höhe und sprachen mit den Passanten (mehr Bilder). Später trafen sie Mitarbeiter der französischen Botschaft. Die Aktivisten prangern die undurchsichtigen Verfahren des Pariser Clubs an und fordern einen gerechteren Umgang mit verschuldeten Ländern.

Viele Entwicklungsländer haben Schulden bei reichen Industrieländern. Da sich ihre wirtschaftliche, politische und soziale Situation oft auch nach Jahrzehnten nicht grundlegend verbessert, können sie ihre Schulden nicht begleichen. Sie stehen vor einem Dilemma, da die Verschuldung sie hindert, notwendige Investitionen in Bildung und Gesundheit zu tätigen.

Argentinien war der Geburtshelfer

Vor 55 Jahren erging es Argentinien nicht anders. Das Land hatte bei mehreren Ländern Kredite aufgenommen und konnte diese nun nicht mehr ausgleichen. Die Gläubigerstaaten, die Länder also, die Argentinien Geld geliehen hatten, taten sich zusammen, um mit dem südamerikanischen Land über Auswege aus der Krise zu sprechen. Frankreich stellte seinerzeit für die Verhandlungen die Räumlichkeiten zur Verfügung. So wurde 1956 der „Pariser Club“ geboren.


erlassjahr.de Erklärbär: Internationales… von erlassjahr

Was damals als einmaliges Verfahren angedacht war, verstetigte sich mit den Jahren. Nun ist jedes Schuldnerland auf die Verhandlungen in Paris angewiesen. Oft reicht ein Treffen pro Land nicht aus, um geeignete Verfahren im Umgang mit den Schulden zu finden. So musste zum Beispiel Senegal 13 mal mit seinen Gläubigern zusammen kommen, bevor sich diese bereit erklärten, dem afrikanischen Land einige Schulden zu erlassen.

Hinterzimmergespräche statt fairem Verfahren

Wie gerecht ist ein Verfahren, in dem reiche Staaten hinter verschlossenen Türen über Um- oder Entschuldung von Staaten beraten? Das Bündnis erlassjahr.de – Entwicklung braucht Entschuldung kritisiert den Umgang der reichen mit den armen Staaten scharf. Bei einzelnen Menschen ist die Sache klar: Ist ein deutscher Bürger zahlungsunfähig, behandelt ein Gericht den Fall. Das heißt, dass das Gericht als überparteiische Instanz über Probleme und Lösungsansätze berät und dann ein Urteil fällt. Es gibt also streng genommen zwei Parteien, Schuldner und Gläubiger, und eine neutrale dritte Position.

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Steffen (28): Voller Einsatz statt Zeitspiel

7. Juni 2011 | 1 Kommentar

Handballtrainer Steffen (28) engagiert sich gegen weltweite Armut: Voller Einsatz statt Zeitspiel

Auf der Trainingsjacke von Steffen Franke (28) sticht ein Logo aus den übrigen Sponsorenlogos heraus. Der Handballtrainer und sein Team, die Handballdamen des SV Grün-Weiß Schwerin, tragen nicht nur Werbung für eine Krankenkasse und eine Versicherung, sondern auch für die Aktion gegen die weltweite Armut. Damit zeigen sie auch neben dem Platz vollen Einsatz.

Im Sommer 2007 sah Steffen im Fernsehen den Clip von „Deine Stimme gegen Armut“. Darin traten neben prominenten Schauspielern und Musikern auch die Sporthelden Jens Lehmann, Thiery Henry und die Klitschko-Brüder auf. „Ich hatte mir vorher öfter Gedanken über Armut in Entwicklungsländern gemacht. Seit meiner Zeit als Schulsprecher war ich politisch interessiert. Mir war klar, dass beim G8-Gipfel in Heiligendamm, wenige Kilometer von meiner Heimatstadt Schwerin entfernt, Entscheidungen getroffen werden, die die ganze Welt betreffen“, erinnert sich der Trainer.

Zusammen mit dem Team von Grün-Weiß Schwerin, zu dem auch Katrin (21), Theresia (18) und Juliane (17) gehören, sorgt er seitdem dafür, dass Schweriner Sportfans auf das Thema weltweiter Armut aufmerksam gemacht werden. Als er seine Arbeit als A-Jugendtrainer aufnahm, wollte er nicht nur sportlich ein Zeichen setzen: zusammen mit den Sportlerinnen sprach er bei einer Teambesprechung lange über das Thema Armut: „Wir haben die Situation in Deutschland und in Entwicklungsländern diskutiert. Klar gibt es hier auch Probleme, das will ich gar nicht schönreden. Trotzdem geht es uns, auch wenn wir in schwierigen Situationen sind, einfach besser. Wir haben ein Sozialsystem das uns auffängt.“ Die anschließende Abstimmung am Abend, ob das Team etwas tun will, war nur noch Formsache.

„Wir wollten im Rahmen unseres Sports handeln. Und da lag es nahe, das Kampagnenlogo auf die Trikots und das Trainershirt zu drucken. Aus dem Aktionsbüro in Berlin haben wir dann noch ein Banner für die Halle bekommen“, erzählt Steffen.

„Ich denke, dass wir schon mit kleinem Aufwand viel erreichen können. Wenn wir unsere Fans und andere Sportler auf die Aktion aufmerksam machen und diese dann ebenfalls zu Unterstützern werden, können wir gemeinsam die Politik zum Handeln bewegen“, ist Steffen überzeugt. Seine Kontakte zur Schweriner Volkszeitung nutzt er, um Spielveranstaltungen anzukündigen, nicht ohne Hinweis auf die Aktion: „Je mehr Leute zu den Spielen kommen, desto mehr werden auf ‚Deine Stimme gegen Armut‘ aufmerksam. Wir werden oft angesprochen und gefragt, was es damit auf sich hat. Wenn ich es erkläre, reagieren in der Regel alle sehr positiv darauf“, freut sich der Übungsleiter. „Viele haben sich der Aktion angeschlossen und auch ihre Stimme gegeben. Das zeigt, dass viele Leute einfach nur darauf gestoßen werden müssen.“

Steffen erhofft sich für die Zukunft, dass die Menschen nicht mehr die Augen vor den Problemen verschließen, die sie nicht unmittelbar betreffen. Er will sie über seine große Leidenschaft, den Sport, erreichen. „Außerdem“, fügt Steffen mit einem Augenzwinkern hinzu, „mir ist klar, was ‘Entwicklung‘ bedeutet, schließlich komme ich aus Ostdeutschland!“

Das Bild und die Geschichte von Steffen und seinem Team ist Teil der Reihe “Deine Stimme ist unser Joker”. Von Mitte April bis Mitte Juni 2011 erscheint jede Woche eine Geschichte von jungen Menschen aus Deutschland und aus armen Ländern, die konkret und mit einfachen Mitteln in ihrem Umfeld Einsatz zeigen gegen die weltweite Armut. Was ist Dein Einsatz?

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Raka (15): Starker Auftritt für Frauenrechte

31. Mai 2011 | 2 Kommentare

Raka (15): Starker Auftritt für Frauenrechte

Als Mädchen hat es Raka in Bangladesch nicht leicht. Nicht selten werden Mädchen auf ihren Schulwegen belästigt oder im Kindesalter verheiratet. Eine weiterführende Ausbildung bleibt ihnen oft verwehrt, gesellschaftlich und politisch sind sie an den Rand gedrängt. Mit ihrer Theatergruppe thematisiert die junge Frau die Menschen- und Frauenrechte in ihrem Land. Durch die schauspielerische Überzeichnung soll die Denkweise vieler Bangladeschi verändert werden.

Devan Khadiza Mahmud ist 15 Jahre alt. Ihre Freunde nennen sie Raka. Am Rande der Kleinstadt Naogaon lebt sie zusammen mit zwei Brüdern, einer Schwester und den Eltern. Naogaon liegt im Norden von Bangladesch, dem Nachbarland Indiens, das nicht nur zu den am dichtesten besiedelten Ländern der Welt gehört, sondern das viele Menschen in Deutschland vor allem wegen der regelmäßig wiederkehrenden Überschwemmungen aus den Nachrichten kennen. Die extrem schlechte Situation der Frauenrechte schafft es dagegen selten in die Schlagzeilen. Junge Aktivisten wie Raka zeigen Einsatz für Gleichberechtigung.

In Bangladesch sind Frauen bis heute stark benachteiligt. „Hier leben genauso viele Frauen wie Männer. Weshalb haben sie dann nicht die gleichen Rechte?“ fragt Raka. In einem repressiven gesellschaftlichen Klima sind Frauen häufig abhängig von ihren Ehemännern oder Vätern. Viele Mädchen dürfen nicht oder nur eine kurze Zeit in die Schule gehen. Sie können nicht ausreichend schreiben, lesen und rechnen. Die Möglichkeiten, einen Job zu bekommen und wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen, sind daher begrenzt. Im gesellschaftlichen und politischen Leben genießen sie nicht die gleichen Rechte wie Männer. Zwar gibt es eine Reihe von Gesetzen, zum Beispiel gegen Kinder-Ehen, Mitgift und Polygamie. Doch diese Gesetze werden nicht konsequent durchgesetzt (Quelle der Karte).

Ihre Leidenschaft fürs Theater entdeckte Raka mit 12 Jahren, als sie in der Theatergruppe der Schule eine Rolle ergattern konnte. Die Möglichkeit im Rampenlicht zu stehen und vor einem Publikum zu stehen, das ihr gespannt zuhört, hatte sie vorher noch nie erlebt. Anders als sonst üblich wurde ihr als Frau Aufmerksamkeit geschenkt und Applaus gespendet. Für sie ein völlig neues Gefühl. „In meinem Land kann ich nicht einmal mit Jungen gemeinsam Fußball spielen. Es ist ein Teufelskreis, der von Männern wie Frauen in Gang gehalten wird. Wenn niemand etwas unternimmt, wird es immer so weitergehen.“ Doch Raka unternimmt etwas.

Gemeinsam mit ihren Mitspielern entwirft und probt sie immer wieder neue Theaterstücke, die Übergriffe auf Frauen oder häusliche Gewalt thematisieren. Diese enden abrupt, wenn die Spannung am größten ist. Dann beziehen die Schauspieler alle Zuschauer ein, diskutieren mit ihnen die Ursachen des gezeigten Konfliktes und mögliche Lösungen.

Dass das Engagement der Theateraktivisten zu Veränderungen führt, beobachtet Raka selbst in ihrem Heimatort Naogaon. Dort haben die Theaterstücke Menschen zum Umdenken bewegt. Raka erzählt von arrangierten Ehen einiger minderjähriger Mädchen, die wieder aufgelöst wurden. Sie haben nun die Chance, in die Schule zu gehen; einige von ihnen sind selbst Theateraktivisten geworden.

Raka (15) und ihre Theatergruppe wollen in Bangladesch die Rechte von Frauen und Mädchen stärken„Das Theaterspielen ist ein fester Bestandteil in meinem Leben geworden. Dadurch habe ich gelernt, dass ich meine Gesellschaft mit verändern kann. Vor allem habe ich gelernt, wie stark ich selbst sein kann“, erzählt Raka.

Bangladesch ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Erde. Etwa die Hälfte der insgesamt 160 Millionen Einwohner leben von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag. 20 Prozent der Bevölkerung leiden unter Hunger.

Millenniumsentwicklungsziel (MDG) 3: Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN), darunter auch Deutschland, haben 2000 beschlossen, bis zum Jahr 2015 acht Ziele zur Armutsbekämpfung umzusetzen. MDG 3 legt fest, die Geschlechterungleichheit auf allen Bildungsebenen bis zum Jahr 2015 zu beseitigen und die Rolle der Frau zu stärken.

Rakas ehrenamtliche Theatergruppe wird von Ain o Salish Kendra, einer der bekanntesten Menschenrechtsorganisation Bangladeschs und von der deutschen Organisation NETZ Bangladesch unterstützt. NETZ ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit 1989 gegen Hunger und für Menschenwürde in Bangladesch kämpft. Von Wetzlar aus werden vor Ort verankerte Partnerorganisationen gefördert, die Selbsthilfe-Projekte für Ernährung, Bildung und Menschenrechte durchführen.

Das Bild und die Geschichte von Raka ist Teil der Reihe “Deine Stimme ist unser Joker”. Von Mitte April bis Mitte Juni 2011 erscheint jede Woche eine Geschichte von jungen Menschen aus Deutschland und aus armen Ländern, die konkret und mit einfachen Mitteln in ihrem Umfeld Einsatz zeigen gegen die weltweite Armut. Was ist Dein Einsatz?

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Gezinkte Karten? G8 bluffen bei den Entwicklungsleistungen

26. Mai 2011 | 0 Kommentare

Verzockt im Casino? Oxfam Frankreich hat sich zum G8-Gipfel eine gute Aktion einfallen lassen (Foto: Delphine Bedel/ Oxfam France)

Wie jedes Jahr treffen sich auch heute wieder die G8, die Staats- und Regierungschefs der acht wichtigsten Industrienationen der Welt. Dieses Mal in Deauville, Frankreich. Wichtige Fragen werden erörtert und Beschlüsse gemacht. 2005 hatten die G8 auf ihrem Gipfel in Gleneagles (Schottland) unter anderem zugesagt, dass die weltweite jährliche Entwicklungshilfe bis 2010 um 50 Milliarden US-Dollar erhöht werden soll (gemessen am Wert des Dollars von 2004).

In ihrem vor wenigen Tagen veröffentlichten Rechenschaftsbericht legen die G8-Staaten den Stand der Umsetzung ihrer Versprechen dar. Dort heißt es, die G8 liegen nur eine Milliarde Dollar hinter den jährlichen Zielvorgaben des Gipfels von Gleneagles. Nach den international akzeptierten Standards der OECD ist das nicht der Fall. Die G8 geben über 18 Milliarden US-Dollar zu wenig, kritisieren verschiedene Nichtregierungsorganisationen wie ONE, Oxfam, Action Aid, World Vision oder die Kampagne Malaria No More (Quelle Grafik).

„So kann man sich Versprechen schön rechnen“ kommentiert Marwin Meier von World Vision Deutschland. „Rechnet man aber fairer Weise den Wertverlust des Dollars und die Inflation mit ein, drücken sich die G8 um Milliardenbeträge.”

"Doppelgänger" von Angela Merkel und dem italienische Präsident Silvio Berlusconi auf dem Weg ins G8-Casino (Foto: Delphine Bedel/ Oxfam France)Deutschlands Leistungen beurteilt ONE in ihrem DATA Bericht 2011 kritisch. Deutschland hat mit einer Erhöhung der Entwicklungszusammenarbeit zwischen 2005 und 2010 um 979 Millionen US-Dollar lediglich 23 Prozent der zugesagten Erhöhungen überwiesen. Schaut man sich davon die Gelder an, die in die ärmsten Regionen, nach Subsahara-Afrika flossen, belegt Deutschland den vorletzten Platz im G8-Vergleich. Nur Italien lieferte ein schlechteres Bild: Statt einer versprochenen Erhöhung sanken die Leistungen sogar um 78 Mio. US-Dollar.

Wenn Deutschland die durchschnittliche Erhöhung der Steigerung der Entwicklungszusammenarbeit der letzten Jahre beibehält, wird das für 2015 versprochene Ziel, 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft für Entwicklung auszugeben, frühestens 2022 erreicht, so die Rechnung von ONE.

Auch Oxfam sieht die Situation kritisch und merkt in ihrem Bericht “Cooking the books won’t feed anyone” an: „Wenn die G8 weiterhin als glaubwürdige Stimme im Bezug auf die Entwicklungszusammenarbeit gesehen werden möchte, müssen sie dieses Jahr in Deauville ihre Versprechungen erfüllen.“ Dafür sind laut Tobias Hauschild, Policyexperte von Oxfam, Mittel aus der geplanten Finanztransaktionssteuer (FTT) unverzichtbar. „Der anstehende G8-Gipfel ist für Bundeskanzlerin Merkel die passende Gelegenheit, sich für eine solche Steuer gegen Armut einzusetzen.“

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Trickserei aus Eigeninteresse: EU rechnet die Entwicklungszusammenarbeit schön

19. Mai 2011 | 0 Kommentare

In Busan (Südkorea) wird im Herbst über die Effektivität von Entwicklungszusammenarbeit beraten. Welcher Europäer kommt am besten weg?Die 27 Staaten der EU und die Europäische Kommission haben 2010 rund 55 Milliarden Euro für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben. Bei näherer Betrachtung fällt auf: Das sind fast 15 Milliarden Euro weniger als versprochen. Fünf Mrd. Euro haben die EU gar nicht verlassen, sie kommen niemals den Armen zugute. Schließlich bestimmen Eigeninteressen die Entwicklungshilfe, zum Beispiel Immigration, Sicherheit- und Wirtschaftsinteressen.

1.600 Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus ganz Europa haben sich unter dem Dach des Netzwerks Concord die offiziellen Entwicklungshilfezahlen von 2010 genau angeschaut. Heute ist ihr Bericht, der AidWatch Report 2011 (als PDF) erschienen.

Aufgeblähte Zahlen

Die NGOs kritisieren, dass die Gesamtsumme durch zweifelhafte Rechnungen um fünf Milliarden Euro aufgebläht wird. So wurden armen Ländern Schulden in Höhe von 2,5 Milliarden Euro erlassen, 1,6 Milliarden Euro wurden für Studienplatz-Kosten ausländischer Studierender in der EU ausgegeben und rund 1,1 Milliarden Euro wurden für Flüchtlinge in den EU-Ländern ausgegeben. All das zählt zur offiziellen Entwicklungshilfe (ODA), auch wenn kein Cent in arme Länder fließt.

Eigene Interessen statt arme Menschen im Blick

Der AidWatch-Bericht kritisiert auch, dass für viele EU-Staaten innenpolitische Interessen die Entscheidungen in der Entwicklungspolitik bestimmen: “Das vornehmste Ziel der Entwicklungszusammenarbeit, nämlich die Armut zu reduzieren, wird immer mehr von anderen Zielen der Geber überlagert. Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn Entwicklungszusammenarbeit nicht im gewünschten Maße die Armut überwindet“, kritisiert Ulrich Post, Vorsitzender des deutschen NGO-Dachverbands VENRO, dem Träger von “Deine Stimme gegen Armut”. So zählen beispielsweise 48 Staaten als fragil (etwa: schwach, mit schlechter Regierungsführung). Doch von den gesamten Leistungen für fragile Staaten flossen seit 2002 mehr als 30 Prozent in nur drei dieser 48 Staaten und zwar an den Irak, Afghanistan und Pakistan.

Lahme Enten: So wird das Ziel nicht erreicht

Trotz Sparzwang stehen unsere Nachbarn von der Insel in Sachen Entwicklungszusammenarbeit deutlich besser da.Auch bei der eigenen Zuverlässigkeit hapert es bei vielen Geberländern. Bis 2015 wollen die EU-Staaten 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft für Entwicklung bereitstellen (ODA-Quote). Doch nur neun Länder erreichen die im Rahmen des sogenannten EU-Stufenplans versprochenen (Zwischen-)Ziele zur Steigerung: Belgien, Dänemark, Großbritannien, Finnland, Irland, Luxemburg, Niederlande, Schweden und Zypern. Die deutsche Quote lag 2010 bei mageren 0,38 Prozent, versprochen waren 0,51.

Mehr Informationen und Argumente rund um die Entwicklungszusammenarbeit haben wir in einer aktuellen Broschüre (PDF) zusammengetragen.

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Jhoenmert (14): Ein Präsident nimmt Wasserproben

17. Mai 2011 | 3 Kommentare

Jhoenmert (14) nimmt im Einsatz gegen Umweltverschmutzung Wasserproben in seiner Heimat Peru.

Die Tomaten sehen saftig aus, Gurken glänzen in der Sonne. Das Gemüse auf dem Markt in La Oroya in Peru sieht lecker aus. Doch der Schein trügt. Das Gemüse aus dieser Region in den Anden, liegt den Menschen schwer im Magen. Böden, Luft und Wasser sind vom Bergbau mit giftigen Schwermetallen verseucht. Die Menschen nehmen sie über die Nahrung und durch die Kleidung auf. Der 14-jährige Jhoenmert engagiert sich gegen die Umweltverschmutzung.

Die Bleiwerte in Jhoenmerts Blut sind zu hoch. Sie übersteigen um ein Vielfaches den Grenzwert, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für das giftige Schwermetall festgelegt hat. „Besonders wir Kinder und Jugendlichen leiden sehr unter den Folgen des hohen Bleiwerts. Wir können uns schlecht konzentrieren, haben oft Kopfschmerzen und sind besonders anfällig für Krankheiten, weil unser Immunsystem geschwächt ist. Viele Menschen in La Oroya leiden an Krebs. Das ist eine der schlimmsten Folgen der Verschmutzung“, schildert der junge Mann.

Der Fluch des reichhaltigen Gesteins

Jhoenmert lebt mit seiner Familie in einer der dreckigsten Städte der Welt. In der Andenregion Junín werden ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt Blei, Kupfer, Zink und Silber abgebaut. In La Oroya werden diese Metalle dann verhüttet. Die dazu notwendige Anlage, steht mitten in einem Wohnviertel – ihr fehlen Schutzvorrichtungen, die giftige Dämpfe filtern und verschmutztes Abwasser auffangen. Die Gifte gelangen direkt in Luft, Wasser und Boden. Die Stadt schaffte es auf tragische Weise in die internationale Presse: La Oroya war 2007 eine der zehn meistverschmutzten Städte weltweit. Obwohl die Verhüttungsanlage derzeit stillsteht, hat sich daran nicht viel geändert.

„Der Bergbau ist ein zweischneidiges Schwert“, erklärt Jhoenmert das Problem. „Einerseits werden durch ihn giftige Substanzen freigesetzt. Andererseits bietet er rund 3.000 Menschen in der Stadt einen Arbeitsplatz. Ein Dilemma, das durch den Einbau von Schutzfiltern entschärft werden könnte.“ Als Jhoenmert vor ein paar Jahren diesen Zusammenhang erkannte, konnten er und einige seiner Freunde nicht mehr stillhalten. „Egal ob wir Gemüse aus dem Garten ernten oder vom Markt kaufen, es macht uns krank! Uns war klar, dass sich in La Oroya etwas ändern muss!“

Jugendliche Umweltschützer gegen das Wegsehen

Jhoenmert analysiert in Peru die Belastung von Wasser und Böden mit Schwermetallen (Foto: Kindernothilfe)Mit einigen Freunden schloss sich Jhoenmert dem „Netzwerk der jugendlichen Umweltschützer“ an, das von einer peruanischen Nichtregierungsorganisation ins Leben gerufen wurde. „Wir waren schockiert darüber, dass die meisten Erwachsenen nicht wussten, wie schlimm es um unsere Umwelt steht und warum wir krank sind. Aber auch wenn sie die Zusammenhänge erkannten, wollten sie nichts tun. Viele von uns hatten Streit mit der Familie, weil unsere Eltern nicht einverstanden waren, dass wir etwas verändern wollten.“ Verständlich, denn viele Eltern hatten in der Bergbauindustrie Arbeit gefunden und fürchteten um ihre Stellen. „Jetzt kamen wir und mischten alle auf. Das war vielen unangenehm!“

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Toni (17) und Mareike (19): Da stimmt der Einsatz

10. Mai 2011 | 8 Kommentare

Toni (17) und Mareike (19): Da stimmt der Einsatz

Es war zwar nicht der Eurovision Song Contest aber auch ein europäischer Musikwettbewerb. Mit ihrem Song „Eine Geschichte der Ignoranz“, der zum Titelsong eines Kampagnenvideos von „Deine Stimme gegen Armut“ wurde, haben Toni Montag (17) und Mareike Matthias (19) aus Küllstedt in Thüringen den europäischen Musikwettbewerb „I Fight Poverty“ gewonnen. Mit kritischen Songs zeigen sie Einsatz gegen weltweite Armut.

Im beschaulichen Küllstedt werden gerade einmal 1.500 Einwohner gezählt. Zwei von ihnen wurden im vergangenen Jahr über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Antonia (kurz Toni) und Mareike haben sich in der örtlichen Orchestergruppe kennen gelernt, wo sie beide Gitarre spielten. Als Singer/Songwriter bestimmen sie heute ihre eigene Stilrichtung. Mit Erfolg: Nach dem Gewinn des Musikwettbewerbs „I fight Poverty“ der Europäischen Kommission gewonnen und standen plötzlich in Brüssel auf der Bühne.

Zufällig gewonnen

„Mein Freund Christian stieß beim Surfen im Internet zufällig auf den Wettbewerb. Weil der Song schon aufgenommen war und die Deadline so kurzfristig war, habe ich den Song einfach hochgeladen, ohne Toni vorher Bescheid zu geben“, erinnert sich Mareike.Dann geriet der Wettbewerb in Vergessenheit, bis plötzlich eine Mitarbeiterin der Europäischen Kommission anrief. „Sie sagte, wir hätten die Jury mit unserem Lied überzeugt und gewonnen – Wahnsinn! Unser Preis war eine professionelle Studioaufnahme des Songs und ein Auftritt in Brüssel vor internationalem Publikum“, erzählt Toni. „Wir waren ziemlich stolz, vor allem auch deshalb, weil dieser Wettbewerb genau das fördert, was wir mit unserer Musik erreichen wollen.“ Junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren waren dazu aufgerufen, ein Lied einzureichen, das sich mit der Bekämpfung der weltweiten Armut auseinander setzt.

Beinahe hätte es den Akustiksong nie gegeben. Als Toni zu Weihnachten eine E-Gitarre geschenkt bekam, hat sie kurz überlegt umzusteigen: „Den elektrischen Klang mochten wir aber beide nicht so gerne und sind bei der Akustikgitarre geblieben.“ Ihren Stil beschreiben sie als Singer/Songwriter, selbst hören sie gerne Bands wie Chapeau Claque, Clueso aber auch akustische Songs von Bon Iver oder Jack Johnson.

Von Austauschschülern und Benefizkonzerten

Ihr Interesse an globalen Themen ist auf persönliche Erfahrungen mit Freunden aus Afrika und Austauschschülern aus Chile sowie Brasilien zurückzuführen. Deren Geschichten und Bilder in Zeitungen und Fernsehen haben sie berührt. „Ich werde wütend wenn ich höre, wie ungerecht die Verteilung ist. Dagegen müssen wir etwas tun. Küllstedt ermöglicht es einem jedoch nicht gerade, an weltpolitischen Geschehen teilzunehmen. Mit Demos und Veranstaltungen sieht es hier eher schlecht aus“, lacht Mareike. Ihre Gedanken verpacken sie in raffinierten, nachdenklichen Texten und schreiben dazu knackige Melodien, die Ohrwurmgarantie haben. Toni und Mareike spielten auf Benefizkonzerten für die Opfer des Erdbebens in Haiti. Außerdem organisierten sie mit Hilfe von Freunden ein Konzert für die Familie von Mareikes Austauschschülerin aus Chile.

Inzwischen studiert Mareike Politikwissenschaften in Leipzig und engagiert sich nebenbei in der Studenteninitiative Weitblick. Toni wird in diesem Jahr ihr Abitur machen und will anschließend für einige Zeit nach Brasilien. „Mit der Musik machen wir aber auf jeden Fall weiter. Unser Plan ist, dass es keinen Plan gibt. Wir haben Freude an der Sache und es gibt uns gleichzeitig das Gefühl, nicht untätig herumzusitzen. Und außerdem wissen wir mittlerweile, wie wir unsere ganze überschüssige Kreativität umsetzen können: wir drehen Videos zu unserer Musik und veröffentlichen sie auf Youtube.“

Dort ist auch ein Video zusehen, das von „Eine Geschichte der Ignoranz“ unterlegt ist: Der Clip über das Kampagnenjahr 2010 von „Deine Stimme gegen Armut“. Auch uns hatte der Song beim EU-Wettbewerb am besten gefallen. Dass er schließlich gewann, war Zufall. Genau wie die Wettbewerbseinreichung.

Das Bild und die Geschichte von Toni und Mareike ist Teil der Reihe “Deine Stimme ist unser Joker”. Von Mitte April bis Mitte Juni 2011 erscheint jede Woche eine Geschichte von jungen Menschen aus Deutschland und aus armen Ländern, die konkret und mit einfachen Mitteln in ihrem Umfeld Einsatz zeigen gegen die weltweite Armut. Was ist Dein Einsatz?

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Sexualaufklärung und Ärztemangel: Hürdenlauf zur sicheren Geburt

6. Mai 2011 | 2 Kommentare

Kurz vor dem Muttertag sorgt das „Mutternacht“-Bündnis bestehend aus zehn Entwicklungsorganisationen für Aufmerksamkeit vor dem Brandenburger Tor. Sportlerinnen mit “falschem” Schwangerschaftsbauch in Trikots armer Länder wie Tschad, Sierra Leone und Haiti versuchen, symbolische „Hürden zur sicheren Geburt in armen Ländern“ zu überspringen.

Damit erinnern sie die Bundesregierung an ihr Versprechen, bis 2015 die Gesundheit von Müttern weltweit zu verbessern. Im 5. so genannten Millenniumsentwicklungsziel (MDG), zu dem sich die Staaten der Welt im Rahmen der Vereinten Nationen verpflichtet haben wurden bisher die geringsten Fortschritte erzielt. Noch immer sterben jedes Jahr mehr als 350.000 Frauen vor allem in Entwicklungsländern, nur weil sie ein Kind bekommen.

Für Mädchen im Teenageralter gehören Schwangerschaft und Geburt sogar zu den Haupttodesursachen. Jedes Jahr bekommen mehr als 14 Millionen junge Frauen zwischen 15 und 19 Jahren ein Kind und müssen die Schule oder ihre Ausbildung abbrechen.

Alleine können Frauen in Entwicklungsländern diese „Hürden“ nicht überwinden, so die Botschaft der zehn Hilfsorganisationen des Mutternacht-Bündnisses, zu denen die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, CARE, World Vision und andere gehören. Sie fordern mehr Armutsbekämpfung, bessere Bildungschancen, mehr Gesundheitspersonal und Krankenhäuser sowie die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft um bei diesem „Hürdenlauf“ sicher ins Ziel zu gelangen.

Sexualaufklärung und Hebammenstreik: Hürdenlauf zur sicheren Geburt

Kurz vor dem Muttertag sorgt das „Mutternacht“-Bündnis bestehend aus zehn Entwicklungsorganisationen für Aufmerksamkeit vor dem Brandenburger Tor. Sportlerinnen mit “falschem” Schwangerschaftsbauch in Trikots armer Länder wie Tschad, Sierra Leone und Haiti versuchen, symbolische „Hürden zur sicheren Geburt in armen Ländern“ zu überspringen.

Damit erinnern sie die Bundesregierung an ihr Versprechen, bis 2015 die Gesundheit von Müttern weltweit zu verbessern. Im 5. so genannten Millenniumsentwicklungsziel (MDG), zu dem sich die Staaten der Welt im Rahmen der Vereinten Nationen verpflichtet haben wurden bisher die geringsten Fortschritte erzielt. Noch immer sterben jedes Jahr mehr als 350.000 Frauen vor allem in Entwicklungsländern, nur weil sie ein Kind bekommen.

Für Mädchen im Teenageralter gehören Schwangerschaft und Geburt sogar zu den Haupttodesursachen. Jedes Jahr bekommen mehr als 14 Millionen junge Frauen zwischen 15 und 19 Jahren ein Kind und müssen die Schule oder ihre Ausbildung abbrechen.

Alleine können Frauen in Entwicklungsländern diese „Hürden“ nicht überwinden, so die Botschaft der zehn Hilfsorganisationen des Mutternacht-Bündnisses, zu denen die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, CARE, World Vision und andere gehören. Sie fordern mehr Armutsbekämpfung, bessere Bildungschancen, mehr Gesundheitspersonal und Krankenhäuser sowie die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft um bei diesem „Hürdenlauf“ sicher ins Ziel zu gelangen.

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Evalyne (23): Mit Mut zu mehr Mitbestimmung

3. Mai 2011 | 2 Kommentare

In Uganda, der Heimat von Evalyne Kobusinge (23) hat demokratisches und bürgerschaftliches Engagement keine lange Tradition. Weil sie aber überzeugt davon ist, dass die Bekämpfung von Armut und ungerechten Strukturen nur gelingt, wenn die Menschen sich für Politik interessieren und einmischen, organisiert Evalyne zusammen mit ihren Freunden Gorret (18), Midrat (20) und James (21) Veranstaltungen zu Bürgerrechten und bürgerschaftlichem Engagement.

Erst 2008 endete der Bürgerkrieg, der den Norden des ostafrikanischen Landes 20 Jahre lang erschütterte. 1,8 Mio. Menschen flohen vor dem Terror, 20.000 Kinder wurden entführt und zu Kindersoldaten rekrutiert. In den 1970er Jahren wurden unter der Herrschaft des Diktators Idi Amin über 300.000 Oppositionelle ermordet. Präsident Museveni regiert seit 25 Jahren das Land. Korruption und Vetternwirtschaft sind weit verbreitet, die Situation der Menschenrechte ist vielerorts unbefriedigend.

Wir müssen lernen, uns politisch einzumischen!

Dabei hängen Armut, fehlende politische Kultur und Bildung eng zusammen. „Armut hat viel mit fehlender Bildung zu tun. Wer die Chance hat, zur Schule zu gehen, einen Beruf zu erlernen, kann aus seinem Leben etwas machen und findet einen Weg aus der Armut“, ist Evalyne überzeugt. „Um Armut erfolgreich und dauerhaft zu bekämpfen, braucht es aber auch eine bessere Politik. Und da ist jeder von uns gefragt. Wir müssen lernen, uns politisch einzumischen!“

In Hoima, der Heimatstadt von Evalyne im Osten des Landes, gehört Armut zum Alltag für die rund 40.000 Einwohner. Die meisten Familien leben von der Landwirtschaft. Die junge Frau und ihre drei Freunde kommen aus armen Bauernfamilien und hatten das Glück, eine Schule zu besuchen. „Nicht viele meiner Freunde haben diese Möglichkeit“, sagt Evelyne und wird nachdenklich: „Ich sehe es bei meinen Eltern: ihnen fehlt die Basis, ihre Ideen weiterzuentwickeln. Armut, Hunger, fehlender Zugang zu Wasser, mangelnde Gesundheitsversorgung sind nicht schicksalhaft, sondern haben vor allem mit schlechter Politik zu tun haben. Dass unsere Mitmenschen das erkennen, daran arbeiten wir. “

Millenniumsentwicklungsziele (MDG): Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN), darunter auch Deutschland, haben im Jahr 2000 beschlossen, bis 2015 acht Ziele zur Armutsbekämpfung umzusetzen. MDG 2 legt fest, dass bis zum Jahr 2015 alle Kinder weltweit eine Grundschulbildung vollständig abschließen können. Derzeit haben 69 Millionen Kinder weltweit keinen Zugang zu Bildung.

Evalyne ist davon überzeugt, dass Armut nur dann bekämpft werden kann, wenn es eine starke Zivilgesellschaft gibt und die Bürgerinnen und Bürger sich einmischen, sich beteiligen. Die vier Freunde haben selbst an bildungspolitischen Schulungen teilgenommen und geben jetzt selbst Seminare. Sie bilden Menschen aus, die sich für das Gemeinwohl engagieren und die Interessen der Bürger vertreten. „Die patrimonialen Machenschaften müssen gestoppt werden. Wir Bürger haben ein Mitbestimmungsrecht. Es ist so wichtig, für gerechtere Strukturen einzustehen. Nicht nur hier in Uganda, sondern auch in unseren Nachbarländern beherrschen Korruption und Vetternwirtschaft die Politik. Das muss aufhören! Entwicklung und Fortschritt kann es nur geben, wenn es auch faire Strukturen gibt“, zeigt sich James überzeugt.

Selbstvertrauen durch Engagement

Die jungen Leute haben durch ihr Engagement Selbstvertrauen gesammelt und Mut bekommen, die Politik zu hinterfragen und sich als Bürger einzubringen: „Die Menschen denken, sie sind Präsident Museveni und den Entscheidungen der Regierung ausgeliefert. Aber das stimmt nicht. Wir haben Rechte und gemeinsam können wir uns für faire Strukturen einsetzen“, sagt Evalyne, die auch etwas stolz auf Erfolge ihrer Arbeit verweist: Im letzten Jahr wurde einer von ihren Mitstreitern in das Bezirksparlament gewählt. Dort vertritt er die Interessen seines Dorfes.

Die Familien von Evalyne, Gorret, Midrat und James gehören zu den 295 Kolpingsfamilien in Uganda, einer katholischen Bewegung mit über 10.000 Mitgliedern. 18 Mitglieder sind derzeit politisch aktiv und vertreten in Dorf- oder Bezirksräten die Interessen der Armen und setzen sich für soziale Belange der Bevölkerung ein.

Vor 160 Jahren hat der katholische Priester Adolph Kolping einen Gesellenverein gegründet. Dieser Gesellenverein firmiert heute als KOLPING INTERNATIONAL und ist ein christlich-sozialer Verband mit etwa 5.000 Kolpingsfamilien und  450.000 Mitgliedern in 60 Ländern weltweit. Ziel des Verbandes ist die ganzheitliche Bildung und Förderung der Menschen, aber auch die Gestaltung einer gerechten Gesellschaft auf der Basis christlicher Werte. Das Internationale Kolpingwerk versteht sich als Solidargemeinschaft, in der sich die Mitglieder und Kolpingsfamilien gegenseitig unterstützen und fördern. Die Entwicklungszusammenarbeit kommt vor allem den Kolpingsfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika sowie Mittel- und Osteuropa zu Gute. Die Kolpingsfamilien in diesen Regionen verstehen sich als Selbsthilfegruppen, die durch ihre Aktivitäten mithelfen wollen, den Menschen bei der Bewältigung der Alltagsprobleme zu helfen.

Das Bild und die Geschichte von Evalyna und ihren Kollegen ist Teil der Reihe “Deine Stimme ist unser Joker”. Von Mitte April bis Mitte Juni 2011 erscheint jede Woche eine Geschichte von jungen Menschen aus Deutschland und aus armen Ländern, die konkret und mit einfachen Mitteln in ihrem Umfeld Einsatz zeigen gegen die weltweite Armut. Was ist Dein Einsatz?

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