Welche Zukunft wollen wir? – Der Gipfel 2012 in Rio
20 Jahre nach der „Meilenstein-Konferenz“ 1992 hoffen viele Menschen darauf, dass die Akteure des Umweltgipfel der Vereinten Nationen (UN) diesen Juni in Rio Lösungen für zukünftige Herausforderungen finden.
Über welche Themen werden die Staats- und Regierungschefs verhandeln?
Im Mittelpunkt des Gipfeltreffens sollen zwei Themen stehen:
1. „Green Economy im Kontext von nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung“: Green Economy wird als eine Art des Wirtschaftens verstanden, in der ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Profit integriert sind. Doch der Begriff und das Konzept dahinter werden sehr kontrovers gehandelt, da es immer eine Frage des Blickwinkels ist, welcher der drei Aspekte im Vordergrund des Interesses steht.
2. „Global Environmental Governance“: Die Idee ist, eine große Organisation zu gründen, die den gleichen Stellenwert wie andere UN-Sonderorganisationen, z.B. die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat. Sie soll sich ausschließlich mit Nachhaltige Entwicklung befassen. Ziel soll dabei sein, dass sie dazu Regeln aufstellt, die für alle Staaten verpflichtend sind.
Kritische Stimmen
Schon im Vorfeld des Gipfels ist die Kritik groß: Vom Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre meldete sich Ende Januar die Zivilgesellschaft zu Wort. Unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“ treffen sich hier regelmäßig globalisierungskritische Aktivisten der sozialen Bewegungen aus aller Welt. Für sie ist soziale und ökologische Gerechtigkeit weltweit eins der brennendsten Themen unserer Zeit. Deshalb beschäftigen
sie sich mit politischen Alternativen, die dem Wohlstand aller dienen sollen.
In diesem Jahr forderten die Aktivisten neue Schwerpunkte für die diesjährige Konferenz in Rio zu setzen. Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und kleinbäuerliche Landwirtschaft müssten in den Vordergrund der Rio+20-Erklärung rücken. Eine Green Economy als zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell wird von vielen Vertretern der Zivilgesellschaft rundheraus abgelehnt, zu sehr stehen die Interessen der Wirtschaft und der Wachstumsgedanke im Zentrum des Konzepts. “Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt verstehen Green Economy als Unterwerfung der Politik unter die Interessen der Wirtschaft. Sie leistet der Kommerzialisierung der Natur weiteren Vorschub, Menschenrechte, Armutsbekämpfung und Gerechtigkeit bleiben auf der Strecke”, so Michael Frein, der Nachhaltigkeitsexperte des Evangelischen Entwicklungsdiensts (EED) in einer Presseinformation.
Die Aktivisten vom Weltsozialforum in Porto Alegre sowie viele Vertreter der Zivilgesellschaft sind sich einig, dass nur eine grundlegende Veränderung des Systems einen Ausweg aus dieser Sackgasse schaffen kann. Ihrer Meinung nach sollte diskutiert werden, wie Wohlstand geschaffen werden kann, ohne (nur) auf Wirtschaftswachstum zu hoffen. Grundsätzlich müssten bei den Verhandlungen die natürlichen Grenzen des Planeten viel ernster genommen werden, als dies bisher der Fall ist.
AktivistInnen aus Porto Alegre schmieden Pläne
Aus Protest gegen die geplanten Inhalte des Erdgipfels haben die Teilnehmer den 5. Juni zu einem weltweiten “Tag der Mobilisierung” gegen den Kapitalismus und für mehr globale Gerechtigkeit aufgerufen. Außerdem wollen die Globalisierungskritiker unter dem Titel “People’s Summit” mit einer Parallelveranstaltung zu Rio+20 für Öffentlichkeit sorgen.

