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G8 versuchen von verfehlten Zusagen abzulenken

Die G8-Staaten, also die sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland haben auf ihrem Gipfel-Treffen am vergangenen Wochenende im kanadischen Muskoka beschlossen, mehr gegen die Mütter- und Kindersterblichkeit zu tun. Für die sogenannte “Muskoka-Initiative” wurden fünf Milliarden US-Dollar zusätzliches Geld für die Jahre 2010 bis 2015 zugesagt, also pro Jahr eine Milliarde Dollar.

Auf den ersten Blick ist eine solche Initiative sehr zu begrüßen. Die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) 4 und 5, die die Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit zum Ziel haben, hinken am weitesten der Umsetzung hinterher. Jedes Jahr sterben fast 350.000 Frauen an Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt. Und die Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren ist weiterhin skandalös hoch: Pro Jahr erleben 8,8 Millionen Kinder nicht ihren fünften Geburtstag. Die Verbesserung der Situation von Müttern und Kleinkindern liegt in erster Linie in der Verbesserung der medizinischen Versorgung vor Ort. Die meisten Todesursachen lassen sich mit relativ einfachen medizinischen Maßnahmen zumindest reduzieren. Bei Kleinkindern in Entwicklungsländern sind beispielsweise Durchfall- und Atemwegserkrankungen zwei der häufigsten Todesursachen. Doch die Förderung der medizinischen Versorgung vor Ort, also in erreichbarer Nähe für die Menschen, kostet Geld. Und die zugesagte eine Milliarde Dollar pro Jahr sind dafür viel zu wenig. Schätzungen der Vereinten Nationen gehen von 24 Milliarden Dollar bis 2015 aus, die zur substantiellen Verbesserung der Kinder- und Müttergesundheit notwendig sind.

Auf den zweiten Blick ist die “Muskoka-Initiative” also zum einen unzureichend finanziell ausgestattet. Zum anderen erscheint sie vor dem Hintergrund, dass die G8 ihre Zusagen zur Entwicklungsfinanzierung weit verfehlen, wie ein Ablenkungsmanöver. Denn die Zusage des G8-Gipfels 2005 in Gleneagles war, dass die G8 ihre Entwicklungshilfe massiv aufstocken und so zu einer Erhöhung der weltweiten Entwicklungshilfe um 50 Milliarden Dollar bis 2010 beizutragen. Doch jetzt 2010 müssen wir feststellen, dass eine Lücke von 22 Milliarden Dollar zu der Zusage klafft.

Und die G8 haben einen großen Anteil daran. Dort sind die größten Geber versammelt. Deutschland zum Beispiel hält seine Zusage zur Entwicklungsfinanzierung nicht ein, wodurch etwa drei Milliarden Dollar fehlen. Bei Italien sind es über fünf Milliarden Dollar, die zugesagt wurden, aber nicht umgesetzt werden. So kann sich jede und jeder ausrechnen, dass bei Einhaltung der Zusagen von 2005 nicht nur die “Muskoka-Initiative”, sondern auch alle anderen MDGs wie Bildung für alle, Hungerbekämpfung oder Versorgung von HIV/Aids-Patienten mit Medikamenten angemessen finanziert werden könnten. Statt also die gegebenen Versprechen umzusetzen, wird eine neue Initiative aus dem Hut gezaubert, die noch nicht einmal entsprechend finanziert wird, aber ein hoch emotionales Thema besetzt und sich medial gut vermarkten lässt.

Die Möglichkeit trotz knapper Kassen ihren Verpflichtungen nachzukommen, haben die G8 übrigens auf dem parallel stattfindenden G20-Gipfel verpasst. Dort konnten sich die Staaten leider nicht auf die Einführung einer Finanztransaktionssteuer einigen, die die Finanzmärkte minimal besteuert, aber trotzdem das Potential hat global dreistellige Milliardenbeträge aufzubringen. Deutschland und Frankreich, die sich für die Einführung einer solchen Steuer eingesetzt haben, müssen nun alles daransetzen die Finanztransaktionssteuer wenigstens in der Europäischen Union einzuführen.

Zum Schluss noch ein Satz zu den Sicherheitskosten der beiden G-Gipfel in Kanada. Die Kanadier haben sage und schreibe etwa eine Milliarde Dollar für die Sicherheit des dreitägigen G8-Gipfels und des zweitägigen G20-Gipfels ausgegeben. Für die “Muskoka-Initiative” zur Verbesserung der Mütter- und Kindergesundheit in den nächsten fünf Jahren hat Kanada ebenfalls insgesamt eine Milliarde eingeplant. Mit dem Unterschied, dass diese bisher nur auf dem Papier stehen.

4 Reaktionen zu “G8 versuchen von verfehlten Zusagen abzulenken”

  1. clemens wester

    so werden wir den kampf gegen armut nie im leben gewinnen.es ist armsellig was da gemacht wird.

  2. Horst Torsten

    Wenn GRUNDSÄTZLICH alles allen Menschen gehören würde, gäbe es die blödsinnige wie arglistige Frage “Wer soll das bezahlen?” nicht, denn PRINZIPIELL würde alles GERECHTER und WAHRHAFTIGER organisiert werden – eine Welt- und Werteordnung, OHNE Wettbewerb, OHNE Steuern, OHNE “Sozial”-Versicherungen, OHNE manipulativ-schwankende Werte, OHNE systemrationalem Zeit-/Leistungsdruck zu einer Karriere von Kindesbeinen, usw., auf der Basis eines bedingungslosen MENSCHENRECHTS auf Nahrung, Wohnen und Gesundheit, mit allen daraus MENSCHENWÜRDIG resultierenden Konsequenzen / Möglichkeiten, ist absolut machbar.

    Für geistig-heilendes Selbst- und Massenbewußtsein: Der konfusionierenden Überproduktion von systemrationalem Kommunikationsmüll ein Ende – keine Bildung mehr zu Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche / keine GLEICHERMAßEN unverarbeitete / MANIPULIERBARE Bewußtseinsschwäche in Angst, Gewalt und “Individualbewußtsein” mehr!!!

  3. Horst Torsten

    “Nur Zyniker bleiben, angesichts dessen, was in der Welt Sache ist, sachlich.”

    Es wird Zeit, daß die Menschen nicht mehr an den Lippen / Plattformen der Schmarotzer des Systems hängen und irgendwelche Vernunft suchen.

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