Der offizielle Blog zur Aktion DEINE STIMME GEGEN ARMUT


Pillen über Berlin: Welt-Aids-Tag 2009

Wer am 1. Dezember an den grauen Himmel über dem Berliner Hausvogteiplatz schaute, konnte dort viele rot-weiße “Pillen” durch den Regen schweben sehen. Sie kamen nicht etwa aus dem ersten Türchen des Adventskalenders, sondern wurden aus einer gleichwohl gigantischen wie verketteten Medikamentenkapsel “befreit”. Das Aktionsbündnis gegen AIDS machte mit dieser Aktion im Rahmen des Welt-AIDS-Tages auf die Problematik des Patentschutzes auf AIDS-Medikamente aufmerksam.

So trübe das Wetter auch war, so klar war die Ansage des Aktionsbündnisses: „Leben vor Pharmaprofit! Patente können tödlich sein.“ war auf den Bannern zu lesen, vor denen sich Vertreter der Pharmaunternehmen Abbott und Bristol-Myers Squibb sowie dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (VfA) auf der Bühne zu ihrer Patentpraxis befragen ließen. Große Pharmaunternehmen besitzen Patente auf AIDS-Medikamente und verhindern so, dass andere Firmen diese Produkte vermarkten. Und wo keine Konkurrenz herrscht, bestimmt der Patentinhaber den Preis und macht damit wirksame Medikamente für viele Menschen, vor allem in armen Ländern unbezahlbar. Dass es zu dieser Praxis durchaus Alternativen gibt, zeigt etwa die Idee eines “Patentpools“. Dieser sieht eine kollektive Regelung geistigen Eigentums vor und erleichtert so Dritten den Zugriff auf die jeweiligen Patente und so auch die Herstellung von preiswerten Generikamedikamenten.

Leider gingen die anwesenden Vertreter der Pharmaindustrie kaum auf die Frage nach der Machbarkeit eines solchen Patentpools ein, sondern verteidigten in ihren Stellungnahmen ihre Patentpolitik und schoben die Probleme auf andere Ursachen. Ordentlich Eindruck sollte allerdings die Übergabe der viele Meter langen Liste mit fast 30.000 Unterschriften gemacht haben, mit der die drei Pharma-Konzerne Abbott, Bristol-Myers Squibb und Gilead aufgefordert wurden, ihre Patentanträge in Indien zurückzuziehen.

Die Darbietung des “Ballett for Life” der Lis:sanga Dance Company, welche das Thema AIDS tänzerisch aufarbeitete, bildete schließlich den Abschluss der Aktion. Das aber bekamen die Pharmaindustrievertreter schon gar nicht mehr mit. Sie waren vorzeitig unter ihren “Hilton”-Schirmen wieder in der Geschäftsstelle des VfA verschwunden.

foto11foto4foto5

Eine Reaktion zu “Pillen über Berlin: Welt-Aids-Tag 2009”

  1. Onkel Piet

    Wo immer es eine Möglichkeit gibt, die allgegenwärtige Macht der Pharma”giganten” zu brechen oder zumindest einzuschränken, sollte sie jeder von uns nutzen! Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde, auch wenn sich viele nicht als reich ansehen dürften. Reichtum ist immer relativ … was jeder persönlich als Reichtum ansieht auch.

    Zumindest haben wir aber hier unsere freie Stimme, die wir erheben können gegen Unrecht und Ungerechtigkeiten – hier in Deutschland und in aller Welt. Jede einzelne Stimme ist wichtig! Denn auch der größte Strom besteht aus unendlich vielen kleinen … Tropfen.

    Einen besinnlichen Advent euch allen

Einen Kommentar schreiben