Palmen in Potsdam? Vor der Klimakonferenz in Kopenhagen

Wer kann sich ernsthaft vorstellen, dass in 40 Jahren in Berlin ein Klima wie in Nordafrika herrscht? Die Prachtstraße “Unter den Linden” hieße dann vielleicht “Unter den Palmen”. Kamele statt Touristen wiegen sich durch das Brandenburger Tor und auf der Reichstagswiese liegt man nicht mehr im saftigen Gras sondern auf Sand. Dieses Szenario ist nach Ansicht von Klimaforschern sehr wahrscheinlich – selbst dann, wenn die Staatengemeinschaft es schafft den weltweiten Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.
Kopenhagen muss der Wendepunkt sein
Damit es nicht noch schlimmer kommt, tritt die Staatengemeinschaft vom 7. bis 18. Dezember zu einem entscheidenden Treffen in Kopenhagen, der so genannten COP15, zusammen. In der dänischen Hauptstadt wird ein neues Klimaabkommen im Rahmen der Vereinten Nationen verhandelt, das weit reichende Konsequenzen haben soll. Es soll das bisher gültige Kyoto-Protokoll ersetzen, das 2012 ausläuft. Es geht um nicht weniger als eine Revolution der menschlichen Lebens- und Wirtschaftsweise, um die CO2-Emissionen bis 2050 weltweit mindestens zu halbieren. Nur so ist es möglich den Klimawandel abzubremsen und die Konsequenzen für Mensch und Umwelt im Rahmen zu halten (Foto links: Arne Hoel/ World Bank).
Die Wissenschaft ist sich einig: Soll der Klimawandel einigermaßen beherrschbar bleiben, darf die Temperatur weltweit nicht mehr als zwei Grad Celsius ansteigen. Selbst bei diesem Szenario werden die Folgen enorm sein. Wetterextreme wie Stürme, Überschwemmungen und Dürren oder eine Verschiebung von Klimazonen, die schon heute zu beobachten sind, werden stark zunehmen und die Menschheit vor enorme Herausforderungen stellen. Klar ist auch, dass die Armutsbekämpfung und damit die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG) eng mit den Veränderungen des Klimas verwoben ist. Die Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln wird in vielen Entwicklungsregionen weltweit ein noch größeres Problem werden.
Zwei Schlagworte beherrschen deshalb die Diskussionen: Vermeidung (Mitigation) des Klimawandels und Anpassung (Adaptation) an den Klimawandel.
Königsweg “kohlenstoffarme Entwicklung”
Um Klimaschutz und Armutsbekämpfung sinnvoll miteinander zu verknüpfen werden, muss die infrastrukturelle und wirtschaftliche Entwicklung in den Entwicklungsländern auf einen CO2-armen Weg geführt werden (Vermeidung oder Mitigation). Wirtschaftliche Entwicklung ist für die Armutsbekämpfung wichtig, aber nur nachhaltig, wenn dadurch nicht noch mehr Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Diese einfache Lösung ist aber schwierig umzusetzen, sie erfordert in der Praxis ein hohes Maß an politischem Willen und hohe finanzielle Mittel. Um diesen Weg einzuschlagen, brauchen die Entwicklungsländer finanzielle Unterstützung aus den reichen Nationen und Zugang zu den Technologien für erneuerbare Energien (Foto unten: Villeton/ Flickr).
Die Industrie- und in gewissem Maße auch Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien müssen eine wahre Vollbremsung vollziehen. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Länder beruht auf der rücksichtslosen Nutzung fossiler Energiequellen, vor allem Kohle, Öl und Gas. Die Kehrtwende muss in Kopenhagen eingeleitet werden, d. h. die großen Verschmutzer der Atmosphäre müssen ihren CO2-Ausstoss drastisch zurückschrauben. Die weltweite Halbierung der Emissionen bis 2050 gegenüber dem Niveau von 1990 bedeutet für die klassischen Industrieländer eine Minderung ihres CO2-Ausstosses um mindestens 80 Prozent.
Anpassung wird teuer
Die Anpassung (oder Adaptation) an die Folgen des Klimawandels ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung, insbesondere für die Entwicklungsländer und für die Erreichung der MDGs. Überall auf der Welt werden die Folgen des Klimawandels zu spüren sein, aber gerade arme Länder und ihre Bewohner haben die geringsten Mittel, sich auf diese Veränderungen einzustellen. Überschwemmungen und Regenfälle zerstören Dörfer und Felder. durch Dürren bleiben Ernten aus, Hunger ist die Folge. Millionen Menschen in Entwicklungsländern sind betroffen. Bekommen sie keine Hilfe, wird Armut und Hunger nicht verringert werden – im Gegenteil. Der Finanzbedarf für die Anpassung allein in Entwicklungsländern liegt nach Schätzungen der Weltbank bei jährlich 75 bis 100 Milliarden US-Dollar. Eine hohe Summe, aber im Vergleich zu den Summen, die zur Rettung der Weltwirtschaft aufgebracht wurden, doch eher bescheiden.
Kopenhagen muss der Wendepunkt sein. Werden die entscheidenden Fragen verschoben, wird die Zeit knapp. Der Zeitkorridor ist enorm begrenzt. Spätestens im Jahr 2020 muss der Höhepunkt der CO2-Emissionen erreicht sein, danach müssen sie sinken, und zwar rasch (Foto rechts: TheHumanitarianCoaliton.ca/ Flickr). In Kopenhagen sollte am Ende der Verhandlungen ein Abkommen stehen, welches der Herausforderung des Klimawandels und der begrenzten Zeit, die zur Verfügung steht gerecht wird. Folgende Punkte müssen geregelt werden:
- Die Staaten verpflichten sich, die CO2-Emissionen bis 2050 mindestens zu halbieren. Die Industrieländer gehen voran und legen sich fest ihre Emissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.
- Die Entwicklungs- und Schwellenländer verpflichten sich eine kohlenstoffarme Wirtschaftsentwicklung einzuschlagen.
- Den Entwicklungs- und Schwellenländern wird die entsprechende Finanzierung für a) die Entwicklung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und b) die Anpassung an den Klimawandel zugesichert.
- Für die Klimafinanzierung werden Finanzierungsmechanismen eingeführt, die vorhersehbare und langfristige Geldströme garantieren, beispielsweise durch Besteuerung des Flug- und Schiffsverkehrs. Es sind viele Modelle vorstellbar. Wichtig ist, dass hohe Summen und ein gerechtes System zur Finanzierung der Kosten gewährleistet sind.
- Das Emissionshandelssystem wird global eingeführt, denn erst wenn die Produktion von CO2 etwas kostet, gibt es den Anreiz für die Wirtschaft, erstens effizienter zu arbeiten und zweitens neue Technologien zu entwickeln. Außerdem können über ein globales Emissionshandelssystem hohe Summen zur Finanzierung des Klimaschutzes eingenommen werden.
- Der Zugang zu klimarelevanten Technologien wird global zu geringen Kosten und Hürden zur Verfügung gestellt.
Mehr zum Thema “Klimawandel” und der COP15-Konferenz beim Bündnis “Die Klima-Allianz”. Dieser Artikel ist der Beitrag von “Deine Stimme gegen Armut” zum Blog Action Day 2009.




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Am 9. Oktober 2010 um 09:03 Uhr
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