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Leben lebensgefährlich: Afrika bleibt MDG-Schlusslicht

Cover UN MDG Report 2009Die gute Nachricht lautet: es gehen weltweit immer mehr Kinder zur Schule und auch Mädchen und Frauen haben besseren Zugang zu Bildung. Dennoch sind weiterhin zu viele Menschen auf der Erde arm, krank und hungrig, vor allem in Afrika südlich der Sahara (Subsahara-Afrika). Aber auch in Südasien, dem zweiten Armenhaus der Welt, geht die Armutsbekämpfung schleppend voran.

Das ist der Tenor des “MDG Reports 2009″, den der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, am Montag vorgestellt hat (PDF). Der Bericht analysiert die Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG), also jener acht Ziele, mit denen u. a. bis 2015 die extreme Armut halbiert werden soll.

Die Grundlage des Berichts sind Daten, die vor dem Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise erhoben worden sind und die schweren Auswirkungen dieser Krise auf die Entwicklungsländer noch gar nicht widerspiegeln. Der Bericht deutet jedoch an, welche dramatischen Folgen die Krise haben wird: Die Zahl der Armen steigt dieses Jahr voraussichtlich um 55 bis 90 Mil., über eine Milliarde Menschen sind unterernährt und hungern.

Bäuerin in Indien (Foto: Worldbank/ Ray Witlin)Glas halb voll oder halb leer?

Vor der Krise war die Weltgemein- schaft insgesamt auf einem guten Weg. Die Zahlen bei der Reduzier- ung der Armut sahen gar nicht so schlecht aus. So hat sich der Anteil der Menschen, die in absoluter Armut überleben müssen zwischen 1990 und 2005 von 42 auf 25 Prozent verringert. Das Ziel, extreme Armut in den Entwickl- ungsländern bis 2015 zu halbieren (MDG 1),  schien in greifbarer Nähe, auch wenn immer noch jeder Vierte extrem arm ist. Als “extrem arm” gilt, wer weniger als 1,25 US-Dollar am Tag zur Verfügung hat.

Schaut man etwas genauer hin, dann ergeben sich gewaltige regionale Unterschiede bei der Armutsreduzierung. Den größten Erfolg bei der Armutsbekämpfung gab es in den Entwicklungsländern Ostasiens, wozu auch China gehört. Dort konnte die Armutsrate zwischen 1990 und 2005 von 60 auf 16 Prozent gesenkt werden. Ganz anders sieht das Bild in Subsahara-Afrika aus, wo sich der Anteil der Armen im gleichen Zeitraum nur von 57 auf 51 Prozent reduzierte und es schwer fällt sich vorzustellen, wie diese Rate in nur 5 Jahren auf 28,5 Prozent sinken soll. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise muss man sogar davon ausgehen, dass sie eher wieder auf den Wert von 1990 ansteigt.

Eine Milliarde Menschen hungert

Ähnlich ungünstig steht es um das Ziel, mehr Menschen von Unterernährung und Hunger zu befreien (MDG 1). Bis 2015 soll der Anteil der Menschen, die hungern, halbiert werden. Ausgangsjahr ist auch bei diesem Ziel das Jahr 1990. In Subsahara-Afrika und in Südasien verringerte sich dieser Anteil bis jetzt um gerade einmal drei Prozent. Dort haben immer noch 29 bzw. 22 Prozent der Bevölkerung nicht genug zu essen. Die Zahlen werden vermutlich in diesem Jahr wieder steigen. Erst vor wenigen Wochen sind die Vereinten Nationen mit einer schockierenden Zahl an die Weltöffentlichkeit gegangen: Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit leiden an Hunger und Unterernährung.

Eine Geburt ist lebensgefährlich

Völlig unzureichend bleibt die Verbesserung der Gesundheit von Müttern (MDG 5). Die Zahl der Frauen, die während oder kurz nach einer Geburt sterben ist in den Entwickungsländern dramatisch hoch und hat sich seit 1990 kaum verändert. Eine Geburt in Subsahara-Afrika ist lebensgefährlich: Bei 100.000 Geburten sterben 900 Frauen (1990: 920), in Deutschland, zum Vergleich, sind es weniger als fünf.

Mutter und Kind beim Arzt in Bbowa, Uganda (Foto: Paul Evans, RG&B, Flickr)Um zwei Drittel soll bis zum Jahr 2015 die Zahl der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren gesenkt werden. So zynisch das klingt, die Sterberate soll auf 34 Fälle pro 1000 Kinder reduziert werden. Doch bei der Kindersterblichkeit (MDG 4) ist man weit davon entfernt, das angestrebte Ziel zu erreichen: aktuell erleben 74 von 1000 Kindern in den Entwicklungsländern nicht ihren fünften Geburtstag (2007; Foto: Paul Evans, RG&B/ Flickr).

Es ist eine kaum vorstellbare Zahl, aber doch wahr: 33 Millionen Menschen sind weltweit mit HIV infiziert. Auch wahr ist, dass zwei von drei Infizierten, also 22 Millionen, in Subsahara-Afrika leben. Das Ziel der internationalen Staatengemeinschaft, bis 2015 die Ausbreitung von HIV/Aids zu stoppen (MDG 6), scheint zwar zu klappen. Seit 1996 infizieren sich jedes Jahr weniger Menschen, auch wenn es 2007 immer noch 2,7 Millionen Neuinfektionen gab. Doch wer kümmert sich um die vielen infizierten Menschen, die Betreuung, Pflege und medizinische Versorgung brauchen? Bis 2010, also nächstes Jahr, so hatte man sich auf die Fahnen geschrieben, sollten allen bedürftigen HIV-infizierten Menschen Zugang zu medizinischer Behandlung erhalten. Davon ist man weit entfernt. 2007 hatten nur drei von zehn Bedürftigen Zugang zu Medikamenten (69 Prozent hatten keinen).

Haben sie den Schuß gehört?

Angesichts dieser dramatischen Zahlen, die pünktlich im Vorfeld des G8-Gipfels in Italien präsentiert wurden, fragt man sich, ob denn nun die reichen Staaten den Schuss gehört haben. Das Abschlussdokument des Gipfels bezeugt keine Neuerung im Vergleich zu vergangenen G8-Erklärungen. Wieder einmal wird der Welt erklärt, dass sich die G8 selbstverständlich verpflichtet fühlen, die MDG umzusetzen und ihre Zusagen zur Entwicklungsfinanzierung einzuhalten.

G8-Gipfel 2009 in Italien (Foto: G8website/ Ansa photo by Ciro Fusco)Was aber nicht passiert, ist eine kritische Bestandsaufnahme ihrer gesamten Entwicklungshilfe. 50 Milliarden US-Dollar mehr wollten die Geberländer 2010 im Vergleich zum Jahr 2004 ausgeben. Einen Plan, wie die G8-Staaten ihr Versprechen bis zum nächsten Jahr einlösen wollen, legen sie mal wieder nicht vor.

Die europäischen G8-Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien) haben sich zu diesem Zweck klare Finanzierungsziele gesetzt: 0,51 Prozent ihrer Wirtschaftskraft (Bruttonationaleinkommen, BNE) wollen sie 2010 für die Entwicklungsfinanzierung zur Verfügung zu stellen.

Deutschlands Quote lag 2008 bei 0,38 Prozent, dieses Jahr wird sie voraussichtlich auf 0,41 Prozent ansteigen. Im Haushaltsentwurf für 2010 hat die Bundesregierung gerade einmal 23 Millionen Euro mehr für das Entwicklungsministerium eingeplant. Für 0,51 Prozent wird das nicht reichen. In Italien ist die Situation noch düsterer. Das G8-Gastgeberland Italien hat seine Entwicklungsgelder sogar drastisch zusammengestrichen.

2 Reaktionen zu “Leben lebensgefährlich: Afrika bleibt MDG-Schlusslicht”

  1. Andreas Ehrholdt

    Hallo, ich fand den Millienniumsplan der UN anfangs gut. Das hat sich geändert. Warum, weil es ums verteilen von Geld geht. Nur haben die Verteiler keine Lust dieses zu verteilen. Wie auch? Kassenhäuschen? Bankschalter? die meisten der Menschen wissen gar nicht wecher Wert die Scheine haben, oder die Münzen haben. Deren Unterschriften, in der Mehrheit 3 Kreuze, würden sich beliebig oft und leicht nachmachen lassen. Ich denke mir, und nicht nur ich, dass von der UN Geld gesammelt wird, für ihr Projekt, es aber nicht den hungernden zu Gute kommt, sondern denen, die versprechen den Hunger zu beseitigen. Gemeinsam mit meinem Freund Michael Gatzke habe ich ein Buch über das Thema geschrieben, der Arbeitstitel: den alten Millenniumsplan oder doch lieber einen neuen RGW, und vielleicht finden wir einen Verlag. Es sind etwa 150 Seiten auf denen jeder nachlesen kann wie wir uns die soziale Gerechtigkeit vorstellen, und diese Weltweit, was dann hieße keine existenzielle Bedrohung durch Hunger oder Krankheiten, die durch Armut entstehen.
    Vielleicht stellen wir auf meiner Webseite, die in Kürze aktualisiert wird, eine Leseprobe ein. Das überlegen wir uns noch, weil es ein komplexes Thema ist und es durch Auszüge unverständlich wirken könnte.

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