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London läuft sich warm: G20 & Financial Fools Day

Ole SeidenbergDer Blogger Ole Seidenberg ist für “Deine Stimme gegen Armut” in London und berichtet live vom G20-Gipfel. Der Student aus Hamburg bloggt sonst auf Socialblogger.de.  Folge Ole bei Twitter.

London – Es ist der erste April, aber keinem hier ist wirklich zum Spaßen zu Mute. Von “G20-Meltdown” über “Financial Foolsday” bis hin zum “ClimateCamp” und dem “Alternative G20 Summit” gab es in London heute so einiges an Veranstaltungen rund um den morgen stattfindenden G20-Gipfel zu bestaunen.

Die Formate der ausgetragenen Events standen dabei der Vielfalt der Namensgebung in nichts nach: Zwischen wildem Freestyle-Camping inmitten der Hochhaus-Schluchten und dem Werfen von Farbbeuteln auf Polizisten vor der Bank of England war alles erlaubt – oder besser: Durchaus gern gesehen.

Während ich als einer der “offiziellen” G20Voice Blogger in der alterwürdigen Methodist Conference Hall gleich neben Westminster Abbey ein stundenlanges, wenngleich auch sehr interessantes Briefing über mich habe ergehben lassen, ergossen sich andernorts Farben, Wasser und reichhaltige Fluten an Schimpfwörtern über Banker, Polizisten und Politiker.

Barack Obama ist derweil schon anwesend – und hat sein erstes offizielles Treffen mit Gordon Brown in der Downing Street absolviert. “We’ll do whatever it takes”, ließ er verlautbaren. Was er damit meinte, war die Rettung des stark lädierten Finanzsystem bzw. unserer Volkswirtschaften.

Was hingegen notwendig wäre, um nicht nur die Wirtschaft unserer Nationen (und damit meine ich die “westliche Hemisphäre” bzw. den oft zitierten “Norden”) wieder auf T’rab zu bringen, sondern für ein nachhaltig gerechtes Wirtschafts- und Handelssystem zu sorgen: Diese Frage diskutierten auch wir Blogger im Briefing für die 50 angereisten A-Blogger aus aller Herren Länder.

So hieß es von den afrikanischen und latein-amerikanischen Kollegen beispielsweise, dass die reine Re-Vitalisierung und Anheizung des bisherigen Wirtschaftssystems wenig bewirken würde, wenn denn die entsprechend großen Sumen in dieselben alten Schläuche gepumpt würden, die eigentlich erst zur Fianzkrise geführt haben. Durchaus ein nachvollziehbarer Gedankengang. Schon Albert Einstein hat seinerzeit erkannt: Probleme lassen sich selten mit denselben Ansätzen lösen, durch die sie geschaffen wurden.

Was heißt das also übertragen auf die derzeitige Lage unserer Volkswirtschaften? Well, I guess: Weitere Finanzmittel in unregulierte Märkte zu pumpen, in denen Hedgefonds und undurchsichtige Derivate freies Spiel haben und zu kaum nachvollziehbaren Fehlkonstruktionen führen, wird uns kaum vor weiteren Krisen dieser Art bewaren.

Mit anderen Worten: Wenn wir die jetztige Krise nicht zu einer Umkehr unserer Denk- und Herangehensweise an menschengemachte Probleme nutzen, vergeben wir womöglich einer der größten Chancen unseres Jahrhunderts. Denn: Auch Armut und Klimawandel sind mehr als ein  nur finanzielles Problem. Geldscheine lassen sich drucken – da steht uns Zimbabwe in nichts nach. Lösungen für menschliches Leid jedoch sind nicht auf Knopfdruck zu haben. Sie erfordern normative Entscheidungen, die auf Werten basieren.

Kurzum: Wenn Barack Obama morgen mit seinen europäischen Counterparts, sowie den “wichtigsten” Schwellenländern zusammentriff, dann geht es um weit mehr, als um das lustige Jonglieren von Zahlen im nächsten Weltbank-Bericht. Es geht um unser aller Zukunft. Es geht darum, sich für eine grüne und nachhaltige Wirtschaftsordnung zu entscheiden, in der nicht die Maximierung des Profits in Zahlen, sondern die Maximierung menschlichen Wohlergehens incl. aller Beteiligten an vorderster Stelle steht.

Wenn wir von Märkten sprechen, so mögen wir auf kurze Sicht behaupten, dass sich das Aufhalten des Klimawandels und die damit verbunden Investitionen und Produkterzeugnisse nicht “lohnen” würden, denn von heute auf morgen betrachtet tut es keinem weh, seine 12 Liter Sprit in einem SUV zu verbrauchen, der nunmal ein seichtes Gefühl von Überlegenheit vermittelt.

Wenn wir jedoch langfristig über Angebot und Nachfrage nachdenken und das beliebte Schwarz/Weiß-Denken zwischen Kapitalismus und anderen Systemen einmal außen vor lassen, ist jedem klar: In einer vier bis fünf Grad wärmeren Welt mit noch mehr Klimaflüchtlingen auf Gran Canaria, Fluten in New York und so viel Arbeitslosen wie heute – in einer solchen Welt will keiner von uns leben.

Wohin es geht: Diese Entscheidungen wollen hier vor Ort weder die gelandenen Blogger, noch die Menschen auf der Straße den wenigen Eliten im eingezäunten G20-Gelände überlassen. Die Demos werden deshalb weitergehen.

Und mit ein bißchen Feingefühl und Glück wird sich möglicherweise ein über den Protest hinaus gehendes Bewusstsein etablieren, dass sowohl Kimaschutz, als auch die Investitionen in das “richtige” und “nachhaltige”, sowie “fair getradete” Produkt von uns abhängen.

Denn nur, wenn wir darauf Wert legen, können wir für die von uns gewählten politischen Figuren sowohl Vorbild als auch Beginn von Veränderung sein. Veränderung, die über Farbklekse und Tränen durch Wasserwerfer hinaus geht. Veränderung, die bleibt.

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