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Kasse machen

Hast Du Dir mal Gedanken darüber gemacht, wie Supermärkte Klamotten so günstig anbieten können und trotzdem noch daran verdienen? Discounter wie Aldi, Lidl, Carrefour, Tesco und Walmart machen im Textilverkauf große Gewinne, während die Arbeiter in den Produktionsländern Hungerlöhne erhalten. Obwohl sie Arbeit haben, rutschen sie immer tiefer in die Armut.

Die Handelskonzerne werben damit, dass internationale Arbeitsstandards eingehalten werden, doch für die Hersteller und Produzenten ist das de facto selten möglich. Schuld sind die Marktmacht und die Einkaufspraktiken von Lidl & Co. Das ist das Fazit des aktuellen BerichtsKasse machen: Einzelhandelsgiganten, Einkaufspraktiken und Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie”, den die Kampagne für Saubere Bekleidung (Clean Clothes Campaign) veröffentlicht hat. Der Bericht gibt einen Einblick in die katastrophalen und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie in Indien, Bangladesch, Sri Lanka und Thailand. Die Discounter erhöhen den Druck auf ihre Zulieferbetriebe in diesen Ländern zunehmend.

Foto: International Labor Rights Forum„Oft werden Aufträge kurzfristig so verändert, dass wir zum abgesprochenen Termin nicht liefern können. Damit wir nicht auf der produzierten Ware sitzen bleiben, müssen wir sie zu Dumpingpreisen abgeben oder sogar für die teure Luftcargo aufkommen. Sie sind die großen Käufer, oder? Wir sind auf sie angewiesen“, so drückt es ein Walmart-Zulieferer aus Indien in dem Bericht aus. Es soll schneller geliefert und billiger produziert werden. Dies führt zu schweren Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen. Löhne unterhalb des Existenzminimums, zunehmender Einsatz von Zeitverträgen, Unterdrückung von Gewerkschaften, exzessive Überstunden und Frauendiskriminierung sind die alltäglichen Probleme der Textilarbeiter (Foto: International Labor Rights Forum).

Schild in einer Textilfabrik auf den Philippinen (Foto: International Labor Rights Forum)

„Es ist hart. Wir leben wie Gefangene,“ sagt eine junge Näherin in Bangladesch den Autoren des CCC-Berichts. „Unbezahlte Überstunden sind normal. Der Lohn ist so niedrig, dass er nicht ausreicht, um meine Familie zu ernähren.“ Dieses Problem kennt auch eine indische Frau, die T-Shirt für Carrefour näht: „Wir müssen von 9h morgens bis ein Uhr nachts arbeiten. Ein full-time job und das 30 Tage im Monat.”

Das internationale Netzwerk Clean Clothes Campaign (CCC) von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen und setzt sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der globalen Bekleidungsindustrie ein. Es ist in 12 europäischen Ländern aktiv und umfasst weltweit 250 Basisorganisationen. In Deutschland wird CCC auch von Organisationen getragen, die “Deine Stimme gegen Armut” unterstützen, zum Beispiel BDKJ, EIRENE, INKOTA, Netz Bangladesch, Südwind und terre des femmes. Der Bericht markiert den Startschuss für die Kampagne „Better Bargainâ€? vorgesehen. In diesem Sinne: Augen auf beim Kleiderkauf!

2 Reaktionen zu “Kasse machen”

  1. Basti Schwiecker

    Prinzipiell stimme ich dem Artikel natürlich zu, nur dem Satz “Obwohl sie Arbeit haben, rutschen sie immer tiefer in die Armut.” will ich widersprechen und ein ein Beispiel aus eigener Erfahrung anführen:

    In Bangladesch war ich auch in Textilfabriken in denen oft junge Frauen/Mädchen für weniger als 2€ am Tag sehr hart arbeiten mussten. Auf die Frage hin, was sie von ihrem Job halten, bekam ich sehr glaubwürdig versichert, dass man sich extrem glücklich schätze diese Arbeit gefunden zu haben. Die Alternative sei daheim auf dem Land Hunger zu leiden…

    Das problem sind also meiner Meinung nach weniger die scheinbar schlechten Löhne, sondern die gefährlichen Arbeistbedingungen, Unsicherheiten ob Löhne überhaupt gezahlt werden, Menschenrechtsverletzungen durch Vorgesetzte…

  2. Garti

    Guten Tag,

    ich stimme auch dem Artikel von Basti. Ich habe auch sehr viele Berichte gelesen (und gesehen) wo über die katastrophalen Bedingungen berichtet wird. Ein gutes Beispiel ist das Mega Unternehmen H&M. Natürlich bekommen diese Menschen einen Hungerlohn aber wer profitiert denn letzendlich davon? Sind nicht wir Europäer die Leute, die GENAU diese Klamotten kaufen. Wieso ist uns in dem Augenblick egal woher diese Klamotten kommen? Ganz einfach … wären diese Produkte MADE IN GERMANY dann müssten wir einen verdammt hohen Preis zahlen. Da wir aber nicht bereit sind für einen Pulli oder eine Hose 100 € zu bezahlen vergessen wir für einen Augenblick “kleine Kinderhände” und sind froh über ein “Schnäppchen” welches wir ergattern konnten. (sind ja auch noch richtig stolz drauf obwohl H&M immer noch seine 500 % verdient) Wir sind die jenigen, die solche Unternehmen quasi “antreiben”. Ausserdem sind die “Vorarbeiter” natürlich sehr hart zu den Arbeitern, weil diese Produktions-Deadlines haben. Werden diese nicht eingehalten werden solche “Leute” durch andere ersetzt, die vielleicht noch härter sind. Das ist ein verdammter Teufelskreis …. ich denke wir können dagegen leider fast garnichts machen …..

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