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Experten: Wirtschaftskrise trifft arme Länder hart

Bankenpleiten, Kurzarbeit, Konjunkturpaket. Diese Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise beherrschen die Nachrichten in Deutschland. Wie die armen Länder von der Krise betroffen sind,  in die sie ohne eigenes Verschulden hineingezogen werden, wollte gestern der Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (AwZ) im Bundestag wissen.

Die Abgeordneten hatten Experten eingeladen, um deren Einschätzungen über Folgen und Auswege zu hören. Die Sachverständigen waren sich einig, dass die globale Finanzkrise schwerwiegende negative Auswirkungen auf Schwellen- und Entwicklungsländer haben wird, deren Umfang zurzeit noch nicht absehbar ist.

Peter Wolff vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), das die Bundesregierung berät, geht von einer Halbierung des Wirtschaftswachstums von Entwicklungsländern im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr aus. Er wies vor allem darauf hin, dass es für arme Länder schwieriger werde, auf den internationalen Finanzmärkten Kredite aufzunehmen und eigene Produkte auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Das trifft vor allem Länder, die Rohstoffe exportierten – und das ist für viele Länder die Haupteinnahmequelle. Neben der zurückgehende Exportnachfrage, wird vielen armen Ländern das Ausbleiben ausländischer Investitionen und sinkende Überweisungen von Arbeitsmigranten zu schaffen machen (Foto: Deutscher Bundestag/ Lichtblick/ Achim Melde).

Wolfgang Kroh von der staatlichen Entwicklungsbank KfW sieht die Entwicklungspolitik in der Verantwortung, jetzt für notwendige wirtschaftliche und soziale Investitionen “einzuspringen”.

Der Chefökonom der Afrikanische Entwicklungsbank, Louis Kasekende, hob wie Wolff die sinkenden Weltmarktpreise etwa für Öl, Kaffee oder Diamanten hervor. Auch der vielerorts starke Rückgang des Tourismus und die Verschiebung von Investitionen führten zu erheblichen Arbeitsplatzverlusten in armen Ländern.

Yash Tandon, Direktor des Think Tanks “South Centre” sieht die wichtigste Krisenursache in der Dominanz der Bank- und Finanzgeschäfte gegenüber der Produktion und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Entwicklungsländer müssten sich bei der Bewältigung der Krise auf ihre eigene Stärke besinnen und beispielsweise regionale Banken aufbauen.

Globalisierungskritiker Peter Wahl von der Nichtregierungsorganisation WEED forderte, eine stärkere Beteilung der armen Länder bei der Suche nach Konzepten aus der Krise, zum Bespiel durch eine Erweiterung des G20-Runde, die im April in London tagt. Kurzfristig wären nach Ansicht Wahls Maßnahmen gegen Steuerflucht schnell umsetzbar.

3 Reaktionen zu “Experten: Wirtschaftskrise trifft arme Länder hart”

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