Der offizielle Blog zur Aktion DEINE STIMME GEGEN ARMUT


Börsen beruhigt, Banken gerettet. War sonst noch was?

Die Regierungen brauchen ein Wochenende, um das Finanzsystem zu retten. Gegen Hunger, AIDS und Armut ist in den letzten acht Jahren seit der Verabschiedung der Millenniumentwicklungsziele (MDG) nicht viel passiert. Dies hier ist unser Beitrag zum internationalen Blog Action Day.

1.400 Milliarden US-Dollar werden durch die aktuelle Finanzkrise vernichtet, schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF). Ein Zwanzigstel, also fünf Prozent, dieser Summe zusätzlich pro Jahr würde ausreichen, damit ganz Afrika bis zum Jahr 2015 Armut und Hunger halbieren, allen Menschen eine Schulbildung ermöglichen und Aids, Malaria und Tuberkulose bekämpfen könnte – laut UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wären 72 Milliarden US-Dollar nötig.

Rezepte, wie das gemacht werden kann, gibt es zu genüge. Was fehlt, ist allein der politische Wille. Am Geldmangel kann es nicht liegen: 500 Milliarden Euro (fast 700 Milliarden US-Dollar) stellt die Bundesregierung zur Rettung der deutschen Banken bereit. Damit könnte Afrikas Kampf gegen Armut zehn Jahre lang unterstützt werden. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul fordert in der FTD dementsprechend Lösungen mit Entwicklungsperspektiven: “Nach den Märkten müssen endlich auch das Recht und der Schutz der Menschen globalisiert werden. Dies bedarf klarer und verbindlicher internationaler Regelwerke. Nur so können wir verhindern, dass die Welt in wenigen Jahren wieder feststellen muss: Es ist zu viel schiefgegangen.”

Die globale Armutskrise ist anders als die Finanzkrise eine schleichende Krise, die aber nicht minder dramatisch ist für die Betroffenen. 923 Millionen Menschen hungern in diesen Tagen, 33 Länder sind akut von Hungerkrisen bedroht. “Im Gegensatz zu den Banken sind sie nicht selbst schuld an ihrer Misere,” sagte Ingeborg Schäuble gestern bei der Vorstellung des Welthunger-Index der Deutschen Welthungerhilfe.

Die Ursachen für den zunehmenden Hunger und den Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind vielfältig. “Man sollte meinen, dass auch die Millionen Kleinbauern in den armen Ländern vom jüngsten Anstieg der Nahrungsmittelpreise profitieren”, sagt Handelsexpertin Marita Wiggerthale von der Hilfsorganisation Oxfam. Doch der rasante Anstieg der Lebensmittelpreise nütze vielmehr wenigen internationalen Lebensmittelkonzernen und Supermarktketten. Dies geht aus der Oxfam-Studie Double Edged Prices hervor, die am 16. Oktober, dem Welternährungstag, veröffentlicht wird.

Das katholische Hilfswerk Misereor und die Heinrich-Böll-Stiftung sehen eine zentrale Ursache für die weltweit gestiegenen Nahrungsmittelpreise in den Spekulationen an den Weltbörsen, deren Aktivitäten besser reguliert werden müssen.

Die evangelische Hilfsaktion “Brot für die Welt” und die Entwicklungsorganisation Germanwatch fordern in ihrer Studie “Ist Essen bald Luxus” wesentlich mehr Mittel zur Förderung des ländlichen Raums in Entwicklungsländern.

3 Reaktionen zu “Börsen beruhigt, Banken gerettet. War sonst noch was?”

  1. Tressco

    Aufgemerkt…

    …nur noch dieses Wissen verbreiten und wir können neben dem Genuss viel ruhigeren Schlafes nun endlich auch wieder unseren Kindern und Enkelkindern in die Augen schauen…!!!

    – ZEITGEIST ADDENDUM -

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