Die Wirklichkeit der Entwicklungshilfe: Zu wenig Geld, zu ineffizient, zu undemokratisch
Der neue internationale Bericht The Reality of Aid 2008 stellt den Geberländern kein gutes Zeugnis aus: Zieht man Schuldenerlasse und die Ausgaben für ausländische Studierende und Flüchtlinge in den reichen Ländern ab, dann ist die weltweite Entwicklungshilfe seit 2005 stagniert. Auf dem niedrigen Niveau von 0,22% ihres Nationaleinkommens und damit entgegen aller Zusagen, sie schrittweise auf 0,7% zu steigern, wie es für die Erreichung der Millenniumsziele nötig wäre.
Die Autoren, Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen aller Weltregionen, kritisieren auch, dass die Mittel immer noch zu wenig auf die Armutsbekämpfung konzentriert sind. Stattdessen spielen außenpolitische und geostrategische Interessen der Geberländer weiterhin eine große Rolle, und immer noch bevorzugen viele Geber Unternehmen und Agenturen aus ihren Ländern bei der Auftragsvergabe. Das macht die Entwicklungshilfe weniger effizient und verhindert, dass die Mittel wirksamer zur Armutsbekämpfung eingesetzt werden können.
Gleichzeitig untergräbt die Entwicklungshilfe häufig auch die Demokratie in Entwicklungsländern. Obwohl man sich, beispielsweise in der Pariser Erklärung, dazu verpflichtet hat, die Eigenverantwortung der Entwicklungsländer zu stärken, wollen viele Geberländer weiterhin selbst entscheiden, für welche Zwecke die Mittel eingesetzt werden, statt dieses den Regierungen und Parlamenten der Entwicklungsländer zu überlassen. Nicht selten kommt es auch vor, dass Entwicklungshilfe als Druckmittel missbraucht wird, um armen Ländern politische Reformen aufzuzwingen, die von ihren eigenen Bürgen nicht gewollt sind. Hier stehen ganz besonders die internationalen Finanzinstitutionen IWF und Weltbank in der Kritik.


Am 24. Oktober 2008 um 09:36 Uhr
Es geht auch anders. Ohne Millionen, IWF und Weltbank. Effizient und demokratisch. Wie Hilfe zur Selbsthilfe aussehen kann, zeigt “Arbeit und Dritte Welt”. Der Verein arbeitet Sachspenden in eigenen Werkstätten auf und bietet Arbeitslosen so qualififizierende Arbeitsgelegenheiten. Die Werkzeuge und Maschinen stellt er Projekten vor Ort zur Verfügung. Transportlogistik inklusive.