Hunger durch Biosprit? Finanzinstitutionen diskutieren Lebensmittelpreise
“Sieben verlorene Jahre” im Kampf gegen Armut könnte der aktuelle Anstieg der Lebensmittelpreise bedeuten. So äußerte sich Weltbank-Präsident Robert Zoellick zum Abschluss der Frühjahrstagung der globalen Finanzinstitutionen Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) in Washington. Die WELT berichtet von Preissteigerungen bei Reis und Weizen um 75 bzw. 120 Prozent in den letzten zwei Monaten. In zahlreichen armen Ländern kommt es derzeit zu sozialen Spannungen und Plünderungen, weil Grundnahrungsmittel unbezahlbar werden. In Haiti wurde nach Unruhen die Regierung abgesetzt.
Einer der wichtigsten Gründe für den Preisanstieg ist Produktion von Agro-Kraftstoffen, die die Lebensmittelproduktion verdrängt. “Während viele Menschen sich Sorgen machen, wie sie ihre Benzintanks füllen, kämpfen viele andere darum, ihre Mägen zu füllen, was jeden Tag schwieriger wird”, so Zoellick. Weitere Gründe sind die verstärkte Nachfrage aus aufstrebenden Ländern wie China sowie Missernten nach Dürren und Überschwemmungen.
Eigentlich könnten die steigenden Preise eine gute Nachricht sein für viele Entwicklungsländer, deren Wirtschaft von der Landwirtschaft lebt. Doch, so erläutert die FAZ, tatsächlich profitieren nur einzelne Produzentenländer wie Brasilien oder Argentinien. 75 Prozent aller Entwicklungsländer kaufen mehr Lebensmittel ein als sie exportieren und leiden deshalb. Dazu kommt, dass das Welthandelssystem arme Länder benachteiligt. Die Verantwortung dafür tragen die Industrieländer. “Sie haben mit Einfuhrzöllen und anderen protektionistischen Maßnahmen die armen Länder entmutigt, produktive Agrarsektoren zu entwickeln”, zitiert die FAZ Joachim von Braun vom International Food Policy Research Institute.
“Hier muss gegengesteuert werden!” sagte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul vor ihrer Abreise zum IWF/Weltbank-Treffen nach Washington, wo Weltbank-Chef Zoellick einen “New Deal on Global Food Policyâ€? und 500 Millionen US-Dollar als Soforthilfe für das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen forderte. Der gemeinsame Entwicklungsausschuss von IWF und Weltbank rief die Industrieländer in seiner Erklärung vom Sonntag dazu auf, die Unterstützung für die ärmsten Länder zu erhöhen. Das Jahr 2008 sei ein “entscheidendes Jahr” zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG).
Selbst Spiegel Online, nicht gerade als Befürworter von Entwicklungspolitik aufgefallen, kommentiert einen Brief des britischen Premierministers Gordon Brown an seinen japanischen Kollegen Fukuda wohlwollend: “Nötig wär’s” heißt es zu Browns Vorschlag, die internationale Gemeinschaft sollte sich um “eine vollständig koordinierte Antwort” auf den Hunger bemühen. In Japan findet im Juli das Treffen der wichtigsten Industriestaaten (“G8″) statt.
Erfreulich, dass sich mal wieder alle einig sind, dass dringend etwas geschehen muss. Gleichzeitig ist es ein Hohn für die weltweit über 850 Millionen hungernden Menschen, dass die reichen Länder ihre eigenen Versprechen nicht einhalten und in den letzten Jahren immer weniger Entwicklungshilfe bereitstellten.


Am 9. Juni 2008 um 21:27 Uhr
hallo mein name ist sebastian ich bin 15 jahre und habe gestern abend am 8.6.2008 spiegel tv geguckt was mich über amerika und die anderen industrienationen aufgeklärt hat wie z.B. dass mann für die ethanol füllung eines amerikanischen autos 200 Kg Mais braucht was etwa 1jahr nahrung für einen menschen in der 3Welt versprechen würde. Mehrere Milliarden menschen werden in den nächsten paar monaten warscheinlich davon betroffen sein. ich werde demonstrationen organisieren flugblätter verteilen ich melde mich
Am 9. September 2008 um 14:50 Uhr
Hallo
Mittlerweile existiert ein breiter Konsens darüber, daß Biosprit nicht der Klimaretter werden kann. Trotzdem will die EU die Beimischungsquoten für Biosprit weiter erhöhen. Dagegen kann etwas getan werden: Das INKOTA-netzwerk hat eine Kampagne gestartet um die Beimischungsqouten zu stoppen. Auf der Website http://www.inkota.de/agrosprit/ kann man sich jetzt auch online mit wenigen Klicks an der Protestaktion beteiligen.
Weiterhin besteht hier die Möglichkeit Kritik und Anregungen zu äußern. Gerne schicken wir auch weitere Infomaterialien.
Viele Grüße
Frank Anders