Entwicklungshilfe – mehr Schein als Sein
Terre des hommes und die Welthungerhilfe fordern in ihrem 15. Bericht zur Wirklichkeit der Entwicklungshilfe eine Steigerung der Entwicklungshilfeleistungen bis 2010. Der am 8. November in Berlin veröffentlichte Bericht kritisiert die derzeitige Verteilung und Berechnung der Entwicklungshilfe.Für die direkte Hilfe, die unter anderem für Wasserversorgung, Gesundheitsschutz und Bildung ausgeben wird, stehen nicht genügend Gelder zur Verfügung. In die ärmsten Länder fließe weniger als die Hälfte der Hilfsgelder. Ein Großteil der Gelder wird für die wirtschaftliche Förderung in Indien und China verwendet. So ist es auch nicht verwunderlich, dass unter den „Top 10“ Empfängern der Hilfe die Schwellenländern Indien und China auf Platz zwei und drei stehen. Ein afrikanisches Land südlich der Sahara steht nicht auf einem der vorderen 10 Plätzen.
Des Weiteren wird die Berechnung der Entwicklungshilfeleistungen kritisiert. So werden rund 2,7 Millarden Euro Schuldenerlass in die Statistiken miteingerechnet, obwohl sie überhaupt nicht für soziale Projekte zur Verfügung stehen. Hans-Joachim Preuß, der Generalsekretär der Welthungerhilfe, bemängelt: „Dieses Geld gibt es einfach nicht“. Da viele Länder ihre Schulden einfach nicht zurückzahlen können, werden so auch keine neuen Gelder mobilisiert. Auch die Kosten, die für ausländische Studierende anfallen, dürfe man nicht zu den offiziellen Zahlen zählen, so der Bericht. Demnach liegt die wirkliche Entwicklungshilfe, die 2006 offiziell bei 8,2 Milliarden Euro lag, rund 35 % unter diesen Zahlen.
Terre des hommes und die Welthungerhilfe fordern die Regierung auf einen nationalen Stufenplan zu entwickeln und die Hilfe bis 2010 drastisch zu erhöhen, um das EU Ziel von 0,7% des BIP für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen, einzuhalten.
„Auch beim G8-Gipfel in Heiligendamm wurde mit großen Summen hantiert, die mehr Schein als Sein darstellten“, so Hans Joachim Preuß weiter. 60 Milliarden US Dollar wurden für die Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose zugesagt, aber exakte Angaben wann und über welchen Zeitraum die ärmsten Länder mit der Hilfe rechnen können, fehlen bis heute.
In einer Presseerklärung weist die Entwicklungsministerin Heide Marie Wieczorek-Zeul viele Kritikpunkte des Berichtes zurück. Zur Berechnung der Zahlen erwiderte sie, dass die Zahlen nach offiziellen und internationalen geltenden OECD Richtlinien berechnet werden. Sie betont, dass die Hilfe für den Kampf gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria von 100 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro jährlich erhöht wurde. Auch sieht sie die Entschuldung als Mittel der Entwicklungshilfe, da sie nachweislich dazu geführt hat, dass mehr Gelder für Soziales ausgegeben wurden.



Am 14. November 2007 um 20:38 Uhr
scheint so.
Am 24. November 2007 um 16:47 Uhr
Amateure hoffen. Profis handeln. (Amateurs hope. Professionals work.)
Zitat von Garson Kanin, amerik. Dramatiker
Am 1. Januar 2008 um 12:50 Uhr
Der Artikel und auch der Bericht tragen sicherlich zur Transparenz und zum besseren Verständnis über das Ungleichgewicht bei der Entwicklungshilfe bei. Nicht vergessen sollte man allerdings in diesem Zusammenhang, dass die Hilfe zur Sebsthilfe nicht ausschliesslich und primär davon abhängt, wieviel Geld den deutschen Entwicklungshilfeorganisationen von der Regierung bereitgestellt wird, da dies sowieso in der Regel nur zu einem kleinen Teil bei den wirklich Bedürftigen ankommt. Geld wird die Probleme Afrikas nicht lösen, sondern allein der gemeinsame Wille dort zum Wohl der Menschen etwas gemeinsam zu unternehmen, ohne auf die deutschen Wirtschafts-. oder Rohstoffinteressen zu schielen.
Am 9. Januar 2008 um 15:52 Uhr
Liebe Leute, Entwicklungshilfe ist doch gar nicht gewollt! Man sieht es doch am Beispiel von Loofah S.A. in Paraguay. Erfolgreiche Entwicklungsprojekte werden einfach zerstört. Unsere Steuergelder als Spielball der Politik.
Lest selbst, hier der Link: http://www.aktuelle-rundschau.com/LIDL-Lebensmittelkonzern.shtml
Gruß, Karin.
Am 9. Januar 2008 um 15:57 Uhr
Hier noch ein Artikel über die Interamerikanische Entwicklungsbank und Loofah S.A. Paraguay.
So geht man mit Initiativen zur Minderung der Armut in den Drittländern um.
http://www.dfp.deutsche-fachpresse.com/category/interamerikanische-entwicklungsbank/
Am 3. April 2008 um 19:45 Uhr
Zahlen der Globalisierung…
Gingen wir von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 75 Jahren aus, so hätte der Mensch eine Lebenszeit von 657.000 Stunden. Im Vergleich zum geschätzen Vermögen von Bill Gates ist das eine läppische Zahl. 56.000.000.000 Dol…
Am 17. November 2008 um 00:15 Uhr
[...] Rechne ich diese 3 Summen zusammen, komme ich auf die unvorstellbare Summe von 696 Milliarden Dollar. Pro Stunde könnten davon 75 Jahre lang 1.059.361 Dollar in Projekte investiert werden, die die Welt sozialer, gerechter und schöner machen würden. Das wären über 25 Millionen Dollar pro Tag. Die “Entwicklungshilfe” ist im Hinblick darauf in der Tat mehr Schein als Sein. [...]