Der offizielle Blog zur Aktion DEINE STIMME GEGEN ARMUT


Mit der Kanzlerin in Indien (II): “I promised you I will come and here I am!”

Claudia Warning, Vorsitzende von VENRO, dem Dachverband entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen, der Mitträger von “Deine Stimme gegen Armut? ist, bereist derzeit in der Delegation von Bundeskanzlerin Angela Merkel Indien. Ihre Eindrücke vom 30. Oktober:

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem indischen Premierminister Manmohan Singh (Foto: Claudia Warning)“I promised you I will come and here I am!” Mit diesen Worten entsteigt Angela Merkel dem Wagen und geht strahlend auf Indiens Premierminister Manmohan Singh zu. Es ist ihr erster Besuch in Indien und sie ist trotz kurzer Nacht gut aufgelegt. Wir stehen vor dem Präsidentenpalast, Angela Merkel wird vom indischen Premier Singh begrüßt (Foto: Claudia Warning)wo die Kanzlerin die militärischen Ehren entgegen nehmen wird. Die deutsche Delegation drängt sich unter dem Schattenzelt, es gibt nicht genügend Plätze für alle. Der indische Protokollchef guckt böse. Er versucht die vielen Deutschen zu verscheuchen, die sich der wohl für Inder reservierten Plätze bemächtigen. Offensichtlich gab es einen Fehler in der protokollarischen Übermittlung, aber die gute Laune der übrigen Anwesenden trübt dies nicht. Es ist der Auftakt zu einer Reihe von protokollarischen und inhaltlichen Terminen an diesem Tag.

Science Express im Bahnhof von Delhi (Foto: Claudia Warning) Als nächstes geht es quer durch Delhi auf abgesperrten Straßen zum Rajghat, der Einäscherungsstelle von Mahatma Gandhi, dem Vater der Nation. Die zahlreichen Delegationsmitglieder rennen im Laufschritt hinter der Kanzlerin und ihren Mitarbeitern her. Am Bahnhof steht bereits ein Zug bereit, der als privat-staatliches Joint Venture, das von Deutschland und Indien getragen wird, eine rollende Ausstellung für die Wissenschaften darstellt und über 60 indische Städte anrollen soll. Ein deutliches Zeichen zunehmender Kooperation in der Wissenschaft, wo Indien einiges zu bieten hat und Deutschland gerne Inder ausbilden würde. In den letzten Jahren hat sich die Zahl indischer Studierender in Deutschland verfünffacht…

Besuch bei den politischen Stiftungen: Mittelalter in den Dörfern

VENRO-Vorsitzende Claudia Warning mit Josef Sayer, Geschäftsführer von Misereor in Indien.Danach trennen sich die Wege. Die Kanzlerin hat ein erstes Treffen mit Premierminister Singh, wir fahren mit der parlamentarischen Staatssekretärin Karin Kortmann und den Bundestagsabgeordneten zu den Vertretern der politischen Stiftungen in Delhi. Dort erfahren wir, was wir schon erwartet haben: Indien ist das Land der Gegensätze, ausgerichtet auf Wachstum und Entwicklung, mit erheblichen Defiziten im Rechtssystem, einer schauerlichen Infrastruktur und vor allem mit riesigen Chancen. Dort das Mittelalter in den Dörfern, wo immer noch 70 Prozent der Bevölkerung lebt und das häufig unter Armutsbedingungen. Die Einschätzungen über die Entwicklungschancen und die Bewertung des Status Quo laufen auseinander – wie immer, wenn es um Indien geht.

Handel verdoppeln – Bürokratie halbieren?

Wenig später, zurück im Hotel: eine hochrangige Podiumsdiskussion mit der Indischen Handelskammer und deutschen Wirtschaftsvertretern, dem indischen Handelsminister und der Kanzlerin. Dort gibt es einiges zu lernen, manches vielleicht anekdotisch, aber mit ernstem Kern: Brüssel, so der bürokratieerprobte indische Minister, sei eine der schlimmsten Bürokratien der Welt und daran müssten wir Europäer etwas tun, wenn Indien in Europa investieren und mit Europa Handel treiben wolle. Wie häufig haben wir diesen Vorwurf gehört und wie häufig wurde er andersherum erhoben! Ein klarer Indikator für das wachsende Selbstbewusstsein der Inder.

Defilé (Foto: Claudia Warning)Alle Podiumsteilnehmer waren sich einig: man wolle Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit und sei bereit auf beiden Seiten das nötige zu tun, um dies zu erleichtern. Szenenapplaus gibt es für Angela Merkel als sie ausdrücklich Direktinvestitionen Indiens in Deutschland begrüßt. Kamal Nath, der Handelminister, spricht die stockenden Doha-Verhandlungen an und geht 14 Jahre in die Geschichte: damals sei er als amtierender Umweltminister mit der damaligen Umweltministerin Merkel treibende Kraft für die Vorbereitung und den Beschluss des Kyoto-Protokolls gewesen, heute könnten sie beide vielleicht die gleiche Rolle für die Doha-Runde übernehmen. Frau Merkel greift den Ball auf und betont die Notwenigkeit schneller Abschlüsse vor den amerikanischen Wahlen. Am Abend dann verkündet die Kanzlerin, dass sie mit Singh abgesprochen habe, in fünf Jahren das gemeinsame Handelsvolumen zu verdoppeln. Ein ambitioniertes Ziel, aber von beiden Seiten möglich und gewollt.

3 zu 140: Entwicklungspolitik als Randthema

Claudia Warning beim Empfang des indischen Premiers.Entwicklungspolitik ist ein Randthema: nicht nur, dass von 140 Delegierten nur drei Entwicklungspolitiker an Bord sind. Die Reise gilt zwei Wirtschafts- und Wissenschaftsnationen, die sich annähern wollen. Das Indien der Armen wird als Thema nur gestreift. Morgen aber soll es auch im Programm mehr in den Fokus kommen. Warten wir es ab. Der Abend beschließt mit diversen Dinnern: der Premierminister hat die politischen, wissenschaftlichen und entwicklungspolitischen Vertreter der Delegation zum Bankett geladen, womit der Austausch weitergeht…

Eine Reaktion zu “Mit der Kanzlerin in Indien (II): “I promised you I will come and here I am!””

  1. julia.esser

    armut is scheiße wer will dass schon dass ihm dass passirt du nicht oder also tuh was gegen

Einen Kommentar schreiben