Papst schreibt Merkel: Armutsbekämpfung “wichtigste Aufgabe unserer Zeit”
Wie Radio Vatikan heute berichtet, hat Papst Benedikt XVI im vergangenen Dezember in einem Briefwechsel mit Angela Merkel über die Notwendigkeit von Armutsbekämpfung im G8-Kontext ausgetauscht. Die Forderungen des Papstes sind dabei sehr weitreichend und weitgehend deckungsgleich mit denen der Aktion “Deine Stimme gegen Armut”.
Der Papst schreibt, dass Deutschland die historische Chance von EU- und G8-Präsidentschaft nutzen muss und seiner internationalen Verantwortung gerecht werden muss. Der Vertreter Gottes auf Erden betont aber auch, dass die “Regierungen der ärmeren Länder ihrerseits in der Verantwortung stehen im Hinblick auf good governance und auf die Beseitigung der Armut, daß hierbei aber eine aktive Zusammenarbeit von Seiten der internationalen Partner unverzichtbar ist.” Benedikt XVI fordert für die Bereiche Welthandel, Verschuldung, Entwicklungshilfe und Gesundheit (Originaltext):
- “Für die armen Länder sollten auf verläßliche und dauerhafte Weise günstige Handelsbedingungen geschaffen und gewährleistet werden, die vor allem einen breiten und vorbehaltlosen Zugang zu den Märkten einschließen.
- Es müssen auch Vorkehrungen für einen schnellen, vollständigen und vorbehaltlosen Erlaß der Auslandsschulden der stark verschuldeten armen Länder (heavily indebted poor countries – HIPC) und der am wenigsten entwickelten Länder (least developed countries – LDC) getroffen werden. Ebenso sollen Maßnahmen ergriffen werden, damit diese Länder nicht erneut in eine Situation untragbarer Schuldenlast geraten.
- Des weiteren müssen sich die entwickelten Länder auch der von ihnen übernommenen Verpflichtungen im Bereich der Entwicklungshilfe bewußt sein und diese vollständig erfüllen.
- Darüber hinaus bedarf es umfangreicher Investitionen auf dem Feld der Forschung und Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von AIDS, Tuberkulose, Malaria und anderen Tropenkrankheiten. In dieser Hinsicht stellt sich den entwickelten Ländern die vordringliche wissenschaftliche Aufgabe, endlich einen Impfstoff gegen die Malaria zu entwickeln. Ebenso besteht die Notwendigkeit, medizinische und pharmazeutische Technologie sowie Erfahrungswissen aus dem Bereich der Gesundheitsfürsorge zur Verfügung zu stellen, ohne dafür rechtliche oder wirtschaftliche Verpflichtungen einzufordern.”
Des weiteren fordert der Papst eine Einschränkung es legalen und illegalen Waffenhandels, des illegalen Handels mit wertvollen Rohstoffen, der Kapitalflucht aus armen Ländern und der Korruption von Beamten in armen Ländern einsetzen. Er fordert die Umsetzung der Millennium-Entwicklungsziele: “Angehörige verschiedener Religionen und Kulturen auf der ganzen Welt sind überzeugt, daß die Erreichung des Ziels, bis zum Jahr 2015 die extreme Armut zu beseitigen, eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit darstellt. Sie teilen darüber hinaus die Überzeugung, daß dieses Ziel in einem untrennbaren Zusammenhang mit dem Weltfrieden und der weltweiten Sicherheit steht.”
Die Antwort von Bundeskanzlerin Merkel, die Radio Vatikan ebenfalls dokumentiert, ist rückblickend nicht so überraschend: Sie verweist auf notwendige Eigenanstrengungen afrikanischer Länder, die geplante Initiativen zur Aids-Bekämpfung und Stärkung von Gesundheitswesen, die EITI-Initiative für Transparenz auf den Rohstoffmärkten und die in Verhandlung befindlichen EPA-Verhandlungen im Handelsbereich. Beim Thema Schulden verweist Merkel auf Entschuldungen in der Vergangenheit und zeigt damit, dass 2007 nicht mit weiteren Entschuldungen zu rechnen ist.


Am 23. April 2007 um 20:12 Uhr
ich bin gegen Armut und finde es sehr schade, dass es so viele arme menschen auf dieser welt gibt, welche, die nicht eimal ein dach über dem kopf haben und ich möchte, dass ihnen geholfen wird!
Am 2. Mai 2007 um 21:02 Uhr
Dass sich der Papst für die Bekämpfung von Armut und Krankheit einsetzt ist eine gute Sache. Aber bei der Bekämpfung von Aids sollte sich der Vatikan zuerst an die eigene Nase fassen: Eine kirchliche Erlaubnis zur Kondombenutzung würde einiges an Aids-Elend in Afrika verhindern.