Grönemeyer und Schiffer gegen Armut: Weiße Banner und Live8 am White Band Day
Ob Santiago de Chile, Rom, Paris, Maputo in Mosambik, Edinburgh oder Berlin – am ersten internationalen “White Band Day” waren Millionen Menschen dort und an vielen anderen Orten der Welt auf den Beinen und haben ihre Stimme gegen Armut erhoben. Anlass war der G8-Gipfel der acht wichtigsten Industrienationen in Gleneagles (Schottland).
Vor der beeindruckenden Kulisse des Brandenburger Tores, an dem ein riesiges Weißes Band mit der Aufschrift “Deine Stimme gegen Armut” prangte, gaben Prominente, Vertreter der Kirchen und von entwicklungspolitischen Organisationen am 2. Juli 2005 auf einem Transparent ihre Stimme gegen Armut.
Mit dabei: Herbert Grönemeyer, Schauspielerin Nina Hoss, Claudia Schiffer, Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der katholische Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky, Jürgen Hammelehle (Aktionsbündnis gegen AIDS) und Reinhard Hermle vom Verband Entwicklungspolitik (VENRO).
Lautstarke Stimmen
Damit forderten die Unterzeichner vor dem G8-Gipfel in Schottland konkrete Schritte bei der Bekämpfung der Armut. Begleitet von den mitreißenden Samba-Rhythmen der Band Rakatak sammelten unterdessen Helfer im weißen Aktions-T-Shirt Unterschriften – jede Unterschrift eine Stimme gegen Armut. Das Interesse bei den Passanten war groß: In nur zwei Stunden unterzeichneten fast 2.500 Menschen.
Bei der nachfolgenden Pressekonferenz brachte es Bischof Huber auf den Punkt: “Armut ist ein Skandal”. Herbert Grönemeyer sah die Industriestaaten in der Pflicht. Die westliche Welt habe die Entwicklungsländer in den vergangenen Jahrhunderten ausgebeutet: “Jetzt wollen wir etwas zurückgeben.” Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky forderte einen Richtungswechsel der reicheren Nationen: “Sonst werden weiter ‚Strukturen der Sünde’ zementiert, die die Mächtigen begünstigen und die Armen marginalisieren.” Jürgen Hammelehle vom Aktionsbündnis gegen AIDS beklagte das geringe Engagement der Bundesregierung bei der Bekämpfung der weltweiten AIDS-Epidemie: “Nach wie vor sind 85 Prozent der AIDS-Kranken weltweit von einer wirksamen Therapie ausgeschlossen”. Der VENRO-Vorstandsvorsitzende Hermle unterstrich: “Der Lackmustest für den Erfolg der Globalisierung wird letztlich sein, dass es gelingt, die Massenarmut in der Welt zu überwinden. Dafür kämpfen wir.” (Pressefotos zum Download)
Gedächtniskirche eingehüllt
Rund um die Kaiser-Wilhem-Gedächtniskirche in Berlin reckten zur gleichen Zeit viele Passanten ihren Köpfe nach oben: Auf etwa 20 Meter Höhe war am neuen Turm der Kirche ebenfalls ein überdimensionales Weißes Band befestigt. Vor der Kirche drei VENRO-Mitgliedsorganisationen und Mitstreiter von “Deine Stimme gegen Armut”: der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), Brot für die Welt und die Kindernothilfe. Sie hoben hervor: Seit der Verabschiedung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG) vor fünf Jahren ist die Armut in vielen Teilen der Welt gewachsen.
Mit einem Trommelwirbel ließen sie Ballons mit Postkartenappellen an den Bundeskanzler aufsteigen, informierten über die Aktion und Entwicklungshilfe-Projekte und verteilten Weiße Bänder. Ein großes Transparent lud alle Vorbeikommenden ein, mit ihrer Unterschrift dort ebenfalls ihre Stimme gegen Armut zu geben. Die EED-Stipendiatin Awatif Elageed aus dem Sudan unterstrich die große Gefahr durch AIDS in Afrika: “Wer infiziert ist, kann nicht mehr arbeiten. Menschen, die gerade einen Beruf erlernt haben, können zur Entwicklung des Landes nicht mehr beitragen. Wenn wir Entwicklung wollen, müssen wir AIDS bekämpfen.
Live8 – 150.000 Besucher beim Grönemeyer, Faithless und Co.
Am Nachmittag dann begann für viele Musikfans der Höhepunkt des ersten “White Band Days” – das Live8-Konzert. Bis tief in die Nacht zeigten rund 150.000 Besucher in Berlin ihre Unterstützung für die Forderung der Aktion nach mehr Engagement gegen die extreme Armut (Foto: nickboos/ Flickr).
Bewegende Momente und frenetischer Jubel bei den Live-Schaltungen in die Metropolen der Welt: “Hi London, hi Paris, hi Johannesburg!” Weltweit besuchten Hunderttausende die Live8-Konzerte in zehn Städten auf vier Kontinenten, hunderte Millionen Menschen verfolgten die Auftritte auf Bildschirmen und an Radios.
Weiße Bänder in Bielefeld, Wetzlar und Jena
Mit etwas weniger Publikum, aber nicht weniger spektakulär: Aktionen zum “White Band Day” an verschiedenen Orten Deutschlands. Wetzlar gehörte dazu – hier gelang es Unterstützern der Aktion auf Initiative von Netz e.V. ein 1,8 Kilometer langes Weißes Band vom Wetzlarer Dom quer durch die Innenstadt bis zum Herkules-Center zu präsentieren. Unzählige Helfer machten es mit Nähmaschinen vor Ort möglich, eintausend Banner und weiße Bettlaken zu dem weltweiten Symbol für die Bekämpfung der Armut zu verbinden. Noch in der Nacht brachten es drei Netz-Mitarbeiter nach Berlin, wo es am Morgen des 3. Juli auf die Reise zum “Long Walk for Justice” nach Edinburgh ging. Zwei Jahre später wurden das Wetzlarer Aktionsbündnis für die Aktion mit dem Ökumenischen Förderpreis ausgezeichnet.
25 Meter maß das Weiße Band, das das Welthaus Bielefeld an seiner Fassade anbrachte. Auch hier stand im Vordergrund, alle Menschen zur Beteiligung an der Unterschriftenaktion aufzurufen. In Nottuln war die dortige Friedensinitiative, unterstützt vom Bürgermeister und von Vertretern der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde, aktiv. Sie informierten die Passanten mit Flugblättern über die Millenniumsziele.
In Jena trug das Denkmal des Kurfürsten Johann-Friedrich ein Weißes Band. Die Fachschaft der Medizinstudierenden hatte dazu kurzerhand Laken der Uni-Klinik vorübergehend zweckentfremdet. Der Kirchtum von St. Winfried/ Salesianer Don Boscos in Bonn trug ein großes Weißes Band, in Köln hingen Studierende der Katholischen Hochschulgemeinde ein Weißes Banner an das oberste Stockwerk des Studentenwohnheims und in Goslar umwickelten engagierte Jugendliche des dortigen Dekanats die Jakobikirche mit einem Weißen Band aus Zeitungspapier.










