Der offizielle Blog zur Aktion DEINE STIMME GEGEN ARMUT


Sahel: Über 11 Millionen Menschen von Hungersnot betroffen

3. Mai 2012 | 0 Kommentare

Schon jetzt, Anfang Mai, reichen die Vorräte der Menschen in der Sahelzone in Westafrika meist nur noch für eine Mahlzeit am Tag. Mit wenig Essen müssen die meisten Menschen in dieser Gegend häufiger auskommen, aber dieses Jahr hat die so genannte Hungerperiode früher als sonst begonnen. Mindestens 11 Millionen Menschen sind in den westafrikanischen Ländern Niger, Mali, Mauretanien, Burkina Faso, Tschad und dem Norden Senegals von einer akuten Hungerkrise bedroht. Aber warum eigentlich?

Was verursacht den Hunger?

Aufgrund von Heuschreckenplagen, unregelmäßigen Regenfällen und dadurch entstehenden Dürren waren die letzten Ernten schlecht, die Vorräte reichen nicht bis zur nächsten Ernte im August. Dazu kommt, dass sich die Menschen, Tiere und Böden noch nicht richtig von der letzten Dürre im Jahr 2010 erholen konnten und der starke Anstieg der Nahrungsmittelpreise für die meisten Menschen Lebensmittel unerschwinglich macht. Viele sehen sich daher gezwungen, ihr Vieh zu verkaufen. Die Kinder müssen häufig zu Hause bleiben, damit das Schulgeld gespart werden kann. Doch damit schwächen sich die Menschen anstatt für ihre Zukunft zu sorgen. Langfristig hilft nur Prävention, da sind sich die HelferInnen vor Ort einig: Ohne neue Anbaumethoden, Wasserversorgung, Erosionsschutz und Vorratshaltung lässt auch die nächste Krise nicht lange auf sich warten. Zu diesen Ergebnissen kam auch eine Studie zur Lebenssituation im Sahel von führenden  internationalen Hilfsorganisationen (darunter Care, Oxfam, Plan international, Save the Children und World Vision).

Mangelernährung bei Kindern

Doch dafür ist es jetzt zu spät, nun geht es um das Überleben von mehreren Millionen Menschen. Besonders die verwundbaren Bevölkerungsschichten, wie Kinder, Schwangere und Stillende sowie ältere Menschen brauchen dringend Unterstützung. Mangelernährung trifft Kinder besonders schlimm, Kindersterblichkeit hängt laut UNICEF zu einem Drittel mit chronischer oder akuter Mangelernährung zusammen. Selbst wenn sie überleben, haben sie oft mit lebenslangen Folgen zu kämpfen. So ist ein großer Teil der Behinderungen weltweit auf Mangelernährung zurück zu führen. Wird eine unzureichende Ernährung dagegen rechtzeitig erkannt und behandelt, können die Kinder durch Zusatznahrung versorgt und ihr Zustand stabilisiert werden. Um eine Hungersnot wie im vergangenen Jahr in Ostafrika mit langfristigen Folgen zu vermeiden, fordern die Hilfsorganisationen nun zu schnellem Handeln und einer deutlichen Aufstockung der Mittel auf. Schnelle Hilfe und die Solidarität der Weltgemeinschaft sind nötig, um die Ausweitung der Krise noch verhindern zu können.

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Weltweite Armut halbiert – so eine Studie der Weltbank

19. März 2012 | 2 Kommentare

Ein wichtiger Teil des ersten Millenniumsentwicklungsziels (1A), die Halbierung von extremer Armut, ist bereits vor dem Ende der Frist 2015 erreicht worden! So oder so ähnlich ist es derzeit überall in den Zeitungen zu lesen.

Diese Artikel beruhen auf dem „Global Poverty Update“ der Weltbank vom 29. Februar 2012. In diesem wurde veröffentlicht, dass die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut leben von 42 Prozent im Jahr 1990 (dem Bezugsjahr der MDG) auf nur noch knapp 22 Prozent im Jahr 2008 gefallen ist. Den aktuellen Schätzungen zufolge ist die Anzahl der extrem Armen  bereits 2010 auf die Hälfte gefallen und das MDG 1A damit erreicht worden.

Extreme Armut – was bedeutet das?

Gemessen wird extreme Armut am Einkommen: Wer weniger als 1,25 US-Dollar Kaufkraft am Tag zur Verfügung hat, zählt zu den extrem Armen. Das bedeutet, dass existentielle Grundbedürfnisse, wie Nahrung und Gesundheitsversorgung, nicht befriedigt werden, die Menschen also nicht ausreichend mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen versorgt werden und täglich um ihr Überleben kämpfen müssen. Aber auch für die Menschen, die mit über 1,25 US-Dollar pro Tag leben, hat sich die Lebenssituation nicht maßgeblich verbessert, denn nur die wenigsten verfügen nun über 2 US-Dollar pro Tag und mehr. – Ein schlechtes Zeichen, denn auch die Lebensbedingungen mit max. 2 US-Dollar am Tag sind sehr schlecht.

Für 2010 oder 2011 gibt es dazu noch keine endgültigen Zahlen, doch die Entwicklungen sind bisherigen Studien der Weltbank zufolge in allen Teilen der Welt positiv. Durch die Finanz-, Kraftstoff- und Nahrungsmittelkrise haben sich diese Fortschritte zwar verlangsamt, doch die extreme Armut nimmt insgesamt weiterhin ab.

Regionale Unterschiede

Auch wenn die Armut in allen Teilen der Welt zurückgegangen ist, verlaufen die Entwicklungen regional sehr unterschiedlich: Insbesondere Ostasien (inklusive China) verzeichnete große Erfolge, hier fiel die Armutsrate von 55 Prozent im Jahr 1990 auf 14 Prozent in 2008. Bedauerlicherweise sieht es in Afrika südlich der Sahara ganz anders aus. Dort ist in fast 30 Jahren (seit 1981) die extreme Armut nur um 4 Prozent gesunken und auch das nur prozentual zur stark wachsenden Bevölkerung. Die tatsächliche Anzahl von Menschen in extremer Armut ist sogar stark angestiegen von 205 Millionen 1981 auf 386 Millionen 2008.

Armut hat viele Gesichter- Kritik an den Berechnungsmethoden der Weltbank

Kritisch zu sehen sind an diesen Berechnungen die Kriterien, an denen extreme Armut festgemacht wird. Der Maßstab der Weltbank von 1,25 US-Dollar Kaufkraft orientiert sich am Pro-Kopf-Einkommen und der damit verbundenen Konsumfähigkeit im eigenen Land. Doch auch der Zugang zu Bildung, Arbeit und medizinischer Versorgung sowie soziale Inklusion spielen eine wichtige Rolle für die „Berechnung“ von Armut. Die Weltbank selbst gibt zu, in der Studie viel mit Schätzungen gearbeitet zu haben, da es sehr schwierig sei, die soziale Lage in den armen Ländern mit Statistiken zu erfassen.

Es ist durchaus positiv zu sehen, dass es immer mehr Menschen gelingt, aus Lebenssituationen in extremer Armut zu entkommen, doch noch bleiben weitere Entwicklungen abzuwarten. Auch 2015 werden voraussichtlich noch rund eine Milliarde Menschen in extremer Armut leben!

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Was führt zu Landgrabbing und welche Folgen hat es?

16. März 2012 | 1 Kommentar

Was führt zu Landgrabbing und welche Folgen hat es?

Nachdem wir in unserem letzten Blogartikel erklärt haben, was Landgrabbing ist, werden wir nun etwas näher auf die Ursachen und Folgen dieser Praktik eingehen und diese an zwei kurzen Beispiel veranschaulichen.

Ursachen des Landgrabbing-Booms in den Schwellenländern

Viele Staaten produzieren im eigenen Land nicht genügend Nahrungsmittel um ihre Bevölkerung zu ernähren. Damit sind sie auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Der Druck auf viele dieser Staaten wuchs im Zuge der Nahrungsmittelkrise 2008 und dem damit verbundenen Preisanstieg von Lebensmitteln. Manche begannen in anderen Ländern Ackerland einzukaufen. Auf diesem Weg wollen sie für die eigene Bevölkerung den Zugang zu Nahrungsmitteln und Wasser sichern. Insbesondere in den Schwellenländern wie China, Indien und Südkorea und den Erdölstaaten herrscht hoher Bedarf an Nahrungs- und Futtermitteln. Ein paar Staaten haben zusätzlich einen Bedarf an Agrotreibstoffen. Sie streben es an, mehr von so genannten Energiepflanzen anzupflanzen. Insgesamt steigt dadurch der Wert von Land und wird auch für Spekulanten interessant, Investitionen in Ackerland gelten als sichere Anlage mit hohen Renditen.

Die Folgen für die Entwicklungsländer und deren armer Bevölkerung

Die einheimische Bevölkerung trifft das Landgrabbing besonders hart, da vor allem fruchtbare Ackerflächen verkauft oder verpachtet werden. Das Problem verschärft sich, da in den entsprechenden Entwicklungsländern solche fruchtbaren Ackerflächen ohnehin knapp sind. Die Bevölkerung verliert weiter Zugang zu Land und Wasser, um sich selbst zu versorgen. Wie stark solche Entwicklungen die Ernährungssicherheit gefährden, zeigt der weltweite Anstieg der Hungernden auf über eine Milliarde Menschen 2009, einem Jahr mit ertragsreichen Ernten in den meisten Ländern.

Durch den Verkauf von Ackerflächen sind die Staaten gezwungen, noch mehr Nahrungsmittel zu importieren. Das heißt, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken, müssen sie beispielsweise Getreide oder Reis aus anderen Ländern zu Weltmarktpreisen kaufen, die oft viel höher als die Preise im eigenen Land sind. Das liegt unter anderem daran, dass die Nahrungsmittel teilweise weit transportiert werden müssen und die Herstellungskosten in den Ländern sehr unterschiedlich sein können. In Afrika, wo nach einer Schätzung der Organisation Brot für die Welt bisher 70 Prozent des Landgrabbing stattfanden, führte das laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zu einem Anstieg der Ausgaben für Getreideimporte von 130 Prozent innerhalb weniger Jahre. Obwohl viele Staaten wichtige Grundnahrungsmittel günstiger weiterverkaufen als sie sie selbst gekauft haben, werden Lebensmittel so für die Menschen immer teurer.

Sojaanbau in Südamerika

Südamerika gehört zu den Hauptanbaugebieten von Soja weltweit. Die Sojapflanze wird unter anderem auf extrem großen Flächen Land angebaut, die von europäischen und chinesischen Firmen gepachtet werden. Besonders davon betroffen sind Brasilien, Argentinien, Bolivien, Paraguay und Uruguay. Die Anbaufläche erstreckt sich insgesamt über 50 Millionen Hektar (zum Vergleich: Die Gesamtfläche Deutschlands hat 36 Millionen Hektar) und breitet sich immer weiter aus. Brasilien baut allein etwa ein Viertel der weltweiten Sojaproduktion an. Der Großteil davon wird in die EU und nach China exportiert. Rund 90 Prozent der europäischen Sojaimporte fließen als Futtermittel in die Massentierhaltung.

Doch nur Großkonzerne mit Methoden der industriellen Landwirtschaft schaffen es, bei der Preiskonkurrenz mitzuhalten. Durch den hohen Einsatz von Pestiziden und Maschinen kann so mit möglichst wenig Aufwand viel geerntet werden. Die gesundheitlichen Schäden für die Menschen in diesen Regionen und die Belastung der Umwelt sind groß, werden aber ignoriert. Schätzungen der Organisation GRAIN von 2007 zufolge verloren durch den Sojaanbau in Brasilien 300.000 Menschen in Rio Grande do Sul ihren Lebensraum sowie 2,5 Millionen in Paraná. In Argentinien wurden etwa 150.000 Familien von ihrem Land vertrieben, in Paraguay 90.000 Familien. Die kleinbäuerlichen Strukturen und der Anbau von Nahrungsmitteln, wie Mais, Bohnen und Reis gehen rapide zurück. Darüber hinaus fallen gerade in Brasilien dem Sojaanbau immer größere Teile des Regenwaldes zum Opfer. Seit dem Jahr 2006 wurden von GRAIN über 400 weitere Landgrabbing-Fälle dokumentiert, insgesamt sind davon fast 36 Millionen Hektar Ackerfläche in 66 Ländern betroffen.

f-gerardov-flickrLandgrabbing in Mali

Die libysche Regierung hat in Mali fast 250.000 Hektar Land für die nächsten 50 Jahre gepachtet. Das bedeutet, dass alle Erträge eines halben Jahrhunderts, die dieses riesige Stück Land einbringt, an Libyen gehen. Darüber hinaus befindet sich das gepachtete Land im Nildelta, einer der fruchtbarsten Gegenden des Landes und eines der wichtigsten Reisanbaugebiete. Die Verträge wurden ohne die Mitsprache der ansässigen Bauern unterzeichnet, die dann in Regionen mit schlechter Wasserversorgung umgesiedelt wurden.

Neue Wege gehen

Einfluss nehmen auf die Ausdehnung von Landgrabbing kann darauf jede und jeder, auch hier in Deutschland, denn unser Lebensstil und Konsumverhalten sind ein, wenn auch kleinerer, Teil dieser Entwicklungen. Fleisch aus Massentierhaltung, häufiges Autofahren und der Import von Nahrungsmitteln schaffen die Nachfrage, die internationale Konzerne zu Landgrabbing veranlasst.

Aber auch die Politik muss einschreiten! So ist ein international verbindliches Regelwerk notwendig, das soziale und ökologische Richtlinien festsetzt und die Einhaltung dieser Vereinbarungen kontrolliert. Mit dem neuen Zehn-Punkte-Plan zur ländlichen Entwicklung geht die Bundesregierung einen Schritt in die richtige Richtung und greift die Eindämmung von Landgrabbing explizit darin auf.

Sehr anschaulich zeigt das Video von Brot für die Welt die Folgen von Landgrabbing für die einheimische Bevölkerung im Norden Argentiniens:

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Endlich – Fortschritte bei den Millenniumsentwicklungszielen

8. März 2012 | 1 Kommentar

Die weltweite Trinkwasserversorgung hat sich stark verbessert: Inzwischen haben 89 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten. Damit ist die Anzahl der Menschen, die täglich über sauberes Wasser verfügen zwischen 1990 und 2010 um zwei Milliarden gestiegen. Darüber informiert das UN-Kinderhilfswerks UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Bericht zur Wasser- und Sanitärversorgung in der Welt, der am 6. März veröffentlicht wurde. Das ist ein großer Erfolg, über den sich „Deine Stimme gegen Armut“ sehr freut.

Die Welt ist damit den Millenniumsentwicklungszielen (MDG), insbesondere dem MDG 7, das für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt steht, ein Stückchen näher gerückt. Neben anderen Zielen fordert das MDG 7, den Anteil der Weltbevölkerung, der keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen hat, bis 2015 um die Hälfte zu senken. Auch das MDG 4, das für die Senkung der Kindersterblichkeit steht, wird durch diese Entwicklungen unterstützt, obwohl immer noch jeden Tag mehr als 3.000 Kinder an Krankheiten sterben, die durch verschmutztes Trinkwasser verursacht werden.

Dennoch haben nach Angaben der UNICEF und der WHO noch immer 783 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,5 Milliarden Menschen besitzen keine eigene Toilette, 1,1 Milliarden Menschen haben in ihrem Alltagsleben sogar keine Möglichkeit, Latrinen oder Toiletten benutzen.
Etwa 40% der Menschen, die über keinen Zugang zu Wasser verfügen, leben in Afrika südlich der Sahara. Besonders schlimm ist die Lage in den ländlichen Gebieten: Dort haben nur 3% der Familien einen Wasseranschluss, viele müssen das lebensnotwendige Wasser in Flüssen und Seen holen und oft kilometerweit in ihre Dörfer tragen. Die Fortschritte sind also ungleich verteilt und die Erreichung vollständiger Millenniumsziele steht noch in weiter Ferne.

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Landgrabbing – der Ausverkauf von Land

2. März 2012 | 1 Kommentar

Neben Nahrungsmittelspekulationen trägt auch Landgrabbing zu den weltweit steigenden Lebensmittelpreisen bei. Es handelt sich dabei um kein neues Phänomen, doch in den letzten Jahren hat diese Praktik der „Landnahme“ stark zugenommen und den neuen Begriff des Landgrabbing geprägt.

Was ist Landgrabbing?

Landgrabbing bedeutet, dass einheimische und internationale Konzerne große Landflächen vor allem in Entwicklungsländern pachten oder kaufen. Die geschieht meist ohne Mitsprachemöglichkeiten für die einheimische Bevölkerung und damit wenig transparent. Den Landrechten und Bedürfnissen dort lebender Bevölkerungsgruppen wird dabei kaum Beachtung geschenkt. In manchen Fällen kommt es sogar zu Menschenrechtsverletzungen, zum Beispiel durch Umsiedlung oder gewaltsame Vertreibungen der dort lebenden Menschen. Diese bestreiten ihren Lebensunterhalt meist als Kleinbauern, Fischer oder Viehzüchter und verlieren dadurch den für sie lebenswichtigen Zugang zu Land und Wasser, um sich selbst zu versorgen.

Foto: Brot für die Welt

In der Regel wird das gekaufte oder gepachtete Ackerland ausschließlich für die exportorientierte industrielle Landwirtschaft genutzt und nicht mehr zum Anbau von Nahrungsmitteln für die Bevölkerung. Auf großen Plantagen werden Nahrungs- oder Futtermitteln für andere Länder sowie Pflanzen zur Produktion von Agrotreibstoffen, wie Mais angebaut. Die ökologischen Risiken, die diese einseitige Anbauweise für das Ackerland birgt, werden dabei meist ignoriert. Die Käufer locken die Regierungen der betroffenen Länder damit, Arbeitsplätze zu schaffen oder die Infrastruktur auszubauen. Die Regierungen vergeben das Land daher oft zu sehr günstigen Bedingungen, doch die erhofften Fortschritte in der Region bleiben meist aus. Trotzdem können die Regierungen viel Geld an Verkauf und Verpachtung der Landflächen einnehmen, die Bevölkerung sieht davon in der Regel allerdings wenig. Zwischen 2006 und 2009 ist die von Großkonzernen gekaufte oder gepachtete Fläche Schätzungen zufolge auf 50 Millionen Hektar angestiegen. Das entspricht etwa einem Viertel der Ackerfläche der Europäischen Union (EU).

Folgendes Video unserer Kolleginnen und Kollegen von Brot für die Welt erklärt Landgrabbing noch mal ganz einfach:

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Welche Zukunft wollen wir? – Der Gipfel 2012 in Rio

17. Februar 2012 | 0 Kommentare

20 Jahre nach der „Meilenstein-Konferenz“ 1992 hoffen viele Menschen darauf, dass die Akteure des Umweltgipfel der Vereinten Nationen (UN) diesen Juni in Rio Lösungen für zukünftige Herausforderungen finden.


Über welche Themen werden die Staats- und Regierungschefs verhandeln?

Im Mittelpunkt des Gipfeltreffens sollen zwei Themen stehen:

1. „Green Economy im Kontext von nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung“: Green Economy wird als eine Art des Wirtschaftens verstanden, in der ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Profit integriert sind. Doch der Begriff und das Konzept dahinter werden sehr kontrovers gehandelt, da es immer eine Frage des Blickwinkels ist, welcher der drei Aspekte im Vordergrund des Interesses steht.

2. „Global Environmental Governance“: Die Idee ist, eine große Organisation zu gründen, die den gleichen Stellenwert wie andere UN-Sonderorganisationen, z.B. die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat. Sie soll sich ausschließlich mit Nachhaltige Entwicklung befassen. Ziel soll dabei sein, dass sie dazu Regeln aufstellt, die für alle Staaten verpflichtend sind.

Kritische Stimmen

Schon im Vorfeld des Gipfels ist die Kritik groß: Vom Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre meldete sich Ende Januar die Zivilgesellschaft zu Wort. Unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“ treffen sich hier regelmäßig globalisierungskritische Aktivisten der sozialen Bewegungen aus aller Welt. Für sie ist soziale und ökologische Gerechtigkeit weltweit eins der brennendsten Themen unserer Zeit. Deshalb beschäftigen sie sich mit politischen Alternativen, die dem Wohlstand aller dienen sollen.

In diesem Jahr forderten die Aktivisten neue Schwerpunkte für die diesjährige Konferenz in Rio zu setzen. Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und kleinbäuerliche Landwirtschaft müssten in den Vordergrund der Rio+20-Erklärung rücken. Eine Green Economy als zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell wird von vielen Vertretern der Zivilgesellschaft  rundheraus abgelehnt, zu sehr stehen die Interessen der Wirtschaft und der Wachstumsgedanke im Zentrum des Konzepts. “Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt verstehen Green Economy als Unterwerfung der Politik unter die Interessen der Wirtschaft. Sie leistet der Kommerzialisierung der Natur weiteren Vorschub, Menschenrechte, Armutsbekämpfung und Gerechtigkeit bleiben auf der Strecke”, so Michael Frein, der Nachhaltigkeitsexperte des Evangelischen Entwicklungsdiensts (EED) in einer Presseinformation.

F Arne Hoel World BankDie Aktivisten vom Weltsozialforum in Porto Alegre sowie viele Vertreter der Zivilgesellschaft sind sich einig, dass nur eine grundlegende Veränderung des Systems einen Ausweg aus dieser Sackgasse schaffen kann. Ihrer Meinung nach sollte diskutiert werden, wie Wohlstand geschaffen werden kann, ohne (nur) auf Wirtschaftswachstum zu hoffen. Grundsätzlich müssten bei den Verhandlungen die natürlichen Grenzen des Planeten viel ernster genommen werden, als dies bisher der Fall ist.

AktivistInnen aus Porto Alegre schmieden Pläne

Aus Protest gegen die geplanten Inhalte des Erdgipfels haben die Teilnehmer den 5. Juni zu einem weltweiten “Tag der Mobilisierung” gegen den Kapitalismus und für mehr globale Gerechtigkeit aufgerufen. Außerdem wollen die Globalisierungskritiker unter dem Titel “People’s Summit” mit einer Parallelveranstaltung zu Rio+20 für Öffentlichkeit sorgen.

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„Rio+20“: Die Zukunft, die wir wollen?

8. Februar 2012 | 0 Kommentare

Unter dem Motto „The Future We Want“ – „Die Zukunft die wir wollen“  kommen im Juni diesen Jahres die Staats- und Regierungschefs aus aller Welt wieder in Rio de Janeiro zu einem Umweltgipfel der Vereinten Nationen (Rio+20) zusammen.

Wieso Rio+20?  – Ein Rückblick

Es wird um „Nachhaltige Entwicklung“ gehen, anschließend an den legendären „Erdgipfel“, der 1992 in Rio stattfand. Dort, vor 20 Jahren, wurden erstmals die Themen Umwelt und Entwicklung zusammenhängend diskutiert. Die Konferenz, an der auch Vertreter der Zivilgesellschaft teilnahmen, galt als Meilenstein für die Integration von Umwelt- und Entwicklungsbestrebungen und die Welt hatte hohe Erwartungen. Schon damals war offensichtlich, dass die ökologischen Grenzen unseres Planeten endlich sind und die natürlichen Lebensgrundlagen langsam aber sicher zerstört wurden. „Nachhaltige Entwicklung“ war das Zauberwort, ein neues Zeitalter sollte beginnen. Die Wirtschaft sollte weiter wachsen, doch vor allem, um weltweit Wohlstand zu schaffen und die Armut zu bekämpfen. Gleichzeitig wollte man Umweltbelastungen verringern und den Rohstoffverbrauch reduzieren. Leitlinien für nachhaltige Entwicklung auf lokaler Ebene wurden erklärt, die so genannte Agenda 21, Konventionen und Erklärungen verabschiedet, um die internationalen Umweltregime zu stärken.

Was geschah seither?

Blickt man zurück und zieht eine Zwischenbilanz, ist diese ernüchternd: Trotz einiger kleiner Fortschritte mangelt es an einer umfassenden Umsetzung der Ergebnisse. Der politische Wille für tief greifende Veränderungen fehlte. Nur freiwillige Selbstverpflichtungen, ohne rechtliche Verbindlichkeiten, das Verhalten in Produktion und Konsum zu ändern, erwiesen sich als wenig aussichtsreich. Auch bei den beiden Folgegipfeln 1997 in New York und 2002 in Südafrika kamen keine größeren Erfolge zustande.

Foto: basheem/flickrStattdessen spitzt sich die Situation immer weiter zu, die Anzahl der Hungernden steigt weltweit jährlich an, die globale Erwärmung nimmt zu, Klimakatastrophen zerstören die Lebensgrundlagen vieler Menschen, was die Bevölkerung in armen Ländern besonders hart trifft und die Rohstoffe werden immer knapper.

Über die Erwartungen, die an die Konferenz in diesem Jahr gesetzt werden, und die Themen, die der Gipfel voraussichtlich behandeln wird, berichten wir in unserem nächsten Artikel.

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Welches Thema der internationalen Armutsbekämpfung brennt euch unter den Nägeln?

7. Februar 2012 | 0 Kommentare

Unter dem Motto „Sag uns dein Lieblingsthema und gewinne“ haben wir letzte Woche den ersten Newsletter des Jahres verschickt und wollten wissen, welche Themen der internationalen Armutsbekämpfung euch wichtig sind.

Foto: CIMMYT/ flickr Wir waren außerordentlich positiv überrascht, dass das Interesse an unserer kleinen Umfrage so groß war und uns fast 400 Newsletter-Empfänger äußerst engagiert zurück geschrieben haben, oft auch mit vielen tollen eigenen Gedanken zum Thema Armutsbekämpfung. Vielen Dank!

Insgesamt hatten wir folgende Themen vorgeschlagen, Mehrfachnennungen waren erlaubt:

1.    Welt-Ernährung und Lebensmittelspekulationen
2.    Klimawandel: Was muss sich ändern?
3.    Welches Wachstum braucht Armutsbekämpfung?
4.    Millenniumsentwicklungsziele & was kommt nach 2015?
5.    Landgrabbing und Argosprit
6.    Menschenrechte in Entwicklungsländern
7.    Gerechtigkeit an den Finanzmärkten
8.    Gremien der Staats- und Regierungschefs (G8, G20 etc.) gerechter gestalten
9.    Ressourcen in Entwicklungsländern
10.    Nachhaltiger Konsum: Was können wir im Norden tun?
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Am Weitesten vorne liegt mit 171 Stimmen das Thema „Welt-Ernährung und Nahrungsmittelspekulationen“, gefolgt von „Nachhaltiger Konsum: Was können wir im Norden tun?“ mit 90 Nennungen. Für „Menschenrechte in Entwicklungsländern“ setzten sich 90 TeilnehmerInnen ein. Großes Interesse gilt auch den Themen „Klimawandel: Was muss sich ändern?“, „Landgrapping und Agrosprit“ und „Gerechtigkeit an den Finanzmärkten“ mit jeweils ca. 50 Stimmen. Auch zahlreiche weitere Themen wurden vorgeschlagen, wie „Bildung in Entwicklungsländern“, „Faire Handelsbedingungen für alle Länder“, „Besserer Zugang zu medizinischer Versorgung“ und Vieles mehr.

Unter den TeilnehmerInnen haben wir außerdem zwei Karten für „Mother Africa – Circus der Sinne“ verlost, die Eileen aus Hannover gewonnen hat. Die Karten wurden uns von der Konzertagentur FKP Scorpio kostenlos zur Verfügung gestellt. Herzlichen Glückwunsch Eileen!

Wir freuen uns sehr über das große Interesse und die tollen Anregungen und werden die Ergebnisse auf jeden Fall in unsere weitere Kampagnenplanung einbeziehen!

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Die bundesweite Aktionswoche 2011

27. Januar 2012 | 0 Kommentare

Mehr Einsatz, um Armut zu besiegen – das war das Motto der bundesweiten Aktionswoche. Zwischen dem 10. und 18. September zeigten Menschen in ganz Deutschland ihren Einsatz gegen Armut, indem sie Flashmobs organisierten, Unterschriften sammelten sowie Fotos mit dem Joker schossen und diese dann auf die Aktionslandkarte der Webseite hochluden. Zahlreiche entwicklungspolitische Organisationen und Bündnisse beteiligten sich an den Aktivitäten rund um die Aktionswoche:

Berlin – “Deine Stimme gegen Armut”-Konzert mit NYLON, Sorry Gilbero und Felix Meyer im Hof von C/O Berlin. Mehrere entwicklungspolitsche  Nichtregierungsorganisationen und Bündnisse präsentieren ihre Arbeit an Infoständen, wie  das Aktionsbündnis gegen Aids, die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt, INKOTA, NETZ, Save the Children und SODI.

Reinbek bei Hamburg – Die Kindernothilfe-AG der Sachsenwaldschule  Reinbek organisierte gemeinsam mit dem Graffitikünstler Aleks van Sputto eine öffentliche Graffitiaktion in der City.

Berlin – Die Galerie Berlin Weekly präsentierte Kunst gegen Armut. Die Galeristin Stefanie Seidl gibt jungen Künstlerinnen und Künstlern die Gelegenheit, ihre Sicht auf die weltweite Armut darzustellen.

Glückstadt – Die Pfadfinder aus Glückstadt sammelten sonntags vor der Kirche Stimmen gegen Armut. Mit einer Leichenumriss-Aktion machten sie darauf aufmerksam, dass alle drei Sekunden ein Kind an den Folgen extremer Armut stirbt.

Krempe – Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums Krempermarsch in Schleswig-Holstein sammelten Stimmen gegen Armut und übergaben diese direkt an den Bundestagsabgeordneten aus ihrem Wahlkreis Jürgen Koppelin. Ihn haben sie zu einer Diskussion in die Schule eingeladen.

Hachenburg/ Westerwald – Schülerinnen und Schüler der Kindernothilfe-AG des Gymnasiums Marienstatt organisierten eine Flashmobaktion in der Innenstadt von Hachenburg.

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Hofheim – Das Aktionsbündnis gegen Armut im Main-Taunus, in dem die Kirchengemeinden, die Wohlfahrtsverbände und verschiedene soziale Initiativen vertreten sind, organisierte eine Kundgebung gegen Armut auf dem Schulhof der Brühlwiesenschule in Hofheim.

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Köln – Die 10. Klasse der Montessori-Hauptschule in Köln-Bickendorf klärte sich und andere Klassen eine Woche lang über die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) und den Kampf gegen Armut auf. SchülerInnen sammelten zuhause und in der Pause Stimmen gegen Armut und präsentierten diese am Freitag feierlich im Atrium.

Heidelberg – Schülerinnen und Schüler aus Heidelberg wollten mit Unterstützungder Christoffel-Blindenmission nicht nur mit einem Flashmob auf dem zentralen Bismarckplatz Aufmerksamkeit erregen, sondern auch politisch aktiv werden.

Berlin – Der Solidaritätsdienst-International e.V. (SODI) lud am Samstag um 15 Uhr zum Aktionsgrillen in den Görlitzer Park ein. Unter dem Motto „Mehr Einsatz um Armut zu besiegen“ gab es eine spektakuläre Fotoaktion, an der sich alle Gäste beteiligen konnten.

Hennef – Die Grüne Jugend Hennef präsentierte sich und “Deine Stimme gegen Armut” auf dem Hennefer Stadtfest (bei Bonn). Ein Schwerpunkt der Aktion in der Innenstadt der Jugendlichen war es, viele Stimmen gegen Armut zu sammeln.

Wiesbaden – Der Arbeitskreis Wiesbaden der Kindernothilfe beteiligte sich am Kinder- und Familienfest zum Weltkindertag. Auf dem Schlossplatz konnten Besucher von 13.00-18.00 Uhr im Rahmen einer Fotoaktion die Kampagne “Deine Stimme gegen Armut” unterstützen und ihre Stimme abgeben.

Duisburg – Beim Fest zum Weltkindertag im Innenhafen organisierte die Kindernothilfe eine Fotoaktion mit Joker und sammelte Unterschriften für “Deine Stimme gegen Armut”.

Koblenz – Beim Kinderfest auf dem Gelände der Bundesgartenschau konnten Besucher am Stand der Kindernothilfe ihre Stimme gegen Armut abgeben und bei der Joker-Fotoaktion mitmachen.

Ein ganz großes Dankeschön vom Aktionsteam für die tolle Unterstützung!

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Das Kampagnenjahr 2011 – Ein Rückblick

26. Januar 2012 | 0 Kommentare

Für „Deine Stimme gegen Armut“ war 2011 ein Jahr voller Aktivitäten. Es war ein Jahr voller Freude über die Unterstützung vieler engagierter Menschen und auch Promis, die sich für unsere Sache stark gemacht haben. Wir winken Euch und rufen Euch ein herzliches Danke Schön zu!!! und möchten in diesem Blogartikel das Jahr noch einmal Revue passieren lassen.

Der Joker – Das Kampagnensymbol

Das Kampagnensymbol 2011 war eine Joker-Spielkarte. Der Joker kann den höchsten Wert haben, kann ein Spiel entscheiden. Die Botschaft an junge Menschen lautete: „Deine Stimme ist Dein Joker. Dein Einsatz macht den Unterschied.“ Unter dem Motto EINSATZ ERHÖHEN, WORT HALTEN, ARMUT BESIEGEN forderte „Deine Stimme gegen Armut“ von Politikerinnen und Politikern, dass sie ihren Einsatz erhöhen. Es steht viel auf dem Spiel – so auch die Einhaltung des 0,7-Prozentziels. Deutschland muss seine Versprechen halten und mindestens diesen geringen Teil der Wirtschaftskraft für mehr und bessere Armutsbekämpfung aufbringen.

Deine Stimme ist dein Joker – Die Gewinnermotive

„Als Pugalvani geboren wurde, schien ihr Leben vorgezeichnet. Viele Kinder, die in der kleinen Siedlung in der Nähe der indischen Millionenstadt Chennai leben, brechen die Schule ab, um in den staubigen Steinbrüchen der Region Steine zu klopfen. So tragen sie zum Lebensunterhalt der Familie bei. Heute ist sie 18 Jahre alt und studiert Elektronik und Kommunikation. Nachmittags gibt sie in der Dorfschule Förderkurse für 25 Schülerinnen und Schüler.“ So begann der erste Blogartikel aus der Reihe „Deine Stimme ist unser Joker“, die im Frühjahr 2011 startete.

Pugalvani zeigt in ihrem Umfeld mit einfachen Mitteln Einsatz gegen die weltweite Armut und trägt zur Grundschulbildung der Kinder in ihrem Kurs bei. Sie leistet damit einen kleinen aber sehr konkreten Beitrag zum zweiten Millenniumsentwicklungsziel (MDG). Die Andheri-Hilfe Bonn unterstützt das Projekt, in dessen Rahmen Pugalvani Förderkurse anbietet.

Der 4. Februar 2011 war ein kalter Freitag in Friedrichshafen am Bodensee. Doch das hielt die 22jährige Lena nicht davon ab, in der Innenstadt mit einem Flashmob Aufmerksamkeit zu erregen. Gemeinsam zeichnete Sie mit acht weiteren Aktivistinnen und Aktivisten Leichenumrisse auf das Pflaster der Fußgängerzone. Passanten schauten dem Treiben irritiert zu. Ab und wann unterbrach die Aktivistin ihre Arbeit um zu erklären: Alle 3 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen extremer Armut. Diese Botschaft schaffte es durch Lenas spektakuläre Performance in zwei regionale Zeitungen und auf ein Onlineportal.

Die Geschichten von Pugalvani und Lena gewannen ein Voting über die beeindruckendsten Motiven aus Nord und Süd. Mehr als die Hälfte der 6.000 Stimmen fielen auf die beiden Gewinnermotive. Diese großartige Beteiligung war es uns wert, die beiden Gewinnermotive auf Postkarten zu drucken und in einer Auflage von 50.000 in 150 weiterführenden Schulen bundesweit zu verteilen. Die Botschaft ist klar: Engagieren kann sich jede und jeder. Einsatz muss nicht kompliziert sein und kann sogar richtig „cool“ wirken – das zeigten die Motive allesamt.

Facebook-Spiel für die gute Sache: Werde SuperActivist
Was macht der 16jährige Felix, wenn er nicht in der Schule ist? Wo treibt sich Luise, 22 Jahre alt, herum, wenn sie nicht an der Uni ist? Die beiden sind Protagonisten im ersten Facebook-Spiel von „Deine Stimme gegen Armut“. In einer virtuellen Stadt lösen sie verschiedene knifflige Herausforderungen: Sie verteilen Flugblätter an Passantinnen und Passanten in der Fußgängerzone, vertreten ihre Thesen im Rededuell, testen ihr Wissen im Quiz oder suchen in den Gängen des Bundestags nach Abgeordneten, um sie von ihrer Meinung zu überzeugen. Gefragt sind dabei Schnelligkeit und Geschick, aber auch entwicklungspolitische Kenntnisse und ein gutes Gedächtnis.Das Spiel findet ihr nach wie vor über unsere Facebook-Seite, wo ihr eure Fertigkeiten unter Beweis stellen könnt.
Der Bundeshaushalt 2012

Es steht viel auf dem Spiel! Noch immer stirbt alle drei Sekunden ein Kind an den Folgen extremer Armut. Schon 1970 hat sich Deutschland, im Rahmen einer Resolution der Vereinten Nationen (UN) dazu verpflichtet, mindestens 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft für Entwicklungszusammenarbeit bereitzustellen. Um den international festgelegten Zielen näher zu kommen, müsste die deutsche Regierung für den Haushalt 2012 zwei Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stellen.

„Herr Schäuble, Sie sind unser Joker gegen Armut!“ so lautete die Botschaft von mehr als 4000 Unterstützerinnen und Unterstützern, die sich innerhalb von nur zwei Wochen dem Aufruf von „Deine Stimme gegen Armut“ angeschlossen hatten. Wir überbrachten den Appell an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wenige Stunden bevor das Kabinett die Gesamthöhe und wichtige Eckwerte des Haushaltsentwurfs am 16.März festlegte. Leider wurde zu wenig Geld bereitgestellt; eine Entscheidung, die vier Monate später durch das Kabinett bestätigt wurde.
Den ganzen Frühjahr, Sommer und Herbst über waren viele Menschen aktiv und haben die verschiedensten Events organisiert. Dabei haben sie fleißig Stimmen gesammelt, Mails an ihre Abgeordneten geschrieben oder diese sogar besucht. Mindestens 18 Abgeordnete konnten so überzeugt werden, sich dem „Aufruf für einen entwicklungspolitischen Konsens“ anzuschließen – ein toller Erfolg!

Prominente erheben ihre Stimme gegen ArmutSeht den Spot!

Wir danken allen Beteiligten. Als Promis waren dabei:
•    Ira Atari (Musikerin)
•    Horst Evers (Kabarettist, Autor und Geschichtenerzähler)
•    Fritzi Haberlandt (Schauspielerin)
•    Klaas Heufer-Umlauf (Fernsehmoderator)
•    Wladimir Kaminer (Schriftsteller und Kolumnist)
•    Kurt Krömer (Komiker und Moderator)
•    Jennifer Rostock (Rockband)
•    Joko Winterscheid (Fernsehmoderator)
Außerdem danken wir der Werbeagentur Jung von Matt/Spree und der Tony Petersen Film GmbH für ihre kreative und tatkräftige Unterstützung. Der Spot war ein voller Erfolg. Bei Youtube wurde er bereits in den ersten Tagen nach der Präsentation 7.500 mal angeklickt und der Link von 5.400 Usern geteilt.

„Music & Message“ bei der Berlin Music Week

Unsere zentralen Events in Berlin starteten mit unserer Präsenz auf dem New Music Award, der Eröffnungsveranstaltung der Berlin Music Week am 6. September 2011. Hier feierte der TV-Spot 2011 seine Premiere. Gleich zu Beginn stellte ihn Hadnet, die Moderatorin der Veranstaltung im Admiralspalast vor. Das offizielle „Deine Stimme gegen Armut“-Konzert im Hof des alten Postfuhramts, „c/o Berlin“ bot am nächsten Tag weitere entwicklungspolitische Inhalte mit musikalischer Untermalung. Rund 500 Musikbegeisterte lauschten den Klängen von Nylon, Sorry Gilberto und Felix Meyer. Im Hintergrund sammelten Ehrenamtliche Unterschriften und schossen Fotos mit dem Joker.

Unser Auftritt beim Berlin Festival am 9./10. September setzte all dem noch eins drauf. Bands wie Beirut, Caspar und die Beginner sorgten beim musikbegeisterten Publikum auf dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafen für gute Laune – und das obwohl wir samstags ehrlich gesagt im Regen fast untergingen. Ein Filmteam war mit vor Ort, was den Besuchern die Möglichkeit bot, selbst Teil des aktuellen TV-Spots zu werden. Insgesamt waren es rund 200 Musikfans, die neben Jojo Winterscheid, Fritzi Haberlandt und den anderen prominenten Unterstützerinnen und Unterstützern gegen Armut schnippten. Auch unter den auf dem Festival auftretenden Bands fand sich schnell Unterstützer, so „spendete“ beispielsweise der Sänger Aloe Blacc ein paar Minuten seiner Zeit auf der Mainstage, so dass Uli und Anke von „Deine Stimme gegen Armut“ die Gelegenheit hatten, von der Bühne aus – vor tausenden von Menschen – für die Aktion zu werben. Ganz nebenbei konnten bei den Events während der Berlin Music Week rund 2000 Stimmen gegen Armut gesammelt werden.

Die bundesweite Aktionswoche 2011
Mehr Einsatz, um Armut zu besiegen – das war das Motto der bundesweiten Aktionswoche. Zwischen dem 10. und 18. September zeigten Menschen in ganz Deutschland ihren Einsatz gegen Armut, indem sie Flashmobs organisierten, Unterschriften sammelten sowie Fotos mit dem Joker schossen und diese dann auf die Aktionslandkarte der Webseite hochluden. Zahlreiche entwicklungspolitische Organisationen und Bündnisse beteiligten sich an den Aktivitäten rund um die Aktionswoche. Eine Liste der Aktionen findet ihr in einem weiteren Blogartikel.

20.857 Stimmen für die Erhöhung des Entwicklungsetats!

Zum Abschluss der Aktionswoche wurden am 21. September die gesammelten Stimmen an Entwicklungspolitikerinnen und -politiker aus allen Fraktionen übergeben: 20.852 Menschen hatten ihre Stimme für mehr Mittel in der Armutsbekämpfung gegeben! Mit der Aktion vor dem Reichstagsgebäude wurde nochmals unterstrichen, dass auch in der Bevölkerung Rückhalt für die Aufstockung der Gelder für Entwicklungszusammenarbeit und die Anpassung an den Klimawandel vorhanden ist.

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Nahrungsmittelspekulationen – Was ist das eigentlich?

11. Januar 2012 | 2 Kommentare

UN Photo/John IsaacIn manchen Ländern der Welt ist der Preis für Reis in den letzten Jahren so sehr gestiegen, dass die Menschen drei Mal so viel wie zuvor für dieses Grundnahrungsmittel ausgeben müssen. Weltweit befinden sich die Preise für Nahrungsmittel auf dem höchsten Niveau seit 30 Jahren. Auch wenn in Deutschland auch immer wieder vom so genannten T-euro gesprochen wird, sind die Veränderungen hierzulande längst nicht so drastisch. Während wir in Deutschland durchschnittlich nur etwa 12 Prozent unseres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, liegt dieser Anteil in vielen Entwicklungsländern deutlich höher. Dort geben die Menschen zwischen 50 und 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Dass würde für uns bedeuten, dass wir für einen Laib Brot etwa 30 Euro, ein Päckchen Butter 16 Euro und einen Sack Kartoffeln fast 50 Euro bezahlen müssten. Das geht auf Rechnungen der Deutschen Welthungerhilfe zurück. Bei diesen Kosten bleibt für Menschen in Entwicklungsländern kaum Geld für medizinische Versorgung, Bildung oder andere lebenswichtige Dienstleistungen und Güter übrig. Damit ist die Weltgemeinschaft von ihrem Versprechen, Hunger und Armut weltweit bis 2015 zu halbieren, noch weit entfernt ist.

Schuld an den Preissteigerungen sind neben einigen anderen Faktoren vor allem Spekulationen auf Nahrungsmittel, wie die Untersuchungen im Rahmen des Welthunger-Index 2011 ergaben. Der Welthunger-Index ist eine Liste von Ländern, deren Bevölkerung unter Hunger und Unterernährung leidet. Er wird von der Welthungerhilfe, dem Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) und Concern Worldwide seit 2005 jährlich erstellt.

Was Nahrungsmittelspekulationen sind zeigt das Video der Nichtregierungsorganisation WEED, einer Organisation, die eine Wende in der Finanz-, Wirtschafts- und Umweltpolitik hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Tragfähigkeit fordert.

Nahrungsmittelspekulation, Video von WEED

Auf den Finanzmärkten zeichnet sich seit 2000 ein zunehmender Trend aus, mit Agrarrohstoffen und auch Nahrungsmitteln zu spekulieren. Dabei wird auf fallende oder steigende Preise gesetzt, um schnelle und hohe Gewinne zu machen. Dies führt zu starken Preisschwankungen, da nicht mehr die Mechanismen von Angebot und Nachfrage den Marktpreis  bestimmen. Diese Unregelmäßigkeiten haben weit reichende Folgen: Kleinbauern beispielsweise müssen zu ungünstigen Zeitpunkten verkaufen, weil ihnen Lagermöglichkeiten fehlen und die Ernte häufig ihr einziges Einkommen darstellt, auch Investitionen in die Landwirtschaft gehen zurück, da Unsicherheit erzeugt wird. Besonders Menschen in Länder, die vom Import von Nahrungsmitteln abhängig sind, leiden unter den Preissteigerungen.

Auch wir finden, dass die exzessiven Spekulationen mit Agrarrohstoffen und Nahrungsmitteln ein Ende haben müssen! Wenn ihr diese Forderungen unterstützen möchtet, könnt ihr die Petition der Kampagne make finance work unterstützen. Sie fordert mehr Transparenz und die Regulierung der Finanzmärkte sowie der Spekulation mit Nahrungsmitteln und Agrarrohstoffen.

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Weltklimagipfel in Durban: Ein Schritt voraus oder ewiges Trippeln auf der Stelle?

13. Dezember 2011 | 1 Kommentar

Ganze 14 Tage hatte es im südafrikanischen Durban gebraucht bis sich die Delegierten aus 195 Staaten auf einen Fahrplan für die kommenden Jahre einigen konnten – ein Rekord, denn so lange hat solch eine Veranstaltung noch nie gedauert. Am Sonntag dann beschlossen die Delegierten das “Durban Paket”.

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Die Beschlüsse

Der wohl wichtigste Beschluss dieses Pakets stellt der Weltklimavertrag dar, der erstmals alle Staaten umfassen soll, also auch die großen Schwellenländer, wie China und Brasilien, aber auch die USA, die bislang das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben. Bis 2015 soll der Vertrag ausgehandelt werden und 2020 in Kraft treten. Ziel des Vertrages ist die Verpflichtung aller wichtigen Treibhausgasemittenten, weniger Klimagase in die Atmosphäre zu blasen.

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Ein großer Wurf ist dieser Beschluss nicht, aber immerhin eine Einigung, über die schon viele erleichtert sind. So begrüßte die Welthungerhilfe, dass es keinen Rückschritt gegeben habe, fügte aber skeptisch an: “Was bislang an Reduktionszielen geplant ist, reicht bei Weitem nicht aus und läuft immer noch auf eine globale Erderwärmung von 3-4 Grad bis 2100 hinaus. Das ist definitiv eine schlechte Nachricht für die Entwicklungsländer des Südens.”

Ebenfalls beschlossen wurde eine neue Verpflichtungsperiode für das im Jahr 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll, die 2013 beginnen soll. Das Kyoto-Protokoll ist das bislang einzige völkerrechtlich verbindliche Instrument der Klimaschutzpolitik und legt verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern fest. Greenpeace bemängelte an der neuen Vereinbarung, dass unklar sei, ob das Protokoll fünf oder acht Jahre gelten soll und ob die zahlreichen Schlupflöcher, die das bisherige Kyoto-Protokoll abschwächten, künftig geschlossen werden. Insgesamt sind die Kyoto-Länder jedoch nur noch für 15 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Erstmals ist zudem ein so genannter Grüner Klimafonds geplant, der bis 2020 auf 100 Milliarden Dollar jährlich anwachsen soll. Er soll Entwicklungsländer bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und beim Aufbau von kohlenstoffarmen Energiesystemen unterstützen. Er wird künftig von einem Aufsichtsrat kontrolliert, dem jeweils zehn Vertreter aus Industrieländern und Entwicklungsländern angehören. Wo das Geld dafür herkommen soll, blieb allerdings weiter offen.

Die Bilanz

Insgesamt bewerten die Nichtregierungsorganisationen die Beschlüsse des Weltklimagipfels äußerst skeptisch. “Von der Dringlichkeit der Klimakrise war in den klimatisierten Verhandlungsräumen nichts zu spüren, obwohl Afrika vom Klimawandel schon heute stark betroffen ist”, erklärte Martin Kaiser, Leiter Internationale Klimapolitik bei Greenpeace. “Mit diesen Beschlüssen steuern wir weiter auf eine Welt von vier bis sechs Grad Erwärmung zu“. CARE International schließt sich dieser Einschätzung an und meint, das Ende der Klimakonferenz bedeute eine bittere Enttäuschung für die ärmsten Menschen auf der Welt. “Die Verhandlungsparteien haben einfach ihre Hausaufgaben nicht erledigt, die sie in Cancún im letzten Jahr bekommen haben. Diese Aufgaben wären durchaus erreichbar gewesen mit ausreichendem politischen Willen. Damit lassen sie Millionen Menschen im Stich, die heute schon unter den Folgen des Klimawandels leiden und die aber am wenigsten Schuld an der Erderwärmung tragen”, sagte Tonya Rawe, Policy-Referentin von CARE. “Der fehlende politische Wille und Sinn für Dringlichkeit ist unentschuldbar. Denn langfristig gesehen werden die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten des Klimawandels jene der momentanen Wirtschaftskrise noch bei weitem übersteigen.”

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Große Mehrheit für mehr Entwicklungszusammenarbeit

6. Dezember 2011 | 3 Kommentare

Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. (VENRO) hat im Zeitraum von 2007 bis 2011 das Meinungsforschungsinstitut Infratest beauftragt, Umfragen innerhalb der deutschen Bevölkerung und unter den Mitgliedern des Deutschen Bundestages durchzuführen. Ziel war es, die gesellschaftliche Bedeutung der Entwicklungspolitik und Armutsbekämpfung einschätzen zu können. Jetzt sind die Ergebnisse der repräsentativen Meinungsumfragen in der Broschüre „Großes Interesse, große Herausforderungen – Entwicklungspolitik in der öffentlichen Meinung und im Parlament“ nachzulesen. Wir geben Euch hier schon mal einen ersten Eindruck!

Für die Steigerung der Entwicklungszusammenarbeit

Die Ergebnisse der Umfragen zeigen: Das Thema Entwicklungspolitik ist in der Bevölkerung breit verankert. So halten 82,7 Prozent der Befragten den Einsatz Deutschlands in der Entwicklungszusammenarbeit mindestens für wichtig. Über 90 Prozent der Befragten wünschen sich zudem ein starkes Engagement der Bundesregierung in Afrika, wovon mehr als 55 Prozent dieses Engagement sogar für sehr oder äußerst wichtig halten. Nur jeder Zehnte hält das regionale Engagement dort für weniger wichtig oder gar für unwichtig.

Eine deutliche Mehrheit sieht den Einsatz Deutschlands in der Entwicklungspolitik eng mit der Einhaltung der Steigerung finanzieller Mittel verknüpft: Für drei von vier Deutschen (72,4 Prozent) ist es wichtig oder sehr wichtig, dass Deutschland seine Zusage, die Entwicklungshilfe bis 2015 auf 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung zu erhöhen, auch einhält.

Darüber hinaus hatte die Mehrheit der Befragten eine konkrete Vorstellung davon, wie die Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit generiert werden könnten. So befürworteten 69,2 Prozent der TeilnehmerInnen die Einführung eines Steuersatzes auf Käufe und Verkäufe am Finanzmarkt im Rahmen von 0,05 Prozent. Diese so genannte Finanztransaktionssteuer würde Gelder freisetzen, die sowohl zur Bekämpfung der Kosten der Wirtschafts- und Finanzkrise genutzt, als auch für die Entwicklungshilfe eingesetzt werden könnten.

Auf europäischer Ebene wird zudem seit geraumer Zeit über die Einführung einer Kerosin-Steuer oder einer Flugticket-Abgabe diskutiert. Zwei Drittel aller Befragten halten eine Kerosin-Steuer für sinnvoll, wenn die Erlöse für Entwicklungszusammenarbeit und die Anpassung an den Klimawandel in armen Ländern verwendet werden. Der eigene Beitrag wird hierbei klar beziffert: Mehr als 50 Prozent der Befragten wären bereit, einen Beitrag zwischen sechs und 20 Euro zusätzlich für ein Ticket zu zahlen, jeder Fünfte wäre sogar bereit, über 20 Euro mehr pro Flugticket zu zahlen.

Bekanntheit der Millennium Development Goals

In nahezu allen Umfragen von 2007 bis 2011 gibt mehr als die Hälfte der Befragten an, schon mal von den Millennium Development Goals (MDG) gehört zu haben. Die Zahl derjenigen, die ein konkretes MDG benennen können, liegt allerdings bei allen Umfragen nur bei etwa 10 Prozent. Der Anteil derer, die noch nie von den MDG gehört haben, ist seit der ersten Befragung 2007 (49,1 Prozent) um zehn Prozentpunkte zurückgegangen (39,9 Prozent im Jahr 2011). Es bleibt aber auch festzuhalten, dass konstant rund vier von zehn Bürgerinnen und Bürgern noch nie von den MDG gehört haben.

Die Mitglieder des Deutschen Bundestages fordern gesteigerten Einsatz zur Verwirklichung der MDG. So gaben drei Viertel der befragten Bundestagsabgeordneten an, dass Deutschland mehr für die Erreichung der MDG tun müsse. Nur 22 Prozent geben an, dass Deutschland sich ausreichend für die Erreichung der MDG engagiere. Auf die Frage nach den Themenbereichen, in denen sich Deutschland stärker engagieren sollte, wurden folgende Themen genannt (Mehrfachnennungen waren möglich):

Erfreulich ist für unsere Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“, dass ein Zusammenhang zwischen der Bekanntheit von „Deine Stimme gegen Armut“ und dem Wissen über die MDG festgestellt werden kann: Von denjenigen, die „Deine Stimme gegen Armut“ kennen, gibt fast jeder Fünfte in der Bevölkerung an, genau zu wissen, worum es bei den MDG geht. Dagegen gibt nur jeder 20. der Befragten, denen die Aktion unbekannt ist, an zu wissen, um welche Ziele es sich handelt. Es ist also davon auszugehen, dass die Kampagne zur Aufklärung über die MDG beigetragen hat.

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Busan und die Entwicklungszusammenarbeit der Zukunft

24. November 2011 | 1 Kommentar

In nur wenigen Tagen findet das Hochrangige Forum zur Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit (HLF4) im südkoreanischen Busan statt. Vom 29. November bis 1. Dezember 2011 werden Vertreterinnen und Vertreter von Geber- und Partnerländern sowie aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft die bisherigen Fortschritte der internationalen Bemühungen zur Steigerung der Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit überprüfen. Zugleich müssen sich die mehr als 2.000 Delegierten aus aller Welt mit der Frage auseinandersetzen, wie die Entwicklungszusammenarbeit in Zukunft aussehen soll.

Das Treffen in Busan ist bereits das vierte internationale Treffen, welches das Ziel verfolgt, die Entwicklungszusammenarbeit wirksamer zu gestalten. Hintergrund ist die Erkenntnis der Staatengemeinschaft, dass die im Jahr 2001 festgelegten Millenniumsentwicklungsziele (MDG) zur Verringerung der weltweiten Armut nur mit dem verstärkten Einsatz aller Beteiligten zu erreichen sind. Dazu gehören sowohl die Bereitstellung von mehr finanziellen Mitteln für die Entwicklungszusammenarbeit als auch deren stärkere Ausrichtung an Wirksamkeitsprinzipien.

Bereits im Jahr 2005 beim zweiten Hochrangigen Forum zur Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit (HLF2) in Paris haben Geber- und Partnerländer, multilaterale Institutionen und Entwicklungsbanken die so genannte Erklärung von Paris verabschiedet, mit der sie sich auf fünf Grundsätze in der Entwicklungszusammenarbeit einigten: Eigenverantwortung, Partnerausrichtung, Harmonisierung, Ergebnisorientierung und gegenseitige Rechenschaftspflicht. Diese Grundsätze wurden mit Indikatoren und konkreten Verpflichtungen für Geber- und Partnerländer verbunden.

Ob die mit der Pariser Erklärung international vereinbarten Prinzipien für nachhaltige Entwicklung auch tatsächlich umgesetzt werden, gilt es in Busan zu klären. Das ernüchternde Ergebnis einer Evaluierung vom Entwicklungsausschuss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD-DAC): Nur zu etwa einem Drittel sind die Prinzipien bislang erreicht worden. Die Geber haben demnach von 13 relevanten Indikatoren global nur einen erfüllt. Die Entwicklungsländer haben hingegen deutlich mehr politisch und institutionell verändert als die Geber.

Aus zivilgesellschaftlicher Sicht sollte es in Busan ebenfalls darum gehen, ein Paradigma zu nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung zu entwickeln. Zivilgesellschaftliche Akteure fordern in diesem Zusammenhang eine umfassende Reform der Entwicklungszusammenarbeit, von der die Ärmsten profitieren. Entscheidend dafür ist, dass der politische Kontext von Entwicklung und Armut in den Fokus genommen wird, der Dialog durch die Einbeziehung der Zivilgesellschaft breit verankert und mit messbaren, zeitgebundenen und überprüfbaren Verpflichtungen verbunden wird.

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Cannes: Gipfel der Enttäuschungen

8. November 2011 | 3 Kommentare

Es geschah, was viele Nichtregierungsorganisationen befürchteten: Die Finanzkrise und insbesondere die letzten Entwicklungen in Griechenland ließen der Armutsbekämpfung auf dem G20-Gipfel in Cannes kaum Raum. So folgte der Ankündigung der G20, in Cannes konkrete Projekte im Bereich Infrastruktur und Nahrungsmittelsicherheit zu beschließen, keine Taten. Vielmehr ignorierten die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer das brennende Thema der Armutsbekämpfung.

Als Gastgeber des Gipfels in Cannes plante Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der Entwicklungsfinanzierung einen besonderen Stellenwert zu verleihen und seine Kollegen von einer globalen Bankenabgabe auf Finanzgeschäfte zu überzeugen, die neue Mittel zur Entwicklungsfinanzierung freisetzen würde. Doch selbst der Appell des Microsoft-Gründers Bill Gates, in Cannes konkrete Schritte zur Entwicklungsfinanzierung zu beschließen, konnte nur wenig bewirken. Damit werde „wieder eine Chance vertan, ein wirksames Instrument für die Gewinnung von zusätzlichen Mitteln zur Armutsbekämpfung und dem Klimaschutz zu schaffen“, so der Dachverband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO).

Die Gespräche der G20 drehten sich vordergründig um die europäische Finanzkrise. „Wir streiten nicht ab, dass dieses Thema wichtig ist, doch die 925 Millionen Menschen, die jeden Abend mit einem leeren Magen ins Bett gehen und die Millionen Menschen am Horn von Afrika, die derzeit ums Überleben kämpfen, hätten die Aufmerksamkeit der einflussreichsten politischen Führer dringend benötigt“, betont Marwin Meier, Referent bei der Kinderhilfsorganisation World Vision.

Zwar soll zukünftig die Spekulation mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen begrenzt werden, damit bedrohliche Preisspiralen bei Nahrungsmitteln nicht länger bestehen bleiben, doch auch hier kann nicht von einem großen Erfolg die Rede sein. „[…] Der entscheidende Schlag gegen die exzessive Spekulation mit Nahrungsmitteln ist noch nicht geführt worden.”, so Jörg Kalinski von Oxfam.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Regierungschefs in Cannes dem Thema Armutsbekämpfung trotz des von ihnen 2010 verabschiedeten Aktionsplans für Entwicklung keinen zentralen Stellenwert beigemessen haben. Die Finanzierungslücke, die die Erreichung der Millenniumsziele (MDG) bis 2015 gefährdet, bleibt weiterhin bestehen und eine Strategie diese zu schließen, ist nicht in Sicht.

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G20 in Cannes: Wie steht es um den Aktionsplan gegen Armut?!

27. Oktober 2011 | 1 Kommentar

Die Gruppe der G20-Staaten vereint die wirtschaftlich mächtigsten Industrie- und Schwellenländer, die gemeinsam 90 Prozent der globalen Wirtschaftskraft und zwei Drittel der Weltbevölkerung repräsentieren. Neben den USA, China, Russland und Saudi-Arabien gehören auch Deutschland, Südkorea und Brasilien zum Kreis der Staaten. Seit 1999 treffen sich hochrangige Vertreter aus diesen Ländern zu Beratungen über internationale Fragen – in einer Woche, am 3. und 4. November, ist der nächste Termin und zwar in Cannes.

Ein Schritt nach vorne

Während sich die G20 vorrangig als Forum für Kooperation und Konsultation in Fragen des internationalen Finanzsystems versteht, hat sie ihr Themenspektrum im letzten Jahr erweitert. Mit dem 2010 verabschiedeten Aktionsplan für Entwicklung behandelt sie nun auch die Bereiche Armutsbekämpfung und wirtschaftliche Entwicklung in Entwicklungsländern. Entwicklungshilfe sei „eine Investition in den Wohlstand aller Länder“, so die Stellungnahme der G20 zum Aktionsplan. Die Entwicklungsländer spielen demnach für das Wachstum der Weltwirtschaft eine bedeutende Rolle.

Einsatz in bei Infrastruktur und Nahrungsmittelsicherheit angekündigt

Die Ankündigung aus dem vergangenen Jahr, mehr Einsatz im Kampf gegen Armut zu zeigen, wurde von vielen engagierten Menschen als sehr positiv bewertet. Seit dem hat jedoch die Finanzkrise die Probleme der Entwicklungsländer weitgehend in den Hintergrund gedrängt. In Cannes aber, so die Ankündigung der G20, soll nun eine erste konkrete Liste an “realisierbaren und finanzierbaren” Projekten zur Armutsbekämpfung in Afrika vorangetrieben werden. Hierbei stehen insbesondere die Bereiche Infrastruktur und Nahrungsmittelsicherheit im Mittelpunkt. Nach Ansicht der G20 stelle die mangelhafte Infrastruktur in den armen Ländern oft eine “dramatische Behinderung” ihres Wachstumspotenzials dar. In Bezug auf die Nahrungsmittelsicherheit sagte der französische Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire: „Das Modell, nach dem die reichen Länder des Nordens ihre Produktion erhöhen, um die Armen im Süden der Welt zu ernähren, ist nicht mehr tragbar. […] Wir müssen ermöglichen, vor allem durch neue Forschung, dass der Süden sich selber ernährt.“ Dies sei der wichtigste konkrete Schritt gegen die Preisinstabilität.

Wie dringend Maßnahmen für die Nahrungsmittelsicherheit sind, zeigt eine alarmierende, in den letzten Weltbank-Berichten zu lesende Zahl: fast 70 Millionen Menschen rutschten nach den Berichten zufolge zwischen 2010 und 2011 allein durch steigende Lebensmittelpreise in extreme Armut ab.

Innovative Finanzierungsmethoden

Um die Entwicklungsprojekte auch finanzieren zu können, sieht die G20 die Finanztransaktionssteuer als ein mögliches Finanzierungsinstrument. Der deutsche Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) stellte jedoch klar, dass es bei den zu beschließenden Maßnahmen “bewusst nicht um die Zusage neuer Finanzmittel oder die Verkündigung von Großprojekten“ gehe. „Im Rahmen der G20 möchten wir strukturelle Probleme überwinden, die oft einen viel größeren Einfluss auf unsere Partnerländer haben – sei es das Thema Handel, soziale Sicherung, Infrastruktur oder natürlich Ernährungssicherung.”

Wir werden den G20-Gipfel für euch nächste Woche beobachten und darüber berichten.

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Mehr Mittel für Entwicklungszusammenarbeit: “Selbstverständlich gerne”

17. Oktober 2011 | 2 Kommentare

Das Versprechen einhalten! Dazu ruft der überparteiliche “Aufruf zu einem entwicklungspolitischen Konsens” auf. Dabei geht es um die bereits 1970 versprochene Steigerung der Entwicklungshilfemittel auf 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft, die gemäß eines EU-Plans bis 2015 erreicht werden soll. Eine deutliche Mehrheit aller 620 Bundestagabgeordneten hat den Aufruf bereits unterzeichnet und somit die Steigerung der Entwicklungszusammenarbeit gefordert.

Auch für “Deine Stimme gegen Armut” ist diese Forderung ein zentrales Anliegen, weshalb wir Euch gebeten haben, den Abgeordneten aus Eurem Wahlkreis zu schreiben und sie zu bitten, den Aufruf ebenfalls zu unterzeichnen. Bereits im April haben wir über die ersten Reaktionen berichtet. Seitdem ist der Einsatz der Aktivisten nicht abgebrochen! Einen kurzen Überblick über neue Unterzeichner, aber auch über Gegenargumente einiger Abgeordneter:

Jürgen aus Oldenburg hat in seinem Wahlkreis den Bundestagsabgeordneten Thomas Kossendey (CDU) angeschrieben und nur zwei Tage später schrieb das Büro von Kossendey zurück: “Selbstverständlich unterzeichnet Herr Kossendey den Aufruf gerne.” Damit schließt sich Kossendey seiner Wahlkreiskollegin Christiane Ratjen-Damerau an, die den Entwicklungspolitischen Konsens ebenfalls unterschrieben hat (Foto: cducsu.de).

Ebenso erfolgreich erwies sich der Einsatz von Lisa aus Konstanz, die ihrem Wahlkreis-Abgeordneten Andreas Jung (CDU) eine E-Mail schrieb. “Herr Jung hat mir bereits in einer E-Mail geantwortet und meinte, er werde den Aufruf morgen unterschreiben. Diese Aktion finde ich außerordentlich gut und hoffe die gesteckten Ziele werden damit erreicht. Weiter so!” freute sich Lisa. Wir mussten nicht lange warten, um den Namen Andreas Jung auf der Unterzeichnerliste des Entwicklungspolitischen Konsenses zu finden (Foto: cducsu.de).

MdB Ruprecht Polenz (CDU) wurde in seinem Wahlkreis in Münster von Malte um Unterstützung für den Entwicklungspolitischen Konsens gebeten – und hatte Erfolg. Auch Ruprecht Polenz gab seine Stimme für die Einhaltung des Versprechens ab, die Entwicklungshilfemittel auf 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft bis 2015 zu steigern.

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Schüler treffen Abgeordneten: Armut nicht einfach hinnehmen

14. Oktober 2011 | 1 Kommentar

Schülerinnen und Schüler aus Heidelberg zeigen Einsatz gegen weltweite Armut. Im September organisierten sie gemeinsam mit der Christoffel-Blindenmission (CBM) einen Flashmob, jetzt luden sie den Bundestagsabgeordneten Lothar Binding, zuständig für die Entwicklungsausgaben in der SPD-Fraktion zur Diskussion. Ein Gastbeitrag von Sönke Bruch (CBM).

Dass noch immer mehr als eine Milliarde Menschen in extremer Armut leben, wollten Schülerinnen und Schüler des Helmholtz-Gymnasiums in Heidelberg nicht einfach hinnehmen. Deshalb luden sie den Bundestagsabgeordneten Lothar Binding (SPD) aus ihrem Wahlkreis ein. Sie sprachen mit ihm über die Ursachen der Armut und geeignete Lösungsansätze. Als Berichterstatter seiner Fraktion für die Entwicklungsausgaben ist Binding Fachmann auf diesem Gebiet.

Mit Rika Esser von der Christoffel-Blindenmission (CBM) nahm eine weitere Expertin an dem Gespräch teil. Sie ist bei der CBM Teamleiterin für anwaltschaftliche Arbeit und setzt sich als solche für die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern ein. Während Lothar Binding komplexe wirtschaftliche Probleme wie Nahrungsmittel-Spekulationen an der Börse anschaulich erklärte, wies Rika Esser auf die Herausforderungen hin, vor der Nichtregierungsorganisationen beim Kampf gegen die Armut stehen.

Blick in die Zukunft

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich zuvor mit unterschiedlichen Armutsdefinitionen, Gründen für die Armut sowie Lösungsansätzen auseinandergesetzt und stellten nun Fragen dazu. Ein Blick auf die Zukunft der UN-Millenniumsziele rundete das Schülergespräch ab. Rika Esser ging dabei auch auf die Situation von Menschen mit Behinderungen ein, die von Armut besonders betroffen sind.

Mehr Mittel für Entwicklungszusammenarbeit

Um die Armut nachhaltig zu reduzieren, müssen die Investitionen in die Entwicklungszusammenarbeit bis 2015 auf 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft steigen. Das hat Deutschland zusammen mit den anderen Industrienationen seit langem versprochen. Dennoch betrug die deutsche Quote 2010 gerade mal 0,38 Prozent. Als einer von 368 Abgeordneten hat Lothar Binding den Aufruf zu einem Konsens für die Erreichung des 0,7 Prozent-Ziels unterschrieben.

50 „Leichen“ auf dem Bismarckplatz


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#1000stories: 200 Tweets gegen Armut

23. September 2011 | 0 Kommentare

Ob Kleinkredite für Landfrauen in Nicaragua, der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria oder Vanille-Parfum aus Uganda – die Geschichten über Einsatz gegen die weltweite Armut sind vielfältig. Die Beispiele stammen aus einer gemeinsamen Twitter-Aktion, mit der erstmals 15 Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus Deutschland geballt versucht haben, Aufmerksamkeit für entwicklungspolitische Themen zu schaffen.

Während der Aktionswoche von “Deine Stimme gegen Armut” haben die entwicklungspolitischen Organisationen in über 200 Nachrichten (Tweets) ihre Geschichten im Kampf gegen Armut auf Twitter erzählt und dabei unter dem Motto “1000 Geschichten, 1 Hashtag” ein einheitliches Schlagwort (Hashtag) verwendet: #1000stories.

In einem Archiv des Dienstes TwapperKeeper sind alle 208 Tweets nachzulesen. Gleichzeitig bietet die statistische Übersicht spannende Einblicke: 63 Twitterer haben 208 Tweets mit dem Hashtag genutzt, darunter Organisationen wie Plan International, Brot für die Welt, Ärzte für die Dritte Welt, ONE Deutschland, CARE, Ora International, Oxfam, Misereor, INKOTA, Opportunity International, die Welthungerhilfe, das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) Deutschland, Stiftung Weltbevölkerung, die Johanniter Unfallhilfe International, das Fairhandelszentrum Münster, die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und natürlich “Deine Stimme gegen Armut”.

Die Top-10-Twitterer haben fast zwei Drittel aller Nachrichten verschickt mit #1000stories. 70 Prozent der Beteiligten (45 von 63) haben nur einen Tweet verschickt (“Long Tail”). Die grafischen Analysen zeigen auch, dass “Armut” und “NGO” die am häufigsten genutzten Schlagworte nach #1000stories waren.

Wir sind begeistert von den facettenreichen Stories und freuen uns, dass die recht spontane Aktionsidee von “Ärzte für die Dritte Welt” so viele Mitmacher unter den NGOs gefunden hat. Beim nächsten Mal werden es sicher noch mehr!?

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20.582 Stimmen fordern vom Bundestag: Einsatz erhöhen, Armut besiegen

21. September 2011 | 0 Kommentare

“Deine Stimme gegen Armut” hat heute 20.852 Unterschriften an Entwicklungspolitiker aus allen Fraktionen des Bundestags übergeben. Die Stimmen unterstützen den “Aufruf zu einem entwicklungspolitischen Konsens”, der eine Aufstockung der Gelder für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe fordert. Dem Appell haben sich bis heute 365 Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen angeschlossen. Mehr als 20.000 Bürgerinnen und Bürger machen mit ihrer Unterschrift deutlich, dass es auch in der Bevölkerung einen großen Rückhalt gibt.

Die Initiatoren des “Konsens” und weitere Unterzeichner nahmen die Stimmen vor dem Reichstag entgegen. Die Abgeordneten freuten sich unisono über die Unterstützung ihres Anliegens und versprachen, sich im Parlament und gegenüber den Haushaltspolitikern weiterhin für mehr Mittel zu engagieren. Auf dem Foto von links nach rechts: Jürgen Klimke (CDU/CSU), Heike Hänsel (Die Linke), Dr. Sascha Raabe (SPD), Sabine Weiss (CDU/CSU), Harald Leibrecht (FDP), Thilo Hoppe (Bündnis 90/ Die Grünen), Ute Koczy (Bündnis 90/ Die Grünen), Heike Spielmans (Verband Entwicklungspolitik VENRO) und Dr. Bärbel Kofler (SPD).

Unmittelbar vor der Unterschriftenübergabe wurde den Parlamentariern die Festivalversion des aktuellen TV-Spots der Kampagne vorgeführt. Der 35-sekündige TV-Spot mit acht prominenten Unterstützern wurde während des Berlin Festivals mit über 200 Konzertbesuchern auf 12 Minuten verlängert.

Ein herzliches DANKESCHÖN an alle, die ihre Stimme gegen Armut erhoben haben. Wer noch nicht dabei ist, kann seine Unterschrift weiterhin abgegeben. Auch haben noch nicht alle Abgeordneten den “Konsens” unterschrieben. Bitte die Vertreterinnen und Vertreter aus Deinem Wahlkreis, mitzumachen. Details und einen Mustertext haben wir für Dich zusammengestellt.

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Aktionswoche 2011: Die Highlights

19. September 2011 | 2 Kommentare

In zahlreichen Orten Deutschlands machen sich in dieser Woche – der Aktionswoche von „Deine Stimme gegen Armut“ – Menschen für das Thema Armut stark. Sie sammeln Stimmen gegen Armut und üben somit Druck auf die Politiker aus, ihren Einsatz gegen Armut zu erhöhen. Wir möchten Euch hier von ein paar eindrucksvollen Aktionen berichten.

Heute schon gegen Armut gesprüht?

Bereits am ersten Tag unserer offiziellen Aktionswoche zeigte die Kindernothilfe-AG der Sachsenwaldschule in Reinbek, wie kreativ der Einsatz gegen Armut sein kann. Insgesamt 15 Schüler und Schülerinnen kamen schon morgens zusammen und begannen alles herzurichten. Das Zelt wurde aufgebaut, die weiße Leinwand gespannt und die Dosen bereitgestellt. Eingeladen war auch der Graffitikünstler Aleks van Sputto, der den Schülern Einblick in seine Arbeit bot. Buchstabe für Buchstabe sprühten sie den fünf Meter langen Schriftzug DEINE – STIMME – GEGEN – ARMUT. Dominant sind die Farben rot und gelb – Signalfarben, die den Passanten der Reinbeker Innenstadt nicht entgingen. Einige hielten an, ließen sich über Armutsbekämpfung informieren. „Wir sammeln Unterschriften, damit den Politikern deutlich wird: Deutschland will mehr tun!”, erklärte Jonas Fiedler (17) mit großer Entschiedenheit sein Anliegen interessierten Passanten. Viele gaben daraufhin ihre Stimme ab und sprühten sogar ein bisschen mit.

Musik und Bilder für Stimmen gegen Armut

Ebenfalls tatkräftig unterstützt wird die Kampagne von der Galeristin Stefanie Seidl aus Berlin-Mitte. Am Samstag traten vor ihrer Galerie Berlin Weekly (Linienstr. 160, 10115 Berlin) die Hip-Hopper JollyJay und H-to-O auf, die mit ihrer Straßenperformance und ihren gewitzten Reimen die Blicke der vorbeilaufenden Menschen auf sich zogen. Bei so viel Wortgewandtheit und Schlagfertigkeit der Rapper fiel es kaum einem schwer, die Stimme gegen Armut zu erheben und am Infostand von „Deine Stimme gegen Armut“ zu unterschreiben. Neben „Music and Message“ greift Stefanie Seidl das Thema der Aktionswoche auch in der Sprache der Bilder auf. Eine Woche lang ist in ihrer Galerie die Installation „no way back“ von Monika Huber zu sehen, die auf die Folgen von Armut aufmerksam macht – nämlich auf die Flucht armer Menschen aus ihrer Heimat.

Mit Leichenumrisse Passanten wachrütteln
Mit einem Flashmob haben 50 Schüler des Helmholtz-Gymnasiums und die Christoffel-Blindenmission auf dem Bismarckplatz in Heidelberg für Furore gesorgt: Auf ein geheimes Kommando hin starben am Freitagnachmittag alle drei Sekunden Jugendliche symbolisch – indem sie sich auf das Kopfsteinpflaster fallen ließen. Die Passanten staunten nicht schlecht als zwei Helfer flugs die Leichenumrisse um die Jugendlichen nach Tatortmanier auf den Platz sprühten. Nach ein paar Minuten schon war der Spuk vorbei.
Weltweit ist der Schrecken nicht nach wenigen Minuten vorüber, denn alle drei Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen extremer Armut. Eine Tatsache, die die Schüler veranlasste, an die Gesellschaft zu appellieren, den Tod von Kindern nicht einfach hinzunehmen. Mit den Leichenumrissen deuten sie auch an, dass die Kinder keines „natürlichen” Todes sterben, sondern dass ein „Mörder”, Menschen und Staaten, verantwortlich sind – sei es durch Wegschauen oder sehenden Auges In-Kauf-Nehmen. Begleitend zur Aktion haben die Schüler einen Stand aufgebaut, die Heidelberger über “Deine Stimme gegen Armut” aufgeklärt und zur Unterschriftenaktion aufgerufen.
Auch in Glückstadt ließen sich Leichenumrisse finden. Letzten Sonntag malten die Pfadfinder aus Glückstadt sie mit Kreide vor einer Kirche auf den Boden und ließen ebenfalls symbolisch alle drei Sekunden ein Kind sterben.
Einen ebenso erfolgreichen Flashmob können 40 Schülerinnen und Schüler der Kindernothilfe-AG des Gymnasiums Marienstatt aus Hachenburg/ Westerwald für sich verbuchen. In der Innenstadt von Hachenburg ließen auch sie am Dienstag symbolisch alle drei Sekunden eine Person „sterben” und malten Umrisse um die „Leichen”. So sammelten sie nicht nur 150 Stimmen gegen Armut, sondern gewannen auch das lokale Fernsehen (im Video ab Minute 50) für sich, das einen Beitrag über die Aktion brachte.

Lärm machen und Schweigen aus Protest

Ordentlich Krach als Protest gegen den Hunger in der Welt machten in Hofheim die Schüler der Brühlwiesenschule. Mit Trillerpfeifen und Gastrompeten, mit Trommeln, Händeklatschen und lautem Schreien setzten die rund 600 Teilnehmer bereitwillig den Aufruf von Günter Adam vom Katholischen Bezirksbüro Main-Taunus um, lautstark die Politiker wach zu rufen und auf die Umsetzung der acht Millenniumsziele aufmerksam zu machen.
„Alle 3 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen extremer Armut“: Was eigentlich unvorstellbar ist, versuchte eine Schülergruppe mit einer Pantomime fassbar zu machen. Während minutenlang ein leiser Gong ertönte, setzten sich die Teilnehmer nach und nach auf die Treppenstufen, bargen ihre Köpfe auf den Knien, verdeckten mit den Kapuzen ihre Gesichter.
Um sich in das Leid und die Ungerechtigkeit hineinzufühlen, veranstalteten die Schüler abschließend eine Gedenkminute. 60 Sekunden Stille auf einem wohl gefüllten Schulplatz: Dass das klappt, damit hatten wohl auch die Schüler selbst nicht unbedingt gerechnet. Jedenfalls belohnten sie sich für diese Leistung mit einem herzhaften Applaus.

Engagieren, aufklären, sammeln

Auch die Klasse 10 der Montessori-Hauptschule aus Köln-Bickendorf hat es sich nicht nehmen lassen, Einsatz für „Deine Stimme gegen Armut“ zu zeigen. Angeleitet von ihrem Klassenlehrer Herr Bettermann informierten sich die Schüler zunächst wissbegierig über die Millenniumsentwicklungsziele. Ihr Wissen behielten die Schüler der Klasse 10 nicht für sich! Sie teilten es mit den Schülern der anderen Klassen, steckten sie mit ihrem Engagement an und überzeugten sie davon, ihre Stimme gegen Armut abzugeben. Einige Jugendliche nahmen sogar eine Unterschriftenliste mit nach Hause, um im privaten Kreis noch mehr Stimmen zu sammeln. Feierlich wurden am Ende die Aktionsergebnisse im Atrium des Schulzentrums präsentiert, wo die Schüler ihren Einsatz gegen Armut nochmals Nachdruck verliehen, indem sie auf dem Banner mit dem Logo „DEINE STIMME GEGEN ARMUT“ unterschrieben. Das Fazit des engagierten Lehrers lautete: „Jugendliche über ihren Tellerrand hinausschauen zu lassen und sich gesellschaftlich zu engagieren ist ein großes Anliegen der Montessori-Hauptschule und dieses ist mit dieser Aktion sicher gelungen.”

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