Menschen mit Behinderung

- Nguyen (6) aus Vietnam, wurde erfolgreich am linken Auge operiert. Er litt an einer schweren Infektion, die unbehandelt zur Erblindung geführt hätte (Foto: CBM).
Weltweit leben über 650 Millionen Menschen mit Behinderungen. Diese sind besonders stark von Armut betroffen. Den wenigsten gelingt es, sich aus dem Teufelskreis von Armut und Behinderung zu befreien. Die Organisationen Behinderung und Entwicklungzusammenarbeit (bezev), Christoffel-Blindenmission (CBM) unterstützen deshalb gemeinsam mit dem Projekt "die Gesellschafter" der Aktion Mensch gezielt behinderte Menschen in Entwicklungsländern. Im Rahmen der Aktion „Deine Stimme gegen Armut" machen sie explizit auf diese Menschen aufmerksam.
Laut UN-Statistiken leben weltweit über 80 Prozent aller Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Nach Angaben der Weltbank haben 20 Prozent aller in extremer Armut lebenden Menschen Behinderungen. CBM und bezev haben deshalb den Zusammenhang von Behinderung und Armutsbekämpfung an den Millenniumsentwicklungszielen (MDG) durchdekliniert.
Behinderung und die MDGs
MDG 1: Hunger und extreme Armut beseitigen
Menschen mit Behinderungen sind von Armut gravierend betroffen, da Behinderung beides ist: Ursache und Konsequenz von Armut. Nach Schätzungen der Weltbank haben ein Fünftel aller Menschen, die weltweit in Armut leben, eine Behinderung. Wenn man diese in Programmen und Projekten der Armutsbekämpfung nicht berücksichtigt, ignoriert man 20 Prozent der ärmsten und am stärksten marginalisierten Menschen.
MDG 2: Grundschulbildung für alle Kinder
Nach Angaben der UNESCO gehen in Entwicklungsländern über 90 Prozent der Kinder mit Behinderung nicht zur Schule.
MDG 3: Gleichstellung und stärkere Beteiligung von Frauen
Frauen mit Behinderung sind doppelt benachteiligt: durch ihren Status als Frau und durch ihre Behinderung. Mädchen mit Behinderung besuchen seltener regelmäßig eine Schule als Jungen mit Behinderung. Sie haben schlechte Chancen auf eine Erwerbstätigkeit und keinen Zugang zu Mikrokrediten. Frauen und Mädchen, die eine Behinderung haben, fallen eher sexuellem Missbrauch zum Opfer.
MDG 4: Kindersterblichkeit verringern
Die Sterblichkeit von Kindern mit Behinderung liegt weltweit bei bis zu 80 Prozent und zwar selbst in Ländern, wo die Kindersterblichkeit bei unter Fünfjährigen insgesamt gering ist (Quelle).
MDG 5: Die Gesundheit von Müttern verbessern
Etwa 10 bis 15 Millionen Frauen leiden an Langzeitkomplikationen oder Behinderungen, die durch Schwangerschaften und Geburten entstehen (Quelle). Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt sind eine bedeutsame Ursache für Behinderungen bei Kindern. Eine verbesserte Gesundheitsversorgung würde das Risiko einer Behinderung bei Mutter und Kind verringern.
MDG 6: HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen
Menschen mit Behinderung werden im weltweiten Kampf gegen HIV/Aids, Tuberkulose und anderen Krankheiten weitgehend ausgeschlossen – sowohl in der Vorsorge, als auch in der Behandlung. Weil Menschen, die von HIV/Aids betroffen sind, häufig diskriminiert und von einer gleichberechtigten Teilhabe in ihren Gemeinschaften ausgeschlossen werden, bedeutet für Menschen mit Behinderung diese Krankheit oft eine doppelte Diskriminierung.
MDG 7: Nachhaltigen Umgang mit der Umwelt sichern

- Peter ist Patient im Beit-CURE Hospital in Sambia (Foto: CBM).
Ein Drittel aller Krankheiten, die häufig zu Behinderungen führen, werden durch Umweltfaktoren verursacht (Quelle). Beispielsweise führt schmutziges Trinkwasser zu Trachoma, eine der häufigsten Ursache für Blindheit. Von den Auswirkungen des Klimawandels, zum Beispiel vermehrte Naturkatastrophen, sind Menschen mit Behinderung wegen ihrer marginalisierten Stellung in der Gesellschaft stärker betroffen als andere Bevölkerungsgruppen. Viele Menschen mit Behinderung leben in ärmlichen Behausungen, die Katastrophen schlechter standhalten und/oder in Armutsvierteln liegen, die in ungünstigen Lagen gebaut sind.
MDG 8: Aufbau einer weltweiten Partnerschaft für Entwicklung
Allen Menschen muss die Möglichkeit gegeben werden, ihren Beitrag zur Entwicklung zu leisten. Deswegen nehmen immer mehr internationale Organisationen und Regierungen Menschen mit Behinderung in ihre Strategien und Programme der Entwicklungsarbeit auf, nicht nur als Begünstigte, sondern auch als mitwirkende und mitbestimmende Akteure.
Menschenrechte umsetzen
Um wirksame Armutsbekämpfung zu betreiben, müssen Menschen mit Behinderungen in die internationale Zusammenarbeit einbezogen werden. Das ist nicht nur eine Forderung, sondern eine Pflicht. Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Teilhabe – auch in der internationalen Zusammenarbeit (§32 UN-Behindertenrechtskonvention). Deutschland hat sich - neben 86 weiteren Staaten - mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 dazu verpflichtet, dass Menschen mit Behinderungen in die internationale Zusammenarbeit mit einbezogen und bei Katastrophen- und Nothilfesituationen (§11) entsprechend berücksichtigt werden.
